SAC-Hütten vor Saisonschluss: Ein eher schlechter Sommer
In vielen Berner Oberländer Berghütten geht an diesem Wochenende die Sommersaison zu Ende. Das miese Wetter sorgte für durchzogene Bilanzen. Die Bilanz der zu Ende gehenden Sommersaison sieht nur für wenige Betriebe rosig aus. Mehr als die Hälfte der Hütten schaut auf ein durchzogenes, eher schlechtes Jahr zurück. Einzelne beklagen sogar einen Rückgang der Übernachtungszahlen um fast die Hälfte.
Die Fahne ist eingezogen: Wie viele andere SAC-Hütten im Berner Oberland verzeichnete auch die Tierberglihütte der SAC-Sektion Baselland auf 2795 Meter über dem Meeresspiegel (Normalnull) einen durchzogenen Sommer mit wesentlich weniger Übernachtungen.
«Der schlechteste Sommer seit 28 Jahren», stellt Bernhard Mani, Hüttenwart der SAC-Hütte Blümlisalp hoch auf dem Hohtürli fest. «Eine traurige Bilanz mit vierzig Prozent Rückgang», fasst sich auch Magdalena Ernst von der Lauteraarhütte kurz. «Ein Rekordsommer mit 2700 Übernachtungen. Und wir führen den Betrieb wenn möglich noch bis Ende Oktober weiter», freut sich dagegen Hüttenwart Heinz Steiger von den Wildstrubelhütten. Von «katastrophal» bis «rekordverdächtig» ist in den höchstgelegenen Gebäuden der Alpen fast alles zu hören.
Die argen Wetterkapriolen und das damit verbundene Ausbleiben der Touristen sind bei der Mehrzahl der Betreiber für die eher schlechten Übernachtungszahlen in den Berghütten verantwortlich. So weist die Wetterstatistik von Peter Stoller, Wirt des Berghotels Schwarenbach «in diesem Sommer gerade mal vier schöne Sonntage.» Und stellvertretend für ihre Kollegen berichtet Dossenhüttenwartin Cyrille Zwicky: «An den meisten Wochenenden hagelte es nur so Absagen. Am ehesten kamen die Berggänger noch durch die Woche hinauf.» Wie viele SAC-Hütten im Berner Oberland verzeichnete auch die Bächlitalhütte der SAC-Sektion Albis auf 2330 Meter über Meer einen durchzogenen Sommer mit rund fünfzehn Prozent weniger
Übernachtungen.
Allgemein leichter Rückgang
Zehn Sektionen des Schweizerischen Alpenclubs (SAC) bewirtschaften im Berner Oberland 35 Berghütten, von denen deren drei auf Walliser Hoheitsgebiet liegen. Weitere siebzehn Hütten werden privat geführt. Ein Dutzend dieser insgesamt 52 Betriebe stellte im zu Ende gehenden Hüttensommer einen leichten Rückgang gegenüber 2004 fest. Sieben Häuser beklagen rund einen Viertel Umsatzeinbusse. Die Silberhorn-, Lauteraar- und Schreckhornhütte hatten sogar nur gut halb so viele Besucher. Nur gerade ein halbes Dutzend Hütten weist ein gleiches Resultat wie im Vorjahr aus.
Bruno Petroni
(Text und Bilder)
Es gibt oberhalb der Baumgrenze aber auch erfreuliche Zahlen: Von knapp 500 auf 1100 Übernachtungen vermochte sich die Trifthütte zu steigern, deren 60 Betten fast den ganzen Sommer hindurch belegt waren: «Die neu eröffnete Triftbrücke hat einen wahren Wanderboom ausgelöst, der sich auch in den nächsten Jahren noch bemerkbar machen dürfte», sagt Trift-Wartin Daniela Zwyer. Auch in der 630 Meter tiefer gelegenen Windegghütte ging es heuer hoch her: «Sowohl bei den Übernachtungen als auch bei den Tagesbesuchern verzeichneten wir unglaubliche, nie da gewesene Frequenzen», freut sich Hüttenwartin Monika Lüthi. Bächlital: Rohre verlegen
Unterhalb der Bächlitalhütte im Grimselgebiet wird kurz vor Saisonschluss noch fleissig gearbeitet: «Wir wollen vor dem Wintereinbruch noch ein Turbinenhaus bauen und die Druckwasserleitung um 110 Meter verlängern», erzählt ein motivierter Landsgemeindepräsident und Trift-Hüttenchef Walter Brog: «Im Winterbetrieb hatten wir bisweilen zuwenig Wasser; die neue Turbine bringt jetzt einen Drittel mehr Leistung und kann ferngesteuert bedient werden.»
Von –40 bis +127 Prozent
Die Bilanz der Berner Oberländer Berghütten klafft weit auseinander. Im Vergleich zum Vorjahr erreichten folgende Hütten in etwa den gleichen Umsatz: Gauli, Wildhorn, Dossen, Guggi, Bächlital, Gelten. Bis zu 15 Prozent büssten ein: Winteregg, Lötschenpass, Grubenberg, Mutthorn, Grat, Rotstock, Balmhorn, Suls-Lobhorn, Gelmer, Lohner, Bächlital, Gleckstein. 20 bis 30 Prozent Rückgang verzeichnete man bei Oberaar, Rottal, Engelhorn, Blümlisalp, Fründen, Tälli, Menndlenen. Vierzig Prozent Verlust beklagen Silberhorn, Lauteraar und Schreckhorn. Zehn Prozent mehr Frequenzen erzielten Lämmeren und Doldenhorn. Erfreulich auch Gspaltenhorn mit zwanzig Prozent, Hollandia mit 30 Prozent und Wildstrubel mit über 50 Prozent Mehrumsatz gegenüber 2004. Mit einer Zunahme von 127 Prozent (mehr als Verdoppelung der Übernachtungszahlen) steht die Trifthütte aus dem genannten Grund allein an der Spitze.
Immer offen
Folgende Betriebe haben ihren Betrieb bereits stillgelegt: Gauli, Gleckstein, Hollandia, Mutthorn, Rotstock und Schreckhorn. An diesem Wochenende verlassen zehn weitere Hüttenwarte ihr Refugium: Dossen, Gspaltenhorn, Tierbergli, Fründen, Lämmeren, Lohner, Oberaar, Wildhorn, Mönchsjoch und Schilthornhütte. Je nach Wetter werden Dossen, Lämmeren und Mönchsjoch noch eine Woche länger bewartet bleiben, während Christian Bleuer von der Gspaltenhornhütte allenfalls noch an den Wochenenden oben sein wird. Gelmer, Gelten und Doldenhornhütte werden voraussichtlich am 9. Oktober sich selberüberlassen.
Ab 16. Oktober werden dann weitere Hütten eingewintert: Trift, Balmhorn, Engelhorn, Suls-Lobhorn, Bächlital, Schwarenbach, Blümlisalp und Winteregg. Letztere drei bleiben je nach Wetter noch länger in Betrieb. Gegen Ende Oktober ist dann unter anderen auch bei den restlichen Häusern Saisonschluss: Wildstrubel, Menndlenen, Windegg, Grat, Grubenberg, Lauteraar, Lötschenpass und Tälli.
Die meisten SAC-Hütten sind ausserhalb der bewarteten Zeiten zum Schutz vor den winterlichen Schneestürmen zwar verbarrikadiert, aber nicht abgeschlossen. Sie verfügen über eine Kochgelegenheit sowie eine beschränkte Anzahl an Schlafplätzen. –
Informationen: www.sac-cas.ch
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