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| Zugskompositionen der Jungfraubahn vor der mächtigen Kulisse der Eigernordwand. (Bilder Dora Schmid-Zürcher) |
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Jungfraubahnen: Rekordumsatz und Gewinnsteigerung
Das Geschäftsjahr 2004 der Jungfraubahngruppe ist nach Einschätzung von Riccardo Gullotti,
Präsident des Verwaltungsrates der Jungfraubahn Holding AG auf operativer Ebene erfreulich ausgefallen. Auf Konzernstufe resultiert ein Reingewinn von 14,6 Millionen Franken (Vorjahr 13,5 Millionen Franken).
Bilanz-Medienorientierung in Bern. Von links nach rechts: Walter Steuri, Vorsitzender der Geschäftsleitung, Riccardo Gullotti, Präsident des Verwaltungsrates, Christoph Seiler, Leiter Finanzen und Controlling sowie Medienchef Peter Wenger.
dads/bns. Mit über 116 Millionen Franken sei dank eines Verkehrsertrages von fast 90 Millionen Franken – was einer realen Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 2,8 Prozent entspreche – ein Rekordumsatz erzielt worden, verlautete am Mittwoch an einer Medienorientierung in Bern. Entsprechend habe das Betriebsergebnis (Ebit) um 19 Prozent auf 20,1 Millionen Franken deutlich verbessert werden können: «Der Aktienkurs lag zum Jahresende bei 35.50 Franken und damit 10.10 Franken über dem Stand am gleichen Tag im Vorjahr.» Diese Steigerung habe sich seit Jahresbeginn in erfreulicher Weise fortgesetzt. Zusammen mit der Dividende habe die Aktie im Berichtsjahr eine Performance von beachtlichen 43,7 Prozent erreichte. Mit dem Antrag an die Generalversammlung, die Dividende von einem Franken pro Aktie beizubehalten, liege die Ausschüttungsquote bei rund 40 Prozent und damit innerhalb der mittelfristigen Zielsetzung von 33 bis 45 Prozent des Konzernergebnisses.
Die ersten Testfahrten der neuen WAB-Gelenktriebzüge 141–144 fanden bereits Anfang Juni 2004 statt. (Archivbild)
In einem Rückblick erinnerte Verwaltungsratspräsident Riccardo Gullotti daran, durch die Fusion mit den Bergbahnen Grindelwald–First AG seien zwei wichtige Leistungsträger derselben Destination verbunden worden. Dieser Verbund ermögliche es, beim Marketing die Kräfte zu bündeln ohne dass First mit den bestehenden Produkten vermengt werde. Mit der Wengernalpbahn 2005 werde das Produkt zwischen Grindelwald und Kleine Scheidegg erheblich kundenfreundlicher durch erhöhten Sitz- und Fahrkomfort, durch stabile Fahrpläne im Halbstundentakt und durch eine übersichtliche Gestaltung der Bahnhofanlagen auf der Kleinen Scheidegg. Die am 4. Dezember 2004 – siehe auch «BOB Bahn 2000» und «WAB 2005» eröffnet – eingeweihte WAB 2005 habe sich in der abgelaufenen Wintersaison sehr bewährt. Die Erneuerung des Kraftwerks Lütschental gewährleiste nach wie vor wirtschaftlich vorteilhafte Energiekosten und Autonomie. Das alles habe Geld gekostet, alles in allem rund 80 Millionen Franken für WAB 2005 und die neuen Zugskompositionen der Jungfraubahn sowie rund 14 Millionen Franken für das Kraftwerk: «Alle diese Massnahmen haben unsere Konkurrenzfähigkeit gestärkt.»
Zur Situation bei den Pensionskassen der Gruppe bemerkte Gullotti, das Gros der Mitarbeiter sei bei der Personalvorsorgestiftung der Jungfraubahnen versichert. Diese Vorsorgeeinrichtung verfüge über eine ausgezeichnete versicherungstechnische Bilanz: «Per 31. Dezember 2003 betrug der Deckungsgrad 112,5 Prozent.» Anders sei die Situation bei der Pensionskasse Ascoop, bei der die Angestellten der Firstbahn AG versichert seien. Diese weise nach ihren eigenen Berechnungen per 31. Dezember 2003 einen Deckungsgrad von 77,3 Prozent und für die Versicherten der Firstbahn AG eine Deckungslücke von 1,94 Millionen Franken aus. Gesicherte Zahlen neueren Datums lägen derzeit noch nicht vor. Die Ascoop habe Sanierungsmassnahmen mit einem Zeithorizont von 15 Jahren eingeleitet.
Anträge an die Generalversammlung
Neben den üblichen Anträgen sowie dem Dividendenantrag schlägt der Verwaltungsrat der Generalversammlung – sie findet am 23. Mai 2005 um 14 Uhr im Kursaal Interlaken statt – eine Neuwahl vor. Neu für den im Berichtsjahr aus dem Verwaltungsrat zurückgetretenen Ulrich Baumann – die Gemeinde Grindelwald habe auf eine weitere künftige Vertretung im Verwaltungsrat der Jungfraubahn Holding AG verzichtet – werde mit Professor Thomas Bieger ein ausgewiesener Tourismusfachmann zur Wahl vorgeschlagen. Der 43jährige Bieger ist nach Angaben Gullottis Ordinarius für
Betriebswirtschaftslehre
mit besonderer Berücksichtigung der Tourismuswirtschaft und geschäftsführender Direktor des Institutes für öffentliche Dienstleistungen und Tourismus der Universität St. Gallen: «Bisher war er Dekan der betriebswirtschaftlichen Abteilung dieser Universität, ab April dieses Jahres ist er Prorektor.»
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Konzernrechnung
(in 1000 Franken) |
2004 |
2003 |
2002 |
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Betriebsertrag |
116'136 |
111'864 |
110'032 |
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Verkehrsertrag |
89'632 |
86'173 |
84'021 |
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Ebitda |
37'819 |
35'506 |
34'989 |
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Cash-flow |
31'063 |
32'311 |
30'651 |
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Jahresgewinn |
14'598 |
13'454 |
12'434 |
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Konzernerfolgsrechnung
Nach Zinsen, Steuern und Anteilen von Drittaktionären resultierte für die Jungfraubahngruppe laut Christoph Seiler, Leiter Finanzen und Controlling ein gegenüber dem Vorjahr um 8,5 Prozent gesteigerter Jahresgewinn von 14,6 Millionen Franken. Dieses als positiv gewertete Ergebnis liege über den Erwartungen des Bahnutnernehmens. Das
lediglich ausgeglichene, als unbefriedigend bezeichnete Resultat der Firstbahn AG sei primär die Folge eines Rückgangs der Verkehrserträge. Daneben sei die Fristbahn viel stärker an den Overheadkosten der Gruppe beteiligt und nicht zuletzt habe das erste Betriebsjahr der «Downtown Lodge» einmalige Aufbaukosten verursacht. Im angelaufenen Geschäftsjahr sei die Firstbahn besser gestartet als 2004. Mit einem um 4,3 auf über 116 Millionen Franken gesteigerten Betriebsertrag hätten die Jungfraubahnen «einmal mehr die klare Leaderposition unter den Bergbahnen in der Schweiz» unterstrichen. Mit einem Plus von 3,5 Millionen Franken beim Verkehrsertrag resultiere die grösste Steigerung aus den Kerngeschäften Ausflugsverkehr und Wintersport. Mit 89,6 Millionen Franken sei ein neuer Rekord bei den Verkehrserträgen erzielt worden.
Mit 37,0 Prozent beziehungsweise 33,2 Millionen Franken ist laut Seiler der Einzelreiseverkehr trotz witterungsbedingtem Rückgang gegenüber 2003 die grösste Komponente des Verkehrsertrages gewesen. Aus dem Gruppenreiseverkehr stammten 23,2 Millionen Franken beziehungsweise 25,9 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr sei der Gruppenreiseertrag um 60 Prozent oder 8,7 Millionen Franken gesteigert worden; 24 Prozent beziehungsweise 21,5 Millionen Franken seien mit Wintersportabonnementen umgesetzt worden. Aus dem Abonnementsverkehr hätten mit 10,9 Prozent fast 10 Millionen Franken resultiert: «Güter- und Gepäckverkehr sind betraglich von untergeordneter Bedeutung.» Die Verteilung zwischen Sommer- und Wintersaison zeige eine weitere Stärke der Bahnengruppe: 61 Prozent der Verkehrsumsätze seien in der Sommersaison, 39 Prozent in der Wintersaison erzielt worden: «Dieses Verhältnis ist sehr ausgewogen, das heisst wir haben einen markant höheren Sommeranteil als die meisten unserer Konkurrenten.» Für die öffentliche Erschliessung der beiden autofreien Ferienorte Wengen und Mürren hätten die Jungfraubahnen von Bund und Kanton Abgeltungen von 7,7 Millionen Franken erhalten. Den Personalaufwand – die grösste Aufwandposition – bezifferte Seiler auf 43,7 Millionen Franken – gegenüber dem Vorjahr eine Reduktion um 1,6 Prozent. Per Ende 2004 zählten die Jungfraubahnen 516 Vollzeitbeschäftigte. Der Umsatz pro Mitarbeiter habe somit 225'000 Franken, die Personalkosten pro Mitarbeiter 85'000 Franken betragen.
WAB 2005 und Sesselbahn Innerwengen
Zusammen mit den im Rahmen des Programms WAB 2005 vorgenommen Streckenausbauten konnte laut dem Geschäftsleitungsvorsitzenden Walter Steuri endlich auch der angestrebte Fahrplan im Halbstundentakt realisiert werden. In diesem Winter seien sowohl auf der Wengen- wie auf der Grindelwald-Seite deutliche Frequenzsteigerungen verzeichnet worden. Ähnlich positiv seien die ersten Erfahrungen bei der neuen Sesselbahn in Innerwengen: «Die Gäste verdankten uns die neue Anlage mit einer Verdoppelung der Frequenzen gegenüber dem bisherigen Fünfjahredurchschnitt.»
BLM: «Dringender Handlungsbedarf». (Archivbild)
Bergbahn Lauterbrunnen–Mürren
Zur Situation bei der Bergbahn Lauterbrunnen–Mürren (BLM) – siehe auch Bericht Bergbahn Lauterbrunnen–Mürren AG: Erneut Sanierungsarbeiten notwendig – erinnerte Steuri, dass am 12. April 2005 die Öffentlichkeit darüber habe orientiert werden müssen, «dass beim Ober- und Unterbau sowie an den Kunstbauten erneut grosse Schäden entstanden sind, die Sofortmassnahmen und eine Betriebskontrolle durch das Bundesamt für Verkehr notwendig machten». Es bestehe nun dringender Handlungsbedarf: «In Zusammenarbeit mit den Fachstellen des Kantons und des Bundes sowie mit der Gemeinde Lauterbrunnen müssen nun rasche Entscheide über die Variantenwahl – neue Standseilbahn, Ersatz durch Luftseilbahn oder gar Verzicht auf diese Verbindung – das Bewilligungsverfahren und die Finanzierung getroffen werden.
Schengen/Dublin
«Es ist eher unüblich, dass wir uns zu politischen Themen und zu anstehenden Volksabstimmungen öffentlich äussern», räumte Steuri an der Medienorientierung ein: «Die Abstimmung Schengen/Dublin vom 5. Juni 2005 ist aber für den Tourismus dermassen bedeutend, dass wir auch hier kurz darauf zu sprechen kommen wollen.»
Gemäss World Travel Organization (WTO) wachse der Tourismus weltweit mittelfristig um vier Prozent. In den Fernmärkten China, Indien und Russland würden aber Steigerungsraten von über zehn Prozent erwartet: «Der Schweizer Tourismus und natürlich auch wir als Jungfraubahnen sind darauf angewiesen, dass wir von diesen boomenden Märkten profitieren können; wir dürfen uns auf diesen Märkten nicht mit zusätzlichen Erschwernissen gegenüber unserer europäischen Konkurrenz disqualifizieren.» Das ohne Schengen-Beitritt nötige separate Schweiz-Visum stuft Steuri als ein solches Erschwernis ein: «Die Schweiz ist heute in den Fernmärkten noch der Alpen-Brand schlechthin; wir haben beispielsweise dreimal mehr Gäste aus Übersee als Österreich.» Das separate Schweiz-Visum berge die Gefahr in sich, dass die Schweiz von den grossen Reiseveranstaltern und den individuell Reisenden umfahren werde – in Frankreich, Italien und Österreich gebe es auch Berge.» Aber auch gegenüber den Gästen aus Europa wäre laut Steuri eine Ablehnung des Schengen/Dublin-Abkommens ein Affront: «Als Gastgeberland dürfen wir uns gegenüber dem Ausland nicht abschotten – deshalb stehen wir mit grosser Überzeugung für das Schengen/Dublin-Abkommen ein.» Für den Tourismus sei es eine Schicksalsfrage.
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