Dienstag, 30. August 2005 |
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Thun: Abwasserentsorgung wieder intakt – wieder Strom im Bälliz
Nach dem Hochwasser in Thun funktioniert seit heute Dienstagmittag die Abwasserentsorgung wieder. Das Bälliz hat seit gestern Abend wieder Strom, und zwischen Lachenkanal und Seewinkel geht der Wiederanschluss zahlreicher Häuser rasch voran. Die Feuerwehr zieht sich zurück, während Angehörige des Zivilschutzes weiterhin bei Aufräumarbeiten helfen. Beide Freibäder bleiben geschlossen.
Bis und mit heute Dienstag, dem neunten Tag nach Erreichen der Schadengrenze, wurden laut einer Medienmitteilung insgesamt 900 Einsätze geleistet. Das Gemeindeführungsorgan (GFO) habe eine erste Bilanz zur Hochwasserbewältigung gezogen: «Zwei von vier Abwasserpumpwerken in Thun waren während des Hochwassers der vergangenen neun Tage vorübergehend ausgefallen. Heute Dienstag konnte das Tiefbauamt anlässlich des GFO-Rapportes um acht Uhr melden, dass alle Pumpwerke wieder laufen und alle Leitungen wieder offen sind. Dies bedeutet, dass die Abwasserentsorgung im ganzen Gebiet Lachen und Gwatt wieder einwandfrei funktioniert und die Bewohner nicht länger die an den Infostellen aufgestellten Toiletten oder mobile Toiletten benutzen müssen. Die mobilen Toiletten werden morgen Mittwoch wieder entfernt. Auch die Stromversorgung geht rasch der Normalisierung entgegen: Das Bälliz und die übrige Innenstadt hat seit gestern Abend 19 Uhr wieder Strom, dank einem provisorischen Trafo beim Warenhaus Schaufelberger. Im Gebiet Rosenau ist die Energie Thun AG noch daran, eine Ersatzversorgung aufzubauen. Bis heute Abend wird der grösste Teil der abgeschalteten Leitungen wieder unter Strom stehen. Wegen Kurzschlussgefahr vom Netz abgehängte Haushalte jedoch werden einzeln beurteilt und so rasch wie möglich wieder zugeschaltet. Bei Problemen steht die Pikettnummer der Energie Thun AG, Telefon 225'22'00, zur Verfügung.»
Badeverbot in See und Aare
Das Trinkwasser, das täglich mehrmals geprüft wird, wird in der Medienmitteilung als nach wie vor einwandfrei bezeichnet – anders das Seewasser, das eine zu hohe Konzentration an Kolibakterien aufweise: «Bis auf weiteres gilt deshalb sowohl im See als auch in der Aare ein Badeverbot; wegen der grossen Schäden ohnehin bis Ende Saison geschlossen bleiben das Strandbad Thun im Gwatt und das Flussbad Schwäbis.»
Letztes Schwemmholz wird entfernt
Von den letzten Dienstag geschlossenen Aareübergängen waren am Dienstagmittag laut den Informationen noch die beiden Schleusenübergänge sowie der Göttibachsteg gesperrt. Bei den Schleusen seien noch letzte Schwemmholzreste aus je zwei Toren zu entfernen. Der Göttibachsteg diene als Podest und Zugang für diese Arbeiten an der Oberen Schleuse und könne daher noch nicht sofort freigegeben werden: «Schwemmholz befindet sich auch noch entlang der Uferpartien im Gwatt; dort sind Mitarbeiter des Tiefbauamtes und des Zivilschutzes daran, es zu entfernen.» Die Unterführung Strättligstrasse zwischen Gwatt und Allmendingen, die sich wie beim Hochwasser 1999 wiederum ganz mit Wasser gefüllt hatte, soll ab heute Dienstag ausgepumpt werden: «Sie sollte in einem bis zwei Tagen wieder geöffnet werden können.»
Weiteres Informationsblatt
Für Dienstagnachmittag war laut Medienmitteilung vorgesehen, den Anwohnern in Seenähe sowie in der Innenstadt ein letztes Informationsblatt zu verteilen, in dem auf die Normalisierung der Lage bei Strom und Abwasser, den sukzessiven Rückzug der Einsatzkräfte, die laufende Kehrichtentsorgung bis kommenden Dienstag und den weiteren Betrieb der «Infoline» 033 225 35 20 bis kommenden Freitag, 2. September 2005 hingewiesen werde.
Provisorische Bilanz
Nachstehend im Wortlau der Medienbericht über eine erste provisorische Bilanz des GFO zum diesjährigen Hochwasser, das vom Überschreiten der Schadengrenze des Thunersees (558.30 Meter über Meer (Normalnull) bis zum Unterschreiten dieses Pegelstandes acht Tage gedauert gedauert habe:
«In dieser Zeit leisteten die Einsatzkräfte insgesamt rund 900 Einsätze, davon 100 Ölwehreinsätze. 15 Feuerwehren aus der Region unterstützten die Feuerwehr Thun in ihrem pausenlosen Einsatz, dazu kam die Hilfe von zwei ausserkantonalen Feuerwehren. Von der Feuerwehr Thun waren durchschnittlich jeweils 100 Leute im Dienst. Zwei Rekrutenkompanien – Panzergrenadiere -und Panzersappeure – mit insgesamt 180 Mann leisteten bei Feuerwehr und Zivilschutz Support. Vom Zivilschutz Thun standen 70 Männer und Frauen im Einsatz. Sie halfen bei der Betreuung, bei Evakuationen, aber auch bei Feuerwehr-Einsätzen und diversen Dienstleistungen in der Einsatzleitung. Schliesslich freute sich das GFO auch über die Hilfe von 40 Freiwilligen.
Angeordnete Evakuationen gab es keine, jedoch wünschten die Altersheime Sonnmatt und Falken die Ausquartierung ihrer Bewohner. Die ‹Falken›-Bewohner sind seit Freitag wieder zurück in ihrer Innenstadt-Liegenschaft. Die Bewohner des Altersheims Seewinkel im Gwatt werden infolge der Schäden morgen Mittwoch durch Zivilschutzangehörige in die ‹Siloah› Bern verlegt.
Erkenntnisse und Lehren
Gesamteinsatzleiter Ueli Jost nannte (an einer Medienorientierung) erste Erkenntnisse, aus denen das GFO Lehren ziehen wird. So lief die Zusammenarbeit zwischen den diversen beteiligten Einsatzkräften sehr gut. Verbesserungsmöglichkeiten sieht das GFO bei den internen Kommunikationsabläufen, vor allem zwischen ‹Front›, GFO, Infoline und Medienstelle.
Seepegel stieg ausserordentlich rasch
Als aussergewöhnliche Herausforderung erlebte das GFO den sehr raschen Anstieg des Seepegels. Innert 24 Stunden stieg er von Montag früh (22. August) bis Dienstag früh um einen Meter, von rund 558 auf 559 Meter über Meer – eine Zunahme, die 1999 mehrere Tage dauerte. Der Maximalpegel lag mit 559,25 Meter acht Zentimeter über dem bisherigen Rekord von 1999.
Bevölkerung war besser vorbereitet
Gemeinderat Heinz Leuenberger, als Vorsteher der Direktion Sicherheit der politisch Hauptverantwortliche für die Bewältigung ausserordentlicher Lagen, dankte nicht nur den Einsatzkräften und dem GFO, sondern vor allem auch der Bevölkerung, die nach Beurteilung des GFO besser auf solche Ereignisse vorbereitet war, es tendenziell gelassener anging und viel Eigenverantwortung an den Tag legte. Auch Leuenberger hielt fest, dass viele neue Erkenntnisse gewonnen werden konnten, unter anderem auch solche, die in den Bau des geplanten Entlastungsstollens einfliessen könnten. Das GFO trifft sich nächsten Donnerstagmorgen zu seinem Schlussrapport.»
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