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Freitag, 8. April 2005
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Der Weltraumexperte Bruno Stanek (links) fand in Ringgenberg – siehe auch Vorschau Stanek-Vortrag am 7. April in Ringgenberg: «Renaissance der Planetenforschung» vom Mittwoch, 23. März 2005 – ein interessiertes und auch für manche witzige Äusserung empfängliches Publikum. (Bilder Dora Schmid-Zürcher)

Stanek-Vortrag in Ringgenberg: «Der Mars lockt!»

Der Weltraumexperte Bruno Stanek hat am Donnerstagabend an einem Vortrag in Ringgenberg über die neuesten Errungenschaften in der Raumfahrt berichtet und das Zukunftsbild einer emigrierenden Menschheit im Weltraum gezeichnet. Theo Gyger, Leiter der Sternwarte «Sirius» in Sigriswil, erläuterte dem Publikum kurz den bei der Kirche Ringgenberg beginnenden Planetenweg. Zuvor hatten schon am Nachmittag achtzig Schulkinder an einem galaktischen Fachunterricht teilgenommen.


Bruno Stanek signierte nach dem Vortrag Autogrammkarten und DVD-Hüllen.

«Nach dreissig Jahren Stillstand hat endlich die Renaissence der Raumfahrt begonnen», legte Stanek in seinem Vortrag im Kirchgemeindehaus Ringgenberg dar. Nach Abschluss von Apollo 17 Ende 1972 hätten der Verzicht auf nukleare Antriebsressourcen und fehlende vernünftige Lösungen im Erdorbit zu einer weltweiten Baisse geführt. In diesem Zusammenhang würdigte Stanek auch die immer noch zum Teil verkannten grossen Leistungen des Raketenpioniers Wernher von Braun (1912 bis 1977). Mit der Planung der Internationalen Raumstation ISS hätten sich die grossen Raumfahrtnationen zudem in eine Sackgasse manöveriert, aus welcher jetzt als erste die USA endlich allmählich aussteigen wollten: «Man will wieder festen Boden unter den Füssen haben – der Mars lockt!»
Bruno Petroni, Matten und Dora Schmid-Zürcher, Ringgenberg
Bereits hätten die auf dem roten Planeten abgesetzten kleinen Mars-Rover «Spirit» und «Opportunity» kürzlich Riesenmengen an Daten über die Beschaffenheit und das Klima auf dem derzeit 230 Millionen Kilometer entfernten Mars geliefert. Die beiden Roboter funktionierten nach wie vor, was allerdings von der Weltöffentlichkeit – anders als bei Misserfolgen – kaum zur Kenntnis genommen werde. Nachdem die Roboter ihre ursprünglich erwartete Lebensdauer bereits um 11 Monate überschritten haben, hat die US-Weltraumbehörde ihre Mission jetzt um weitere 18 Monate verlängert. Stanek: «Im Jahr 2009 wird zusätzlich das ‹Science Lab› ein kleinlastergrosses, unbemanntes Fahrzeug zum Mars geflogen, welches fast den gesamten Planeten erforschen und grössere Mengen an Gesteinsproben aufnehmen kann.» Und ergänzend meinte der 61jährige Wahl- Schwyzer: «Die langfristige Zukunft der Menschheit liegt zu einem wichtigen Teil auch dort draussen. Wenn wir mit dem Mars einen zweiten, unberührten Planeten vor der Haustür haben, den wir besiedeln könnten und der nicht weiter weg ist als die Südsee vor dreihundert Jahren für die damaligen Seefahrer, dann müssen wir diese Chance packen!»

Vor dem Vortrag fand eine kurze Begehung des Planetenweges statt. – Bild: Theo Gyger (links), Leiter der Sternwarte «Sirius» in Sigriswil am Ausgangspunkt des Planetenweges beim 1,4 Meter grossen Betonmodell der Sonne unterhalb der Kirche von Ringgenberg.

«Planetarisches Billard»

Auch weiter draussen im Kosmos tut sich laut Stanek einiges: Anfangs 2006 werde die Sonde «Pluto Express » zum fast sechs Milliarden Kilometer entfernten Planeten Pluto gestartet, und kürzlich sei mit dem über 17 Milliarden Kilometer entfernten Sedna der zehnte Planet unseres Sonnensystems entdeckt worden: «An Herausforderungen mangelt es den Superhirnen bei der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA also nicht.» Bruno Stanek erklärte dem Publikum auch die Funktion der sogenannten Liberationspunkte: «Beim Mond liegt einer rund 60'000 Kilometer über der Oberfläche. Wenn man diese geschickt ausnützt, kann man künftig eine Art planetarisches Billard betreiben und ohne Treibstoff, nur mit Hilfe der Schwerkraft von Planet zu Planet fliegen. Den Beweis aus der Praxis lieferte erst grad vor zwei Monaten die Sonde ‹Hyugens› auf ihrer Vorlandephase zum Saturnmond Titan.»

Der Weltraumexperte befasste sich abschliessend auch mit dem Werdegang des Sauerstoffs auf der Erde im Verlaufe der letzten fünf Milliarden Jahre, über die geringen Aussichten mit Ausserirdischen in Kontakt treten zu können und über die noch solarelektrisch betriebene und mit elektrostatischem Ionenantrieb fliegende Mission «Deep Space 1».

 
Bruno Stanek persönlich

Geboren am 9. November 1943, Mathematikstudium ETH, tätig für Ciba und Swissair, ESA, NASA, Sandoz. – Promotion zum Dr. sc. math. 1971. – Dozent für Mathematik, Physik und EDV an der HTL Brugg. – Dutzende Live-Moderationen am Schweizer Fernsehen: Apollo, Skylab, Sojus, Spaceshuttle 1968 bis 1986 aus Cape Canaveral/USA und anderen Schauplätzen. Dutzende Spezialsendungen, Serien und Reportagen rund um die Raumfahrt. Persönlich bekannt mit weltweit achtzig Astronauten und Kosmonauten. Hunderte von Vorträgen bei akademischen und anderen Vereinigungen weltweit. Autor von fünf Auflagen des Planetenlexikons in Buchform (Achtzigerjahre) und sechs Auflagen des Planetenlexikons und Raumfahrtlexikons als DVD-Dokumentationen. Mitarbeit bei der Gestaltung des «Space-Challenge»-Pavillons im Mysterypark Interlaken. – Informationen: www.stanek.ch


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Hintergrundinformationen siehe auch Bericht Staneks Planetenlexikon 2005: Mit dem Computer auf den Mars vom Sonntag, 14. November 2004





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