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Wilderswil: Zugang zur Burgruine Rothenfluh erschlossen

Der nach jahrelangen Vorbereitungs- und Konservierungsarbeiten neu erschlossene im Terrain wiederentdeckte alte Zugangsweg zur Ruine der mittelalterlichen Balmburg Rothenfluh ist am Samstag, 11. Juni – zugleich mit einer Sonderausstellung «Herr und Knecht» im Dorfmuseum «Alte Mühle» in Wilderswil – eröffnet worden.

Die Ruine Rothenfluh ist die einzige mit Mauerresten erhaltene Balmburg im Kanton Bern. (Bilder Dora Schmid-Zürcher)

Rechtzeitig zur zweiten Jahrhundertfeier des ersten Unspunnenfestes von 1805 ist überdies in der Reihe des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern (ADB) in deutscher und englischer Sprache ein Faltblatt zu den Burgen und archäologischen Plätzen auf dem sogenannten Bödeli (Weissenau, Unspunnen, Rothenfluh und Matten) erschienen. Das Faltblatt umfasst neben der Rothenfluh Informationen über die Burgen Unspunnen und Weissenau sowie den Galgen von Matten. – Die Ruine Rothenfluh ist nach Angaben des Archäologischen Dienstes (Deeplink) die einzige mit Mauerresten erhaltene Balmburg im Kanton Bern. Den Namen dürfte ein breites rostrotes Band (Eisenoolith) in der sechzig Meter hohen Felswand über der Burg gegeben haben. Spuren des Erzabbaus fänden sich an mehreren Stellen der Tschingelfluh: «Die Burg im sogenannten Tschingelsatz ist im Jahr 1298 erstmals schriftlich erwähnt: munitio sive balma dicta Rothenfluo (Feste oder Balm, Rothenfluh genannt).» Herren von Rothenfluh seien im Jahr 1221 erstmals in Urkunden aufgetaucht. Der letzte Vertreter des Geschlechts soll nach einem Brudermord in die Verbannung geschickt worden und dort verstorben sein (Gedenktafel von 1833). Die Burg dürfte ins frühe 13. Jahrhundert zurückreichen und sei bereits im Jahr 1577 Ruine gewesen: «Heute ist die Anlage im Eigentum der Burgergemeinde Wilderswil; im Jahr 1908 sollen noch bis vier Meter hohe Mauern bestanden haben und 1946/47 erfolgten undokumentierte Ausgrabungen.»

Zuvor ein schwieriges, ja geradezu riskantes Unterfangen, ist nun die Ruine Rothenfluh dank der neuen Erschliessung – an dieser Stelle mit einer Metalltreppe – auch für nicht berg- und klettergewöhnte Touristen und Wanderer erreichbar.

Der Bau der Burg habe die Höhlung fast vollständig ausgenutzt, verlautete dazu im weiteren: «Direkt an der vorderen Felskante stand die gut meterdicke Fassadenmauer, von der zu Beginn der Restaurierung kaum etwas mehr zu sehen war. Sie habe einst zwei grosse, direkt an den Felsen gelehnte Bauteile abgeschlossen: «Ein westlicher von 5 bis 6 auf 15 Meter dürfte den Wohnbau getragen haben, der 2 bis 4 auf 7 Meter messende östliche war vielleicht nicht überdeckt und diente als Burghof.» In der mittleren Quermauer finde sich talseitig das Gewände der einstigen Türe: «Wir dürfen uns aufgrund der Mauerstärken einen doppelgeschossigen Steinbau mit hölzernem Kammergeschoss unter Pultdach vorstellen, dessen Brettschindeln direkt an die unregelmässige Linie der Felshöhlung anschlossen.»

Der teilweise recht steile Aufstieg zur Burgruine Rothenfluh.

Neue Wege der Konservierung

Steinkörbe statt Aufmauerung mit Kalkmörtel waren nach Angaben des Archäologischen Dienstes die Lösung für die einstige talseitige Fassadenmauer. Aus Kostengründen sei eine Freilegung und anschliessende konventionelle Sanierung nicht in Frage gekommen: «Mit den vielen lose auf dem gesamten Plateau herumliegenden Steinen wurden die noch aufgehend sichtbaren Quermauern saniert.» Um eine Zweckentfremdung der überzähligen Steine – zum Beispiel als willkommene «Wurfgeschosse» – zu verhindern und die aufsteigenden Besucher zu schützen, seien sie in Steinkörbe gefüllt und auf der Hangkante plaziert worden. Die Körbe bildeten einen Schutz des darunterliegenden Originals, markierten gleichzeitig den einstigen Mauerverlauf und sicherten zudem das für allällige spätere konventionelle Aufmauerung benötigte Steinmaterial. Die Arbeit sei im Herbst 2004 durch ein Einsatzprogramm für Stellenlose unter der Leitung des Archäologischen Dienstes ausgeführt worden. Gleichzeitig seien die beiden Quermauern durch den projektleitenden Spezialisten des ADB konventionell mit Kalkmörtel restauriert worden: «Das erstmals gewählte unkonventionelle System der Steinkörbe dürfte hier funktionieren, weil das Plateau der Balm nie Regen und kaum je Frost erhält, die Problematik von Feuchtigkeit und Frostsprengung hier für einmal ausgeklammert werden darf.»

Die Konservierung von 2003 und 2004

Der Archäologische Dienst des Kantons Bern habe 1998/99 zusammen mit dem ETH-Institut für Denkmalpflege Zürich eine topografische Vermessung durchgeführt, wurde im weiteren erinnert: «Sie bildete die Grundlage für die Anlage eines neuen Zuganges beziehungsweise die erneute Begehbarmachung des im Terrain wiederentdeckten alten Zugangsweges.» Die Umsetzung des Projektes sei in den Jahren 2003 und 2004 durch verschiedene freiwillige Arbeitseinsätze der Armee (Fliegergeniekompanie 5), der Zivilschutzorganisation Jungfrauregion, einem Beschäftigungsprogramm für Stellenlose (Volkswirtschaftskammer Berner Oberland) erfolgt, unterstützt durch den Wilderswiler Metallbauer René Michel sowie Hannes Stähli, Bergführer und Bildhauer, Wilderswil. Die Leitung lag bei Rolf Weiss, Präsident der Heimatvereinigung Wilderswil und Umgebung sowie beim Archäologischen Dienst des Kantons Bern (Daniel Gutscher, wissenschaftliche Leitung, Martin Portmann und Urs Ryter, technische Leitung). Dabei wurden die noch sichtbaren Mauern mit originalgetreuem Kalkmörtel neu verfugt und das Gelände gereinigt. Aus Kosten- und Konservierungsgründen wurde auf eine Grabung verzichtet.

Daniel Gutscher vom Archäologischen Dienst des Kantons Bern vor der Orientierungstafel bei der Burgruine.

Die Rothenfluh stehe nicht allein in der Landschaft, wurde an der Eröffnung im weiteren ausgeführt. Der ADB habe daher in den vergangenen Jahren einige der wichtigsten archäologischen Objekte nicht bloss saniert, sondern diese neu auch mit Informationstafeln vor Ort und einem Faltblatt für eine breite interessierte Öffentlichkeit erschlossen und damit auch inhaltlich besser zugänglich gemacht. Die Rothenfluh bilde das letzte Glied in dieser Kette, welche mit dem Erscheinen des Faltblattes «Interlaken. Burgen auf dem Bödeli» rechtzeitig zur zweiten Jahrhundertfeier des ersten Unspunnenfestes von 1805 vorerst abgeschlossen werde. Das Faltblatt umfasse neben der Rothenfluh Informationen über die Burgen Unspunnen und Weissenau sowie den Galgen von Matten: «Es erschien in deutscher und englischer Sprache, damit es auch im Tourismus eingesetzt werden kann.» Im Raum Interlaken verbindet die Aare den Brienzer- mit dem Thunersee. Entstanden ist die Schwemmebene – heute Bödeli genannt – durch das Geschiebe der Flüsse Lütschine und Lombach. Die verkehrsgeschichtlich wichtige Lage an den Wegen zu den Alpenpässen mit Wechsel von der See- zur Flussschiffahrt, aber auch die Überquerung der drei Flüsse sind Grund für das frühe Interesse der zentralen Herrschaft. Es schlug sich nieder in der Gründung zentralörtlicher Einrichtungen des Mittelalters: Kloster Interlaken, Marktstädtchen Unterseen, Galgen in Matten sowie drei Burganlagen auf engem Raum, Weissenau, Unspunnen und Rothenfluh.

Lücke geschlossen

Rolf Weiss, Präsident der Heimatvereinigung Wilderswil erinnerte an der Eröffnung des Zugangsweges daran, dass das Projekt für die Erschliessung der Burg Rothenfluh bereits auf das Jahr 1998 zurückgehe. Bis jetzt seien die Kulturwege am Eingang zu den Lütschinentälern noch nicht komplett gewesen – nun habe auch diese Lücke geschlossen werden können. Anstelle einer ersten 150'000 Franken teuren Erschliessungsvariante habe dank der Einwohnergemeinde Wilderswil, der Raiffeisenbank, der Regionalgruppe des Berner Heimatschutzes, des Militärs und des Zivilschutzes sowie durch das Stellenlosenprojekt der Volkswirtschaftskammer, die finanziell oder mit Arbeitseinsatz mitgeholfen hätten, ein Projekt für lediglich 40'000 Franken realisiert werden können.

Der Präsident der Heimatvereinigung Wilderswil Rolf Weiss vor der neu plazierten Erinnerungstafel mit der Inschrift «Hier war der Freiherr von Rotenfluh von seinem Bruder erschlagen worden. Der ruchlose Mörder, 48 Jahre in Bann gelegt, beschloss im fernen Auslande diesen einst mächtigen Stamm».

Daniel Gutscher vom Archäologischen Dienst des Kantons Bern nahm kurz Stellung zur Umplazierung der beiden ursprünglich am Dangelstutz angebrachten historischen Gedenktafeln – siehe auch Kantonsstrasse auch beim «Böse Stei» auf sieben Meter verbreitert vom Dienstag, 26. Juni 2001 – und räumte ein, man wisse nicht genau, wo dieser Brudermord tatsächlich stattgefunden habe: «Es wurde vermutlich einfach ein schrecklicher Ort gesucht und diese Tafel da aufgestellt.» Die eine Tafel werde wieder in den Bereich der alten Stelle gesetzt, die zweite Tafel auf Stein jedoch befinde sich nun am Eingang zum historischen Weg, der zum Burgareal führt.

Bis zur Verbreiterung der Kantonsstrasse beim Dangelstutz war die Brudermord-Gedenktafel beim «Bösen Stein» angebracht. (Archivbild Peter Schmid)

«Gedenktafel für den armen Gefallenen Hermann»

Von den beiden Brüdern Hartmann und Herrmann von Rotenfluh, die im Jahre 1280 als Zwillinge geboren worden sein sollen, berichtet die Sage – siehe auch Anderthalb Millionen Franken billiger und zwei Jahre früher fertig vom Mittwoch, 21. Februar 2001 – dass sich die beiden im Erwachsenenalter zerstritten hätten und Hermann zu Tode gekommen sei: «Der Landvogt von Mülinen, ein grosser Geschichtsfreund, liess zu Ehren des Ermordeten an der engen Stelle zwischen Wilderswil und Zweilütschinen, da, wo sich die Berge Schynige-Platte und Bällenhöchst treffen, eine Gedenktafel für den armen Gefallenen Hermann errichten.» Der Bruder Hartmann sei ins Ausland geflohen, nach Grossbritannien, wo er der Sage nach den Stamm der Herren von Redcliffe begründet haben soll.

Sonderausstellung im Dorfmuseum Wilderswil

Im Dorfmuseum Wilderswil findet vom 11. Juni bis 16. Oktobrer 2005 eine Ausstellung mit dem Titel «Herr und Knecht» statt. Zu sehen ist auch ein Modell von Andreas Wellenreiter, das zeigt, wie die Balmburg damals augesehen haben könnte. Mangels Fotomaterial hätten die Balmburgen im Bleniotal als Vorlage gedient.

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Hintergrundinformationen siehe auch Bericht Staneks Planetenlexikon 2005: Mit dem Computer auf den Mars vom Sonntag, 14. November 2004




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