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Drei Monate vor dem Jubiläums-Unspunnenfest 2. bis 4. September 2005 sind am Freitagabend vom Oberland bis nach Bern Chutzenfeuer entzündet worden. (zvg)

Chutzenfeuer zum Auftakt 200 Jahre Unspunnenfest Interlaken

Bei strömendem Gewitterregen ist am Freitagabend kurz nach 22 Uhr von Interlaken ausgehend das erste von insgesamt 33 Chutzenfeuern – wie sie im Mittelalter als Kommunikations- und Alarmsystem dienten – entzündet worden, um die Kunde vom 200-Jahr-Jubiläum des Unspunnenfestes bis ins Oberhasli, ins Saanenland und nach Bern zu tragen.

Regierungsrätin Elisabeth Zölch-Balmer (Bildmitte) versucht im strömenden Regen den Chutz auf der Interlakner Höhematte in Brand zu setzen. (Bilder Dora Schmid-Zürcher)

ds/pvr. Am Ende der Chutzenketten wurden als Zeichen des Eintreffens des Signals Kugelbomben gezündet und über weitere Kugelbomben kam als Zeichen des Eintreffens von den einzelnen Chutzenstandorten aus das Signal nach rund einer Stunde wieder zurück nach Interlaken. Die Chutzenfeuer vom 3. Juni 2005 waren als besonderer Startschuss zum Jubiläums-Unspunnenfest vom 2. bis 4. September 2005 in Interlaken gedacht. Manchenorts waren die Chutzenfeuer etwa mit einem Brätelabend oder einer Festwirtschaft verbunden.

Der Chutz – ein eindrückliches Bauwerk von 13 Meter Höhe, ab 1,6 Meter gefüllt mit 25 bis 27 Ster dürrem Brennholz, was etwa einem Jahresbedarf von zwei Einfamilienhäusern entspricht.

Ehe sie auf der Höhematte das erste Chutzefeuer entzündete, erinnerte Regierungsrätin Elisabeth Zölch-Balmer, Volkswirtschaftsdirektorin des Kantons Bern im Grand Hotel Victoria-Jungfrau in einer Grussadresse daran, dass Bern in alter Zeit ein aufwendiges Alarmierungssystem vom Genfersee bis an den Rhein betrieben habe – mit etwa 160 «Chutzen», ebenso vielen Wachthäuschen und einer ständigen Mannschaft von über 600 Mann, die in Zeiten erhöhter Gefahr die Bewachung sicherzustellen hatten: «Die Kommunikation durch Lichtsignal war in anderen Kulturen – Indianer, Römer – früher auch bekannt, aber die Berner Alarmierung war technisch perfektioniert, indem der Feuerschein des «Chutzen» mit Steigraketen und «Mordschlapf» begleitet wurde, die Verifizierung des Ernstfalls mittels Kontrollblick durch den «Absichtsdünkel» erfolgte und sicherheitshalber mehrere Routen die Übermittlung gewährleisteten.» Dank der Hilfe der «Chutzen» hätten auch Soldaten alarmiert werden können. So sei auch die bernische Streitmacht für die Schlacht von Neuenegg im Jahr 1798 aus dem Oberland durch die «Chutzen» zu den Waffen gerufen und zum Aufbruch gemahnt worden: «Aus dieser Zeit stammt auch die Initiative zum ersten Unspunnenfest von 1805, das uns heuer Anlass zu besonderer Freude gibt.»

Chutzenfeuer
In einer Zeit als es noch keine Telegrafen und kein Telefon gab, war ein Alarmsystem mit Feuerzeichen das passende Mittel, um über grosse Strecken einen Alarm weiterzugeben. Schon die Römer hatten längst der Grenzen ihres Weltreiches ein Alarmsystem mit Signalfackeln eingerichtet. Im Kanton Bern finden wir im Jahr 1448 die ersten Spuren eines Alarmsystems mit Chutzenfeuern. Der planmässige Ausbau erfolgte im 17. Jahrhundert. Die «Chutzen» wurden nach einem einheitlichen Bauschema aufgebaut. Im 18. Jahrhundert erreichte das Netz der «Wachtfeuer» oder «Feuerzeichen», im Volksmund «Chuz» genannt den höchsten Stand. Beim Einfall der französischen Invasionsheere am 4. März 1798 wurde der Landsturm mit Hilfe des Wachtfeuernetzes alarmiert. Auch viele Flurnamen erinnern noch an dieses Feuerzeichen-Alarmsystem, unter anderem Wacht, Hohwacht, Wachthubel, Lueg oder Chutzenhubel. Das bernische Wachtfeuernetz war das umfangreichste Alarmierungsnetz der alten Eidgenossenschaft gewesen.

Die Absicht der Initianten von 1805 habe folgendermassen gelautet:

So wird ein Fest gefeyert und beendet werden, dessen einziger Zweck es ist, die alten einfachen Sitten und Freuden unserer Väter wieder unter uns aufleben und fortdauern zu machen, neue Freundschaftsbande zwischen den Hirtenvölkern Helvetiens zu knüpfen, vorzüglich aber jenes alte gegenseitige Wohlwollen zwischen den Bewohnern der Landschaft und der Städte und eine holde Einigkeit wieder keimen und blühen zu machen, welchem unser Vaterland jahrhundertelang seine Kraft, seinen Ruhm und sein Glück zu danken hatte.

Der Text stehe in leicht altertümlicher Sprache, aber seinen Inhalt bezeichnete Regierungsrätin Elisabeth Zölch-Balmer als verblüffend aktuell: «In unserer Zeit des harten Wettbewerbs, der weltweiten Öffnung verschiedenster Grenzen und der Konzentration auf Wachstumsregionen liegt die Versuchung nahe, ländliche Regionen zu vernachlässigen und ihrem Schicksal zu überlassen; auch im Kanton Bern hören wir deshalb ein Donnergrollen aus dem ländlichen Gebiet.»

Vor dem brennenden «Chutz» auf der Höhematte in Interlaken. Von links nach rechts: Rudolf Zumstein, Chef Anlässe im OK 200 Jahre Unspunnen, Regierungsrätin Elisabeth Zölch-Balmer und Unspunnenfest-OK-Präsident Ueli Bettler.

Laut Zölch wird aber Gegensteuer gegeben: «In allen ländlichen Regionen unseres Kantons haben im Auftrag der Regierung Arbeitsgruppen spezifische Stärken ausgemacht, lichtvolle Chancen gesichtet, konkrete Massnahmen zur Stärkung der Regionen zusammengetragen und dem Regierungsrat präsentiert.» Die Regierung stehe in engem Dialog mit allen Regionen: «Wir wollen Stadt und Land zusammenbringen; denn wir haben letztlich alle ein gemeinsames Ziel.» Stadt und Land sollten sich gegenseitig anspornen und unterstützen: «Ein neues, bernisches Selbstbewusstsein muss entstehen – wenn wir heute das Feuer anzünden, ist dies meine Botschaft ins Land!»

Zölch wies sodann darauf hin, in drei Monaten beginne das denkwürdige Jubiläumsfest 200 Jahre Unspunnen: «Ich freue mich, mit dem Entzünden des ersten «Chutzenfeuers» in diesem Jahrtausend, dem dritten seit über 50 Jahren, eine Kette von Freudenfeuern durch die oberländischen Täler und bis aufs Münster in Bern in Gang zu setzen.» Mögen jung und alt, Stadt und Land die Botschaft, welche die Feuer verkündeten, empfangen und verstehen, wünschte sie sich und rief auf: «Kommt alle anfangs September nach Interlaken, knüpft neue Beziehungen, lasst Verständnis aufblühen und gemeinsame Erlebnisse zur Basis für neue, gemeinsame Ziele werden!»

200 Jahre Unspunnenfest Interlaken. 2. bis 4. September 2005. Organisation: Verein Schweizerisches Trachten- und Alphirtenfest Unspunnen. Partnerorganisationen: Eidgenössischer Schwingerverband, Schweizerische Trachtenvereinigung, Kantonal-Bernischer Schwingerverband, Bernische Vereinigung für Tracht und Heimat, Eidgenössischer Jodlerverband, Bernisch-Kantonaler Jodlerverband, Verband Schweizer Volksmusik. – Ticketverkauf: Geschäftsstelle Unspunnenfest 2005, Harderstrasse, Postfach, 3800 Interlaken / Telefon 033 826' 53'53 / info@unspunnenfest.ch / Onlinebuchungen unspunnenfest.ch oder www.beo-tickets.ch

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Hintergrundinformationen siehe auch Bericht Staneks Planetenlexikon 2005: Mit dem Computer auf den Mars vom Sonntag, 14. November 2004




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