DS Blümlisalp: «Dunkelgrünes Farbmuster – ein fiktives Fantasieprodukt»
Beim gegenwärtigen dunkelgrünen «Testanstrich» des Raddampfers «Blümlisalp» handelt es sich um ein Farbmuster ohne jegliche historische Grundlage. Der originale Anstrich von 1906, der gerade mal acht kurze Jahre als nicht ausgereifte Trenderscheinung und kurzlebigen «Modefurz» Bestand hatte, war recht hell, fad und gräulich, von dunkel keine Spur. Sämtliche und akribisch genauen Farbmuster der «Blümlisalp» von 1906 bis 1958 wurden von Erich Liechti glaubwürdig recherchiert und in seinem Buch «Das Salondampfschiff Blümlisalp, eine Legende» (Ott Verlag Thun 1993) dokumentiert.
Auf dem Vergleich ist oben die kolorierte Fälschung und unten das Original.
Man achte auch auf den grossen Unterschied bei der Bugzier. Auf dem Original kommt die Bugzier wesentlich dunkler rüber, da der Hintergrund des Schanzkleides wesentlich heller ist, wie es ja auch echt war. (Bilder zvg)
Beim Bild, dass am Freitag, 14. Oktober 2005 zu einem Leserbrief von Markus Engemann in den Beo-News publiziert wurde und angeblich die historische Grundlage des gegenwärtig, dunkelgrünen Farbanstrichs belegen soll, handelt es sich um ein nachträglich retuschiertes und nachträglich koloriertes Bild – mit anderen und deutlicheren Worten, es handelt sich um eine abgeänderte Fälschung, sprich Manipulation eines historischen Bildes.
Besagtes historisches Bild – siehe auch DS Blümlisalp: «Farbtöne in der richtigen Nuance» vom Freitag, 14. Oktober 2005 – findet man auch in der originalen, echten und viel helleren Variante auf Seite 116 des Standardwerkes «Die Geschichte der Schiffahrt auf dem Thuner- und Brienzersee» der Autoren Josef Gwerder, Erich Liechti, und Jürg Meister (Schlaefli Maurer AG Interlaken). Das Bild stammt dabei nicht aus dem Escher-Wyss-Archiv, sondern der originale Abzug ist im BLS Archiv beheimatet. Das originale Bild zeigt sehr gut, wie 1906 und in den darauf folgenden Jahren die «Blümlisalp» in recht hellen und nicht dunklen Tönen gehalten war und auch wie 1906 der Strahlenkranz am Radkasten niemals dunkel gefärbt oder speziell akzentuiert war.
Das gegenwärtige und sehr kontroverse, dunkelgrüne Farbmuster an der «Blümlisalp» und insbesondere auch die dunkle Akzentuierung des Strahlenkranzes haben somit nichts mit der «Blümlisalp» von 1906 zu tun, und es fehlt den dunklen Farbmustern auch sonst jegliche historische Daseinsberechtigung, weil es sie so nie gab! Vielmehr ist es erschreckend, wie die Verfechter des fragwürdigen dunkelgrünen Farbkonzepts, alleine weil ihnen das extravagante, dunkle Farbschema aus persönlicher und subjektiver Wahrnehmung her gefällt, gewillt sind historische Bilder als angebliches «Beweismaterial» oder «Alibi für den Anstrich» zu verfälschen und zu manipulieren. Mit dem düsteren, dunkelgrünen Anstrich vollbringen die Verfechter dieses Farbkonzepts, ob es ihnen bewusst ist oder nicht, nichts weiteres als die Verwandlung der «Blümlisalp» vom Ausflugsdampfer in das Schlachtschiff «Bismarck». Es ist zu hoffen, dass (farbliche) Vernunft noch einkehrt, bevor es zu spät ist und bevor die Beliebtheit und Ausstrahlung der «Blüemlere» durch eine militärische Tarnbemalung nachhaltig ruiniert ist.
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Walter Jau, Bern
Sekretär des Aktionskomitees «Pro Dampf» 1969 bis 1972
Gründungsmitglied Vaporama
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