Der «König der Wälder» auf Sparflamme
Die Rothirsche gelten als Könige der Wälder. Im Winter müssen sie Frost, Eis und Kälte trotzen – und versetzen sich in einen ausgeklügelten «Energiesparmodus».
Nur ohne unnötige Hetze kann der Rothirsch seinen winterlichen Ruhemodus aufrechterhalten. (Bild Pro Natura /zvg)
pn/bns. Wenn im Dezember die kalte Bise durchs Schweizer Mittelland streift und die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen, ziehen sich die Menschen warm an. Und gehen so wenig wie möglich nach draussen. Der Rothirsch hat keine warme Stube, um sich aufzuwärmen. Gegen die arktischen Minusgrade hilft ein dicker Winterpelz, der den Rothirsch wie ein warmer Pullover vor der Kälte schützt. Neben den tiefen Temperaturen ist der Winter auch wegen dem knappen Nahrungsangebot eine schwierige Jahreszeit für den Rothirsch. Nur wenig Essbares mit tiefem Energiewert kann er finden. – Wenig Essbares und tiefe Temperaturen – da gibt es nur eines: Energie sparen. In kalten Winternächten schränken die Rothirsche die Durchblutung ihrer Beine immer mehr ein. Die Körperteile kühlen stark aus, verlieren aber dadurch viel weniger Wärme an die Umgebung als bei vollständiger Durchblutung. Etwa acht bis neun Stunden bleiben die Tiere während der Nacht in diesem «Energiesparmodus». In dieser Zeit verharren sie starr und unbeweglich an einem Ort. Tagsüber sind die Beine dann wieder normal durchblutet, damit die Hirsche auf Futtersuche gehen können. Die Energiesparmassnahme der Rothirsche verläuft ähnlich wie der Winterschlaf der Murmeltiere. Einzig mit dem Unterschied, dass der «Mini-Winterschlaf» der Rothirsche jeweils nur einige Stunden dauert und nicht Tage oder Wochen wie beim Murmeltier.
Ruhe ist gefragt
Der haushälterische Umgang mit den Wärmereserven lohnt sich für den Rothirsch. Er verbraucht im Winter weniger Energie als im Sommer – trotz Kälte. «Damit sein Energiehaushalt nicht gestört wird, braucht der Rothirsch aber Ruhegebiete. Nur ohne unnötige Hetze kann er seinen Ruhemodus aufrechterhalten. Wird ein Tier gestört, steigt sein Energieverbrauch massiv an» mahnt Urs Tester, Artenschutzexperte bei Pro Natura.
Körperschmuck als Waffe
Der Rothirsch ist mit einer Schulterhöhe von bis zu 1,5 Meter das grösste einheimische Säugetier. Auffällig ist das kunstvolle Geweih am Kopf, das aber nur von den Männchen getragen wird. Das Geweih ist sowohl Körperschmuck im Paarungswettstreit als auch Waffe im Revierkampf. In den Herbstmonaten September und Oktober buhlen die Männchen um die Gunst der Weibchen und tragen mit den Geweihen Kämpfe aus. Nach dem Winter wirft der Rothirsch sein Geweih ab. Bald darauf beginnt aber bereits ein neues Geweih zu wachsen. Grösser und schöner als das Vorherige.
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