Zusammenschluss von BLS und RM vereinbart
Auf Mitte des Jahres 2006 wollen sich die BLS Lötschbergbahn AG (BLS) und die Regionalverkehr Mittelland AG (RM) zusammenschliessen und sich damit gemeinsam für die Aufgaben in der künftigen Bahnlandschaft Schweiz stärken.
pd/bns. Die Führungsorgane der beiden Bahnunternehmen haben laut einer Medienmitteilung eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet: «Für die bisher als grösste Hindernisse betrachteten Themen, die Pensionskassenfrage und das Cargogeschäft von RM/Crossrail, konnten Lösungen gefunden werden.» BLS und RM böten im gleichen Marktgebiet Leistungen an, die ähnlich seien und sich ideal ergänzten. Sie hätten mit Bund und Kantonen dieselben Haupteigner. Zusammen seien BLS und RM neben der SBB der grösste Anbieter von Verkehrsleistungen auf dem schweizerischen Normalspurnetz.
Mit den Zielen, die beiden regional verankerten Bahnen zu stärken und dank der Realisierung von Synergien kostengünstiger zu produzieren, haben laut Medienmitteilung die Führungsorgane von BLS und RM ihren Willen bekräftigt, die beiden Unternehmen auf Mitte 2006 zusammenzuschliessen: «Sie wollen damit drei übergeordneten Entwicklungen aktiv begegnen: der künftigen Bahnlandschaft Schweiz nach dem Modell ‹SBB + X›, dem zu erwartenden Ausschreibungswettbewerb im Regionalverkehr und den knapper werdenden Mitteln von Bund und Kantonen zur Finanzierung der Bahninfrastruktur und des regionalen Personenverkehrs.»
Lösung der Pensionskassenfrage
Die Pensionskassen sollen wegen der unterschiedlichen Ausgangslage bis auf weiteres getrennt geführt werden, heisst es in dem Communiqué im weiteren. Die Regionalverkehr Mittelland AG verfüge über eine eigene, gesunde Kasse: «Die BLS ist der Ascoop angeschlossen, welche sich bekanntlich in einer schwierigen Situation befindet; die BLS verfügt innerhalb der Ascoop über ein eigenes Vorsorgewerk mit einem klaren, vom Bundesamt für Sozialversicherungen genehmigten Sanierungskonzept.» Die BLS prüfe zurzeit Massnahmen, um den Sanierungspfad von 15 auf 10 Jahre zu verkürzen. Für die Mitarbeiter und die Rentner der RM sei entscheidend, dass sie durch den Zusammenschluss der beiden Bahnen keine Benachteiligung erlitten: «Es wird garantiert, dass bei einem späteren Zusammenschluss der Pensionskassen das gesamte Vorsorgekapital inklusive Rückstellungen und Schwankungsreserven der RM-Pensionskasse deren Versicherten folgen wird.»
RM Cargo/Crossrail
«Es wurde bereits frühzeitig erkannt, dass die Güterbereiche von BLS und RM aufgrund ihrer unterschiedlichen Ausrichtungen nicht zusammenpassen», verlautet im weiteren: «Die BLS Cargo AG hat sich mit internationalen Partnerschaften eine starke Position im liberalisierten alpentransitierenden Schienengüterverkehr erarbeitet.» Sie habe in den vergangenen Jahren ihre Verkehrsleistungen stark gesteigert und dabei die Rechnung stets mit Gewinn abgeschlossen. Diese gute Ausgangslage soll durch den Zusammenschluss von BLS und RM nicht gefährdet werden. Demgegenüber habe sich die RM mit der Crossrail AG demgegenüber stark auf das internationale Logistikgeschäft konzentriert: «Mit dem soeben vollzogenen Verkauf der Crossrail AG hat der Regionalverkehr Mittelland alle Aktivitäten im Güter- und Logistikbereich an die international tätige Beteiligungsgesellschaft Babcock & Brown abgetreten.
Schwerpunkte der Integrationsplanung
Erste Klarheit bestehe im personellen Bereich, ist dem Communiqué im weiteren zu entnehmen: Hans Lauri, der heutige Präsident des BLS-Verwaltungsrates, werde den neuen Verwaltungsrat präsidieren. Er arbeite zurzeit zusammen mit den Hauptaktionären an der Zusammensetzung des künftigen Gremiums. Paul Nyffeler, Präsident des RM-Verwaltungsrates, werde Einsitz nehmen: «Für die künftige operative Leitung wurde beschlossen, dass die Geschäftsleitung der BLS unter dem Vorsitz von Mathias Tromp mit Führungspersonen des RM ergänzt wird. Die entsprechenden Gespräche laufen.» Das Modell des Zusammenschlusses sei zurzeit in Ausarbeitung. Ein wichtiger Schritt betreffe auch die Festlegung des Firmennamens und des Erscheinungsbilds des künftigen Unternehmens: «Um die Identifikation beim Personal beider Bahnen wie auch die Akzeptanz in der Öffentlichkeit, bei der Kundschaft und bei Partnern zu erreichen, lassen sich die Verantwortlichen von sachlichen Kriterien leiten.»
Keine Entlassungen
Die Grundsätze für die Personalmigration wurden laut Medienmitteilung gemeinsam festgelegt. Es gelte der Grundsatz, wonach der Zusammenschluss von BLS und RM keine Entlassungen zur Folge haben werde: «Angesichts der Wachstumsphase dank der Weiterentwicklung der S-Bahn Bern, dem Wachstum im Cargogeschäft und der Inbetriebnahme der Neat am Lötschberg entstehen im Gegenteil neue, interessante Arbeitsplätze.» Die Werkstätten sollen an allen vier bisherigen Standorten – Oberburg, Bönigen, Spiez und Bern Aebimatt – präsent sein. Jeder Standort werde sich vermehrt spezialisieren. Die zentralen Dienste würden neu auf drei Standorte konzentriert: Bern Genfergasse (heute BLS), Bern Bollwerk (heute BAV) und Burgdorf (heute RM). Mehrere Standorte in Bern würden aufgegeben. Auch hier würden von den Mitarbeitern Flexibilität und die Bereitschaft zu Veränderungen – zum Beispiel bezüglich Arbeitsort, Team und Vorgesetzte – erwartet.»
Der auf 1. Januar 2006 in Kraft tretende Gesamtarbeitsvertrag der BLS, bei dessen Erarbeitung der RM bereits mitgewirkt hat, werde für alle Mitarbeiter des künftigen Unternehmens gelten. Die Überführung der bisherigen RM-Lösung in den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der BLS und damit die Vereinheitlichung der Anstellungsbedingungen ist unter Beizug der Sozialpartner noch auszuhandeln. Die Anpassung der Lohnstrukturen soll innerhalb von drei Jahren abgeschlossen sein.
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