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Sonntag, 26. Juni 2005
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75 Jahre Postauto-Linie Reichenbach – Kiental – Griesalp

Postauto Berner Oberland feiert mit der Postautounternehmung Ernst Portenier AG das 75-Jahre-Jubiläum der steilsten und spektakulärsten Postauto-Strecke Europas. In den Anfangsjahren musste wegen dem Strassenzustand ein Spezialfahrzeug erbaut und so wurde der erste Frontlenker der Welt geboren. Auf dieser Linie zwischen Reichenbach – Kiental – Griesalp verkehren seit letztem Sommer die zwei neuesten Postautos von Ernst Portenier. Seit gestern Samstag tragen diese beiden Fahrzeuge offiziell die Namen «Reichenbach» und «Kiental».

Der Saurer 1CP2-H.

pd/bns. Im Jahre 1838 hatte die Erschliessung des Kandertals mit einem Fahrbotendienst mit Platz für zwei Reisende von Thun nach Frutigen begonnen, wird in einer Medienmitteilung erinnert. 34 Jahre später 1872 verkehrte täglich von Thun nach Frutigen ein Postkurs mit einem sechs- bis siebenplätzigen, im Winter mit einem vier- bis fünfplätzigen) Zweispänner. Zwei Jahre später verkehrten bereits zwei und 1875 drei Postkurse. Im Jahre 1899 wurde erstmals eine Fahrverbindung der Post zwischen Reichenbach und dem Kiental errichtet. Die Fahrzeit betrug seinerzeit 75 Minuten. Am 27. Juli 1901 begann mit der Eröffnung des Bahnbetriebes von Spiez nach Frutigen die Bahn-Ära im Kandertal. Dies führte zur Aufhebung der seit 1872 geführten Postkurse. Zu Beginn der Jahrhundertwende fuhren täglich zwischen Reichenbach und Kiental Postkurse und im Jahr 1904 wurde der Kursbetrieb bis Ende September ausgedehnt. Im gleichen Jahr entstand auf der Griesalp das erste Hotel «Blüemlisalp» und zeitgleich wurde der Verkehrsverein Reichenbach/Kiental gegründet. Ab 1905 bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg boomte der Tourismus im Kiental, verschiedene Hotels und Ferienhäuser wurden erbaut. Nach dem Weltkrieg im Jahr 1916 nahm sogar Lenin an einer Geheimkonferenz der sozialistischen Internationale im Hotel Bären in Kiental teil. Ausgenommen während des Ersten Weltkrieges verkehrte bis 1928 zweimal täglich eine Pferdepostkutsche ab Reichenbach via Scharnachtal nach Kiental

Postauto Reichenbach – Kiental – Griesalp

Die Kreispostdirektion in Bern schrieb im Jahre 1929 den Kurs Reichenbach – Kiental für einen Postautohalter öffentlich aus. Der «Auswärtige» Adelbodner Karl Geiger sen. erhielt diesen Auftrag, weil er offenbar als einziger Bewerber realistische Vorstellungen vom Betrieb hatte. Er eröffnete am 1. Mai 1930, also vor 75 Jahren, die Linie Reichenbach – Kiental. Im Sommer betrieb er diese Strecke mit einem 14plätzigen Berna, während in der übrigen Jahreszeit die Pferdepost kutschierte. Ein Jahr später fuhr der Autobusbetrieb das ganze Jahr und zusätzlich übernahm Geiger den Posttransport.

Bereits ein Jahr später, dank den guten Vorstellungen von Karl Geiger sen., konnten Reisende mit dem Postauto auf die Griesalp gelangen. Sie stiegen in ein Schnauzen-Postauto der Marke Saurer BND (vorher mit Benzinmotor und nachher auf Dieselmotor umgebaut) bis nach Tschingel. Dort wurden sie mit zwei Grossraumpersonenwagen «Mercedes Nürburg» und «Chrysler» mit je acht Sitzplätzen hinauf zur Griesalp befördert. Am 15. Juni 1933 wurde dann der Linienabschnitt Kiental – Griesalp offiziell eröffnet. Zum Einsatz gelangte ein Berna-Adler. ausgerüstet mit 14 Sitzplätzen und einem Stoff-Schiebedach. Ende 1035 bestellte Geiger infolge des prekären Strassenzustandes bei Saurer Arbon ein Spezialfahrzeug, das am 1. Juni 1936 abgeliefert wurde. Ein Vierzylinder-CRD-Dieselmotor mit 55 PS erlaubte mit dem für diese steile Bergstrecke abgestimmte Fünfganggetriebe eine Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometer. Diese Spezialanfertigung mit 18-Plätzen war nach Angaben von Postauto Berner Oberland der ersten Frontlenker der Welt: «Das Stoff-Schiebedach ermöglichte den Fahrgästen imposante Ausblicke insbesondere auf beide bekannten Wasserfälle.»

Postautohalter Ernst Portenier

Ernst Portenier, der im Jahre 1964 als Postauto-Chauffeur angestellt worden ist, unterhielt diesen Betrieb laut Postauto Berner Oberland im gleichen Rahmen weiter: «Die Fahrzeuge wurden regelmässig sehr gut gewartet, so dass sich bis letztes Jahr keine Neubeschaffungen aufdrängten.» Am 28. Mai 2000 habe mit Ernst Portenier ein neuer Postauto-Unternehmervertrag abgeschlossen werden können und der Betrieb lautete neu E. Portenier AG, Adelboden.

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Hintergrundinformationen siehe auch Bericht Staneks Planetenlexikon 2005: Mit dem Computer auf den Mars vom Sonntag, 14. November 2004




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