 |
| Noch sind nicht ganz alle Unwetterspuren restlos beseitigt – doch auch auf der BOB-Strecke zwischen Zweilütschinen und Grindelwald kann die Bahn wieder fahren. (Bilder Dora Schmid-Zürcher) |
|
BOB fährt ab 1. Dezember 2005 wieder auf dem ganzem Netz
Rechtzeitig auf den Beginn der Wintersaison hin nimmt die Berner Oberland-Bahn am 1. Dezember 2005 nun auch auf der nach den Unwettern vom 22./23. August 2005 instandgestellten Strecke nach Grindelwald den Betrieb wieder auf. Insgesamt waren an den Bahnanlagen Unwetterschäden von rund 22 Millionen Franken entstanden.
Für den Ersatz der vom Hochwasser weggespülten Brücke im Choleygraben vor Lütschental wurden nur gerade zehn Wochen benötigt. – Von links nach rechts der Geschäftsleitungsvorsitzende Walter Steuri, Bauleiter Jürg Lauper, dessen Stellvertreter Heinz Schindler und Ernst Baumann, Leiter Ressort Fahrbahn I.
ds/pvr. Durch lange anhaltende Niederschläge seien am 22./23. August 2005 die Bahnstrecken der Berner Oberland-Bahn (BOB) stark in Mitleidenschaft gezogen worden, wurde am Mittwoch an einer Medienorientierung erinnert. Innerhalb von wenigen Stunden seien zahlreiche Anlagen unter Wasser gesetzt sowie Geleise, Bahndämme und eine Brücke weggespült worden. Gleichzeitig war nach BOB-Angaben auch die Kommunikation und Stromversorgung vollständig unterbrochen. Rund 20 beschädigte Gebäude und rund 35 grössere Schadenstellen bei den Bahnanlagen und Parkplätzen stellten die Bilanz dar: «Es entstanden Schäden von insgesamt rund 22 Millionen Franken – ein Mehrfaches der seinerzeitigen Erstellungskosten von 3,3 Millionen Franken für die ganze Berner Oberland-Bahn.» Dank guter Zusammenarbeit mit den Behörden und sehr grossem Einsatz des bahneigenen Personals, der Planer, den Bauunternehmungen und der Industrie hätten die Schäden innert einer Rekordzeit von zehn Wochen behoben werden können.
Bei Wiederinstandstellung des an 35 grossen Schadenstellen in Mitleidenschaft gezogenen BOB-Trassees wurden unter anderem 5000 Tonnen Bahnschotter verbaut.
Voller Einsatz
«In kurzer Zeit wurde eine bahninterne Krisenorganisation aufgezogen, die Übersicht über die Schadenstellen gewonnen, die vordringlichsten Projekte initialisiert und unter Einbezug aller Kräfte mit Räumungs- und Reinigungsarbeiten begonnen», verlautete an der Medienorientierung im weiteren. Zugbegleiter, Mitarbeiter aus dem Depot, Stationsbeamte, Lokomotivführer, Bahnhandwerker seien Tag und Nacht mit vollem Engagement im Einsatz gestanden: «Ziel aller Bemühungen war es, möglichst rasch den Bahnbetrieb wieder aufnehmen zu können.» Für die Strecke Interlaken Ost–Lauterbrunnen und die Schynige-Platte-Bahn sei dies auf den 2. September möglich gewesen: «Das Grindelwaldtal wurde – nach drei Tagen Unterbruch von Bahn und Strasse – bis zur Betriebsaufnahme am 1. Dezember 2005 mit Bussen bedient.»
Tausende von Tonnen Gesteinsmaterial
Auf den Baustellen standen nach BOB-Angaben gleichzeitig rund zwanzig Baumaschinen im Einsatz. Riesige Massen von Materialien hätten beschafft werden müssen, zum Beispiel rund 15 000 Tonnen grosse Blöcke für Ufersicherungen und Stützmauern sowie 5000 Tonnen Bahnschotter, diese entspricht einer Gleisumbaulänge von zirka 2,5 Kilometer. Zudem seien einige Tonnen Schienen und Bahnschwellen zu ersetzen gewesen: «Um diese Ressourcen entstand eine Art Konkurrenz, da die Anbieter nicht auf derart grosse Mengen vorbereitet waren.» Für den Ersatz der vom Hochwasser weggespülten Brücke im Choleygraben vor Lütschental hätten die Planer, Behörden und Ausführenden nur gerade zehn Wochen benötigt. Zur Mangelware seien auch die Kapazitäten der Ingenieurbüros, geotechnischen Büros, Forstunternehmungen und Bauunternehmungen mit den zugehörigen grossen Baugeräten geworden.
Neuere Bauten wie die Doppelspurstrecke der BOB hielten den Beanspruchungen stand.
Längs der Gewässer habe um die Baustellen im grossen Stil gerodet werden müssen: «Dies war gleichzeitig eine Chance, die Bahnbetriebssicherheit zu erhöhen; Verbesserungen erfolgten aber auch im Bereich der Wasserbaumassnahmen zum Schutz der Bahnanlagen und durch die Korrektur von Gleisradien.» Da die Relaisstationen Interlaken Ost und Zweilütschinen ebenfalls überflutet wurden, mussten laut BOB interne und externe Spezialisten, auch von befreundeten Bahnen, Hunderte von Relais und weitere elektrische Ausrüstung ausgebaut, gereinigt, teilweise ersetzt, wieder eingebaut und letztlich auf ihre Betriebstauglichkeit geprüft werden. Diese Feinarbeit habe ebenfalls einen grossen zeitlichen und letztlich finanziellen Aufwand bedeutet: «Auszutauschen waren zudem rund drei Kilometer Glasfaserstreckenkabel; eine Anzahl von Arbeiten wie Schotteraustausch, Finisharbeiten am Gleisoberbau, weitere Wasserbaumassnahmen werden im Winter und bis in den Spätsommer verrichtet.»
In der Schaltzentrale Zweilütschinen – das Untergeschoss war bei den Unwettern bis an die Decke vollgelaufen – mussten an die 3000 Relais aus- und wieder eingebaut werden.
«Mindestens 300jähriges Hochwasser»
Die Bewältigung dieses ausserordentlichen und flächendeckenden Ereignisses habe insbesondere gezeigt, «dass selbst über hundertjährige Anlagen nicht vor solchen Überraschungen gefeit sind», hiess es im weiteren: «Die Natur hat mit diesem mindestens 300jährigen Hochwasser eindrücklich ihre Stärke demonstriert.» Die Ereignisse hätten aber auch gezeigt, dass neuere Bauten wie die Doppelspur der Berner Oberland-Bahn und die neue Wehranlage des Kraftwerks in Burglauenen den Beanspruchungen standhielten.» Demgegenüber seien modernste Kommunikationseinrichtungen unter gewissen Voraussetzungen sehr verletzlich. – Die Unwetterschäden in Zahlen:
| – |
20 Bahnbetriebsgebäude überschwemmt |
| – |
1 Brücke zerstört |
| – |
35 grosse Schadenstellen auf dem Bahntrassee |
| – |
Insgesamt 22 Millionen Franken Sachschaden |
| – |
2,5 Kilometer Gleissanierung/-ersatz |
| – |
15 000 Tonnen Steinblöcke für Wasserbau/Stützmauern |
| – |
5000 Tonnen Bahnschotter |
| – |
850 Betonbahnschwellen (250 Zahnstangenbereich, 600 Adhäsionsbereich) |
| – |
zirka 1 Kilometer Schienenersatz |
| – |
72 Meter Zahnstangenlamellenersatz |
| – |
zirka 3000 Relais mussten aus- und wieder eingebaut werden |
| – |
zirka 3 Kilometer Glasfaserkabelersatz |
|