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Montag, 22. August 2005
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Überflutungen in Wilderswil ausgangs des Dorfes in Richtung Zweilütschinen. (Bild Hansueli Tschiemer)

Unwetterschäden, Hochwasser und weiter steigende Seepegelstände

Weit über 300 Notrufe wegen Unwetterschäden oder Hochwasser – davon fast die Hälfte aus dem Berner Oberland – sind in der Nacht und im Laufe des Montagvormittags bei der Kantonspolizei Bern eingegangen. Gemeinde- und Bezirksführungsorganisationen waren ebenso wie Feuerwehren im Einsatz.

pkb/aid/sth/S. Aus dem Berner Oberland gingen nach Angaben der Kantonspolizei von Mitternacht bis Montagvormittag 10 Uhr bei der Einsatzzentrale in Thun über 140 Anrufe ein. Im Gebiet Bödeli, im Raum Meiringen, im Diemtigtal und in vielen weiteren Gemeinden stünden Feuerwehrleute im Einsatz, heisst es in einer Medienmitteilung. In Dutzende von Kellern seien Wassereinbrüche gemeldet worden. In Frutigen sei eine Tanne auf ein parkiertes Auto gestürzt und zudem habe sich das Wasser bei der Kanderbrücke gestaut. In Meiringen ist laut Medienmitteilung die Alpbachsperre montiert worden: «Für die Gemeinden Thun, Frutigen, Hasliberg, Meiringen, Bönigen und Adelboden stehen die Gemeindeführungsorganisationen im Einsatz; aus Unterseen wurden Keller gemeldet, die unter Wasser stehen. Bei Reichenbach im Kandertal und Faulensee sind die Hauptstrassen verschüttet und in Erlenbach kam es zu einem Erdrutsch. In anderen Gemeinden wie am Jaunpass, in Uebeschi oder Zwieselberg führten kleinere Erdrutsche ebenfalls zu Behinderungen. In zahlreichen Ortschaften traten die Bäche über die Ufer. Ein Zeltplatz in Interlaken wurde überflutet und geräumt.»

Ab 9.00 Uhr gingen laut Kantonspolizei die ersten Meldungen aus dem Gwatt (Gemeinde Thun) über Wassereinbrüche in Liegenschaften ein. Der Thunersee habe die Schadengrenze bereits erreicht und steigt immer noch an: «Die Autobahn A8 zwischen Interlaken und Brienz ist seit etwa 5.00 Uhr in beiden Richtungen, teilweise im Wechselverkehr, befahrbar, während bei Ebligen (Oberried am Brienzersee) auf der rechten Brienzerseestrasse die Holzbrücke weggerissen wurde.

Thunersee: Schadengrenze überschritten

Der Thunersee hat die Schadengrenze von 558,30 Meter über Meer (Normalnull) nach Angaben des kantonalen Wasser- und Energiewirtschaftsamtes am Montagmorgen 8.10 Uhr überschritten: «Wegen der anhaltenden und starken Regenfälle steigt der Seespiegel pro Stunde um fünf Zentimeter an.» Die Schleusen seien seit Sonntagnachmittag vollständig geöffnet. Mit vier Zentimeter pro Stunde steige auch der Seespiegel des Brienzersees – siehe auch Link auf Aktuelle Seewasserstände und Abflussmengen – stark an: «Das Wasser hat derzeit eine Höhe von 564,68 Metern über Meer erreicht; die Schadengrenze liegt bei 564,90 Metern über Meer; die Kraftwerke Oberhasli (KWO) halten derzeit so viel Wasser wie möglich in ihren Anlagen zurück.»

In Thun sind nach Medieninformationen am Montagvormittag per Flugblatt und über die Medien mehrere hundert seenahe Anwohner dazu aufgerufen worden, an den Liegenschaften dringend erste Schutzmassnahmen zu treffen: «Um 8.30 Uhr, als sich das Gemeindeführungsorgan (GFO) zu seinem zweiten Rapport traf, erreichte der Thunersee einen Pegelstand von 558,31 Meter und stieg weiter. Einzelne kleinere Schadenmeldungen sind eingegangen. Das GFO bereitet sich darauf vor, dass der See um weitere 20 bis 30 Zentimter ansteigen könnte.» Deshalb sei unter anderem auf dem Parkplatz Seeallmend gegenüber der Einmündung Hännisweg ein zweites Depot errichtet, wo betroffene Anwohner Schutzmaterialien abholen könnten - zunächst Sandsäcke, ab Mittag – wie im Feuerwehrmagazin Buchholz – auch andere Materialien wie Schutzfolien und Schalungstafeln: «Ebenfalls auf der Seeallmend können sich Betroffene an einem Info-Point über die Situation und empfohlene Massnahmen erkundigen.» Bei Fragen erteile ab sofort die Hotline 033 225'35'20 Auskunft. Laufende
Aktualitäten würden über Radio Berner Oberland (88.8 MHz) und Radio DRS 1verbreitet. Auf www.thun.ch könnten im News-Fenster auf Startseite die neusten Medienmitteilungen abgerufen werden.

Hinweise der Kantonspolizei und der kantonalen Führungsorganisation

Die Kantonspolizei Bern und die kantonale Führungsorganisation analysieren laut Medienmitteilung die Situation laufend und sie unterstützten die Einsatzkräfte mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. – Hinweise an die Bevölkerung:
Motorfahrzeugführer werden dringend gebeten, die Anweisungen der Einsatzkräfte zu befolgen.
Bootsbesitzer sind aufgerufen, die Seil- und Kettenlängen dem Wasserstand anzupassen (Gefahr von auslaufendem Benzin und Oel bei Kenterungen).
Vielenorts ist festgestellt worden, dass Zuschauer die Arbeiten der Feuerwehren und weiteren Hilfsorganisationen bestaunen und sich daher in Gefahrenstellen begeben. Das Aufhalten in den gefährdeten Zonen ist zu unterlassen.
Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die grossen Niederschlagsmengen und Erdrutsche bei einzelnen Wasserversorgungen zu Trinkwasserverunreinigungen führen. Die Information bei Problemen erfolgt durch die Gemeinde oder die Wasserversorgung. Bei Verunreinigungsverdacht (ungewöhnlicher Geruch, Geschmack oder Aussehen des Trinkwassers) wird empfohlen, vorsichtshalber nur noch abgekochtes Leitungswasser zum Trinken und für die Zubereitung von roh konsumierten Lebensmitteln zu verwenden.
Folgende Strassenzüge sind gesperrt oder mit Behinderungen befahrbar (Stand 10.30 Uhr):
Berner Oberland
Autostrasse A8 Interlaken–Spiez
Die Hauptstrassen Spiez–Kandersteg sowie Spiez–Aeschi–Mülenen
Hauptstrasse Frutigen–Adelboden
Hauptstrasse Bönigen–Iseltwald
Hauptstrasse Spiez–Saanen zwischen Latterbach und Zweisimmen in beiden Richtungen
Hauptstrasse Thun–Goldiwil
untere Hombergstrasse in Steffisburg
Verbindungsstrasse Diemtigtal ab Oey
Die Brünigstrecke ist von Bernerseite her bis Lungern befahrbar
Wilderswil: Alte Gsteigbrücke
Mittelland/Emmental-Oberaargau, Seeland und Berner Jura
Autobahn A6 Richtung Thun zwischen Muri und Rubigen in beiden Richtungen
Hauptstrasse Langnau–Wolhausen ab Kantonsgrenze
Hauptstrasse Konolfingen–Zäziwil
Hauptstrasse Bleiken–Heimenschwand
Kantonsstrasse Buttenried–Frieswil beim Kraftwerk Mühleberg
Durchfahrt Ramsei
Autobahn A5–Einfahrt Biel in Richtung Solothurn
Die Hauptstrasse durch die Gorges de Moutier war wegen Steinschlags nur einspurig befahrbar, ist jetzt aber wieder offen.

Berner Oberland News

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Hintergrundinformationen siehe auch Bericht Staneks Planetenlexikon 2005: Mit dem Computer auf den Mars vom Sonntag, 14. November 2004




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