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Donnerstag, 8. September 2005
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Drogenpolitik: Thun braucht eine neue Strategie

Die Aktion «Marathon» gegen Ansammlungen von Drogen- und Alkoholabhängigen auf dem Thuner Mühleplatz und dem Rathausplatz wird nicht nur von der Bevölkerung, sondern auch von den Verantwortlichen der Stadt Thun nach rund drei Monaten positiv gewertet. Klar ist aber auch: Die Betreuung der Betroffenen muss verstärkt werden. Noch dieses Jahr soll der Stadtrat über eine entsprechende Strategie befinden.

sth/bns. Der Gemeinderat der Stadt Thun sieht sich laut einer Medienmitteilung in einer zwiespältigen Situation: Einerseits erhalte er aus der Bevölkerung vorwiegend positive Rückmeldungen zur Aktion «Marathon», in deren Rahmen seit Mitte Juni die Drogen- und Alkoholabhängigen vom Mühleplatz und vom Rathausplatz in der Innenstadt ferngehalten würden. Da sich keine neue Szene gebildet habe, ziehe auch der Gemeinderat selber eine positive Bilanz zur Aktion: «Andererseits hat das Stadtparlament kurz vor dem Start von ‹Marathon› am 9. Juni die Einrichtung einer Kontakt- und Anlaufstelle zur Betreuung der Suchtkranken abgelehnt.» Um einer von Fachleuten beobachteten Verunsicherung und Isolation der Betroffenen entgegenzuwirken, lasse der Gemeinderat gegenwärtig ein Strategiekonzept für eine städtische Suchtpolitik erarbeiten, das noch in diesem Jahr dem Stadtrat vorgelegt werden soll.

Aktion «Marathon» am 13. Juni gestartet

«Die Aktion Marathon wurde lanciert, nachdem klar war, dass sich der Bau des Mühlecafés und die Umnutzung des hinteren Teils des Mühleplatzes erneut verzögerte», verlautet im weiteren: «Um der dortigen Szenenansammlung ihren Stammplatz trotzdem zu entziehen, wurden ab 13. Juni dieses Jahres durch die Polizei Thun im Gebiet Mühleplatz und Rathausplatz sogenannte Fernhalteverfügungen ausgehändigt, die ein zweimonatiges Betretungs- und Aufenthaltsverbot enthielten.» Insgesamt seien in den zwölf Wochen bis zum 4. September 155 solche Verfügungen abgegeben worden: «Gemäss den Beobachtungen der Polizei wurden und werden sie überraschend gut befolgt.» Auch hätten sich andernorts keine neuen «Szenen» gebildet. Insbesondere zu Beginn habe die Polizei häufige Kontrollen durchgeführt und diejenigen verzeigt, die sich nicht an die Wegweisung hielten: «Sie werden vom Untersuchungsrichteramt Thun mit Bussen oder - im Wiederholungsfall - mit Haft bestraft.» Im August seien nun die ersten Verfügungen abgelaufen. Die Polizei habe daher wieder vermehrt kontrolliert: «Der beträchtliche personelle Polizeiaufwand für ‹Marathon› hat für die Stadt Thun keine zusätzlichen Kosten zur Folge, da zugunsten des Schwerpunkts Marathon bei andern durch die Stadt eingekauften Polizeileistungen Reduktionen gemacht werden dürfen.»

Beratungsbeziehungen abgebrochen

Die Sozialdienste der Stadt Thun hätten festgestellt, dass die Drogenkonsumenten seit Beginn der Aktion «Marathon» viel schlechter erreicht und betreut werden könnten, heisst es in der Medienmitteilung: «Die meisten Beratungsbeziehungen im Rahmen der aufsuchenden Betreuung ‹Talk Thun› sind gemäss den Beobachtungen der Fachleute abgebrochen, da die ‹Szene› nicht mehr existiert; diese hatte eine wichtige soziale Funktion, nach deren Wegfall nun unter den Abhängigen Verunsicherung und Isolation herrscht.» Einige Drogenabhängige hätten sich aber offenbar sehr rasch neu organisiert. Unter anderem betreue die Kontakt- und Anlaufstelle Bern etwa ein Dutzend neue Leute aus Thun. Von der Betreuungsseite werde auch darauf hingewiesen, dass sich lediglich etwa zehn Prozent der Drogen-, Medikamenten- und Alkoholabhängigen in Thun regelmässig auf dem Mühleplatz aufhielten. Dies entspreche etwa 50 Personen. Nach wie vor fänden Konsum und Kleindeal vorwiegend in öffentlichen Toiletten und Privatwohnungen statt.

Übergangslösung für «Talk Thun»

Ende Mai habe der Gemeinderat die Beendigung der aufsuchenden Vermittlung und Beratung «Talk Thun» auf Ende Oktober beschlossen, wird in der Medienmitteilung erinnert. Dies entspreche der vom Kanton finanzierten Projektdauer. Aufgrund der ersten Erfahrungen aus der Aktion «Marathon» habe der Gemeinderat im Sinne einer bis Ende Januar 2006 befristeten Übergangslösung der Verlängerung des Einsatzes von «Talk Thun» zugestimmt: «Dadurch soll eine minimale Betreuung der Drogenabhängigen gewährleistet werden, bis allfällige Massnahmen einer neuen Suchtstrategie greifen.»

Drogenpolitik soll neu definiert werden

Zwar werte der Thuner Gemeinderat die Aktion Marathon als positiv, geht aus der Medienmitteilung im weiteren hervor: «Die aktuelle Situation - Repression auf der einen, weitgehend fehlende Betreuung auf der andern Seite - zeigt jedoch deutlich auf, dass die Stadt Thun eine neue Strategie in der Drogenpolitik braucht.» Der Gemeinderat habe deshalb bereits Ende Juli einem Strategieentwurf der Kommission für Gesundheits- und Suchtfragen zugestimmt: «Dieser sieht konkrete Handlungsfelder und Massnahmen in allen Suchtbereichen vor und ist in diesen Tagen den Stadtratsfraktionen, den Parteien, Interessenverbänden sowie internen und externen Fachstellen zur Vernehmlassung unterbreitet worden; das bereinigte Konzept soll dem Stadtrat im November 2005 vorgelegt werden, so dass im Falle der Zustimmung erste Massnahmen bereits im nächsten Winter umgesetzt werden können.»

Runder Tisch Hauptgasse/Schlossberg wird aufgelöst

Nach sechs Sitzungen seit Anfang Jahr hat sich laut einer weiteren Medienmitteilung der «Runde Tisch Hauptgasse/Schlossberg» in Thun wieder aufgelöst: «Dies, nachdem neun Anwohner und Geschäftsleute zusammen mit Vertretern des Gewerbeinspektorates und der Polizei Thun zahlreiche vordringliche Anliegen der Innenstadt einbringen und Lösungen erarbeiten konnten.» In erster Linie sei es um Fragen der Sicherheit gegangen: «Für die längerfristige Zukunft wünschen die Mitglieder allerdings die Schaffung einer geeigneten Institution, um den weiteren Austausch und den direkten Draht zu Verwaltung und Polizei gewährleisten zu können.» Gemeinderat Heinz Leuenberger, Vorsteher der Direktion Sicherheit, werde einen Vorschlag ausarbeiten. Der Runde Tisch Hauptgasse/Schlossberg habe unter anderem erreichen können, dass ...
... die Beleuchtung rund um den Mühleplatz deutlich verbessert,
... die Reinigung der mittlerweile sanierten Schlosstreppe intensiviert,
... die Wohnungen in der Hauptgasse einer bau- und gewerbepolizeilichen Kontrolle unterzogen,
... Gespräche mit Wirten rund um den Mühleplatz geführt wurden, um den Nachtlärm zu verringern und den Alkoholkonsum zu drosseln und
... dass versuchsweise Hundepatrouillen auf dem Schlossberg eingeführt wurden.
Der Runde Tisch begrüsse zudem – unabhängig von den Gesprächen – die Aktion Marathon der Stadt Thun, welche seit Mitte Juni die Drogenszene insbesondere vom Mühleplatz wegweisen lasse. Auch die neue Beleuchtung des Rathausplatzes finde gute Akzeptanz: «Am Abend des 14. November laden drei Mitglieder des Runden Tisches alle Anwohner zu einem Altstadt-Apero ein; sie werden persönliche Einladungen erhalten.»

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Hintergrundinformationen siehe auch Bericht Staneks Planetenlexikon 2005: Mit dem Computer auf den Mars vom Sonntag, 14. November 2004




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