| Stolz werden die schönsten Tiere im Sonntagskleid präsentiert. |
St. Stephan und Boltigen: Seit 75 Jahren Viehzuchtgenossenschaften
Sowohl die Fleckviehzuchtgenossenschaft St. Stephan als auch die Viehzuchtgenossenschaft Boltigen 4 haben ihr 75-Jahr-Jubiläum gefeiert. Auf dem Viehschauplatz Moos in St. Stephan lobte die kantonale Volkswirtschaftsdirektorin Regierungsrätin Elisabeth Zölch in einem Grusswort das Engagement und die Motivation der Berglandwirtschaft. Sie machte Mut, daran zu bleiben und versprach, dass sie die Landwirtschaft und die Tierschauen nach ihren Möglichkeiten weiterhin bestmöglich unterstützen werde.
Regierungsrätin Elisabeth Zölch legt gleich selber Hand an und notiert die Beurteilungsergebnisse.
Die Fleckviehzuchtgenossenschaft St. Stephan feierte am vergangenen Samstag ihr 75jähriges Bestehen mit einem gelungenen Anlass. Ein paar hundert Kühe und Rinder und ebenso viele interessierte Zuschauer waren am vielseitigen Programm beteiligt.
Die dreissiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren schwierige Zeiten und die Bauern sahen sich veranlasst, sich gemeinsam um Absatz und Handel zu bemühen. So entstanden überall Genossenschaften, wie auch in St. Stephan. Heute gehören noch 26 aktive Mitglieder zur Genossenschaft und halten zusammen fast 350 Kühe. Von diesen war ein stattlicher Anteil auf dem Schauplatz vertreten und massen sich in einem friedlichen Wettstreit um den Titel der Schönheitskönigin. Genau betrachtet von den fünf Experten Abraham Germann, Adelboden, Ueli Aeschlimann, Eriz, Werner Zurbrügg, Scharnachtal, Werner Bratschi, Lenk und Paul Wüthrich, Walterswil. Dabei wird auf eine zweckmässige Körperform geachtet, die Beine müssen für die täglichen Weidegänge und auf der Alp belastbar und gesund sein. Dazu müssen sie gut geformt sein und einen natürlichen Bewegungsablauf ermöglichen. Für den Landwirt sehr wichtig ist ein schönes Euter, das satt zwischen den Beinen hängt, gleichmässig auf die vier Viertel aufgeteilt ist, und mit senkrecht positionierten Zitzen ein problemloses Melken ermöglicht. So kann täglich wertvolle Milch gewonnen werden. Und dies möglichst lange. So wurde auch die Kuh mit der höchsten Lebensleistung ausgezeichnet und erhielt eine prächtige Glocke.
Die stolzen Kinder vor dem prächtigen Gabentempel.
Dem Ideal der Schönheitskönigin kam bei den Simmental-Kühen die Kuh Anita von Edwin Perren am nächsten. Das schönste Euter präsentierte Tabea von Matthias Perren. Bei den Kühen mit wenig Red-Holstein-Blutanteil zeigte Hansruedi Bühler mit Petra die schönste Kuh. Nevada von Albert Kuhnen wurde mit dem schönsten Euter ausgezeichnet. Egita von Urs Perren war die schönste Kuh mit höherem Red-Holstein-Anteil. Dass die Kinder bereits mit viel Freude ihren Eltern nacheifern, wurde deutlich, als sie stolz «ihr» Kälbchen präsentierten. Nicht weniger stolz nahmen sie ein Glöckchen für ihren Einsatz in Empfang. OK-Präsident Walter Kurzen zeigte sich erfreut über das grosse Interesse der Zuschauer, die teils von weit her angereist waren. – Der enorme Aufwand der Organisatoren und die festliche Herrichtung des Schauplatzes hatte sich gelohnt. Zufrieden traten die Züchter mit ihren festlich geschmückten Tieren den Heimweg durchs Dorf an.
Robert Alder (Text und Bilder) www.fleckvieh.ch
Die bernische Volkswirtschaftsdirektorin Regierungsrätin Elisabeth Zölch überbrachte ein Grusswort und wies auf die schönen Seiten des Bauernstandes hin. Sie lobte das Engagement und die Motivation der Berglandwirtschaft. Sie sei gerne gekommen; sie machte Mut, daran zu bleiben und versprach, dass sie die Landwirtschaft und die Tierschauen nach ihren Möglichkeiten weiterhin bestmöglich unterstützen werde. Als Dank erhielt sie ein Präsent mit Produkten aus der Region, die sie an den schönen Anlass erinnern sollten.
Auch Boltigen feiert ein Jubiläum
Bei festlichstem Wetter feierte auch die Viehzuchtgenossenschaft Boltigen 4 ihr 75jähriges Bestehen. Rund 170 Kühe und Rinder wurden aufgeführt. Die Organisatoren scheuten keinen Aufwand, den Schauplatz attraktiv herzurichten und dem Publikum ein spannendes Programm zu bieten.
Die Freude steht Gottfried Zenger ins Gesicht geschrieben: Seine Sonja hat das schönste Euter.
Präsident Ernst Guggisberg begrüsste die zahlreichen Gäste von nah und fern, aber auch die Züchterfamilien und gab seiner Freude Ausdruck, ein ausserordentliches Jubiläum feiern zu können. Die ehemalige Viehzuchtgenossenschaft Adlemsried, heute Boltigen 4 blickt auf 75 Jahre zurück. Jahre, die immer wieder Veränderungen unterworfen waren. Gerade dadurch wurden die Landwirte der Region immer wieder gefordert, sich den Gegebenheiten des Marktes und der Wirtschaft anzupassen. Bezeichnend ist, dass heute mehr Mitglieder, nämlich 19, als im Gründungsjahr zu verzeichnen sind. Rund zwei Drittel der aufgeführten Tiere gehören der Rasse Simmental an. Der Rest führt etwas Red-Holstein-Blutanteil. Die drei Richter Fritz von Känel, Aeschi, Res Hänni, Gerzensee und Jean Siegenthaler, Mont-Soleil wählten die schönsten Tiere und reihten sie nach den Gesichtspunkten der Wirtschaftlichkeit und der heute gewünschten Körpereigenschaften.
Jeder Züchter erhielt als Andenken eine prächtige Treichel. Dies schönsten Tiere wurden zudem mit einer Glocke augezeichnet. Es waren dies Dina von Hans Gobeli als Miss Simmental, Sonja von Gottfried Zenger als Kuh mit dem schönsten Euter. Bei den Kühen mit Red-Holstein Blutanteil waren dies Nachtigall von Ueli Riesen als Gewinnerin der Sektion und Gina von Adrian Riesen als Schöneutersiegerin. Maya von Ueli Riesen wurde als Kuh mit der höchsten Lebensleistung ausgezeichnet. Irena von Hermann Scheiben zeichnete sich durch die höchsten Milchinhaltsstoffe, dem höchsten Eiweissanteil aus.
Drei prächtige Zuchtstiere wurden ebenfalls gezeigt und verdeutlichten damit, dass die Haltung eines eigenen Stieres immer noch grosse Bedeutung hat. Die Kinder zeigten mit ihren originell geschmückten und herausgeputzten Kälbchen, dass auch sie schon voll dabei sind. – Umrahmt von festlichen Klängen des Jodlerklubs Bärgfründe, Boltigen ging ein eindrücklicher Tag zu Ende, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.
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