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Montag, 9. Mai 2005
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Artos-Präsident Pfarrer Thomas Humbel am Rednerpult. Daneben von links nach rechts die Vorstandsmitglieder Stefan Zolliker, Alice Mattmüller, Marlies Meyer und Vizepräsident Hans Kipfer. (Bilder Dora Schmid-Zürcher)

Zentrum Artos Interlaken: Gutes Jahr und Neubaupläne

Der heute 36jährige Altbau «Ahorn» des Zentrum Artos in Interlaken soll im Spätsommer abgerissen und als 5,1 Millionen Franken teurer Neubau «Siesta» am 19. August 2006 eröffnet werden. An der Generalversammlung des Vereins Artos Interlaken der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) in der Schweiz wurden am Montagnachmittag neben einer Orientierung über das Neubauprojekt unter anderem ein Zusammenarbeitsvertrag zwischen dem Artos und der EMK genehmigt sowie Vorstand, Präsident und Revisionsstelle bestätigt.

Vor dem Haus «Ahorn», das im kommenden September abgerissen werden soll. Von links nach rechts: Artos-Vizepräsident und Baukommissionspräsident Hans Kipfer, die Betriebsleiter Lea und Markus Hafner, Artos-Präsident Thomas Humbel, die Architekten Beat Nievergelt (Büro Ernst Nievergelt) und Ferdi Reusser (Büro Peter Gasser, Interlaken). (Bilder Dora Schmid-Zürcher)

ds/pvr. Das Jahr 2004 könne einmal mehr als gutes Jahr bezeichnet werden, führt das Zentrumsleiterehepaar Lea und Markus Hafner in seinem Jahresbericht aus: «Dankbar stellen wir fest, dass das Artos weiterhin auf gesunden finanziellen Füssen steht, dass Mitarbeiter mit einem Herz für Heimbewohner, Hotelgäste und Besucher tätig sind, dass Gebäude und Menschen vor grossen Natur- und Schicksalsschlägen bewahrt blieben und wir dem vielfältigen Auftrag des Zentrums gerecht werden konnten.» Bei einem Gesamtertrag von 7'418'817 Franken schliesst die Jahresrechnung des Alters- und Pflegeheims fast auf den Franken genau mit dem budgetierten, vom Defizitbeitrag der Einwohnergemeinde Interlaken und dem kantonalen Lastenausgleich gedeckten Aufwandüberschuss von 220'000 Franken. Dieses budgetierte und auch ausgewiesene Defizit ist nach Angaben der Zentrumsleitung dadurch entstanden, dass den nicht finanzkräftigen Heimbewohnern ein Sozialtarif gewährt werde. Die dadurch entgangenen Einnahmen würden dann eben letztlich vom Kanton zurückerstattet. Das Hotel und die übrigen Liegenschaften erzielten bei einem Betriebsaufwand von 1'610'853 Franken ein Ergebnis vor Zinsen und Abschreibungen von 682'196 Franken beziehungsweise einen für den Verein verbleibenden Ertragsüberschuss von 2812 Franken. Bei den Wohnungen schliesslich wird mit jeweils 687'792 Franken Aufwand und Ertrag ein ausgeglichenes Ergebnis ausgewiesen.

Der Blick zurück auf ein insgesamt gutes Jahr bedeutet laut Jahresbericht des Leiterehepaars allerdings nicht ein Jahr ganz ohne Schwierigkeiten oder plötzlich auftauchende Probleme: Im Bereich des Altersheimes hätten die Auflagen des Kantons leider zu Kostensteigerungen geführt. Die Krankenkassenleistungen würden weiterhin nicht vollumfänglich nach den Vorgaben des Krankenversicherungsgesetzes erbracht: «Die Verhandlungen zwischen Santé Suisse und den Heimverbänden haben zu keiner Einigung geführt, was in einer teilweisen Vertragsauflösung endete.» Diese Situation zwinge die Heime, die monatliche Abrechnung direkt an den Leistungsbezüger zu senden, der dann selber für die Erstattung der Krankenkassenleistungen verantwortlich sei. Für manchen Heimbewohner, der bisher seine Finanzen selber verwaltet habe, bedeute diese Änderung zusätzlichen Aufwand und löse Verwirrung und Unsicherheit aus.

Für die neu zu beantragende Betriebsbewilligung der Heime seien die Richtlinien veröffentlicht worden, verlautet im weiteren. Das Unverständnis über gewisse darin enthaltene neue Bestimmungen sei in den Medien ausführlich thematisiert worden: «Aber auch wir haben Mühe mit der Tatsache, dass zum Beispiel unser vor zehn Jahren nach den damals gültigen Richtlinien erbautes Heim schon nicht mehr den Anforderungen betreffend Zimmergrösse entsprechen soll und die damals gezwungenermassen gebauten Doppelzimmer nur noch einzeln belegt werden dürften.» Lea Hafner ergänzte ihren Jahresbericht damit, dass sie einen Zeitungsbericht über die Situation des Krankenheims Spiez kurz streifte: Die Gebäulichkeiten dort seien nicht mehr zu renovieren. Die Zimmer – teilweise ohne warmes Wasser – seien mit 7,5 Quadratmeter pro Person einfach zu klein und pro 22 Heimbewohner gebe es nur eine rollstuhlgängige Toilette. Um so dankbarer könne man im Artos über einen guten Zustand der Gebäude sein – obschon auch hier die Zweierzimmer zu klein aber mit einer Übergangsbestimmung erlaubt seien.

Lange Wartezeit

«Die Nachfrage nach Heimplätzen ist gross und die Wartezeit auf ein freies Zimmer ist lang», heisst es im weiteren. Die Berücksichtigung der Anfragen erfolge nach Anmeldedatum: «Das hat den Vorteil, dass alte Menschen ins Heim eintreten können, bevor sie stark pflegebedürftig sind, sofern sie sich früh genug angemeldet haben.» Damit seien die Chancen für ein rasches Einleben gut und die angebotenen Aktivitäten könnten voll genützt werden: «Andererseits sind dadurch Schwankungen der gesamten Pflegebedürftigkeit im Heim vorprogrammiert und die wirtschaftliche Planung des Pflegepersonals wird zur Herausforderung.»

Guter Rechnungsabschluss im Hotel

Noch einmal mehr Logiernächte und Umsatz im Hotel: Die Belegung auf das ganze Jahr gesehen betrug nach Angaben der Zentrumsleitung 51, 8 Prozent, was 20'781 Logiernächten entspreche: «Diese Steigerung ist besonders wertvoll im Hinblick auf das laufende Jahr, wo der Abbruch des Hauses ‹Ahorn› und der Neubau einen markanten Einbruch der Übernachtungen bringen wird.» Der Gästeinformation über die baulichen Pläne soll weiterhin besondere Beachtung geschenkt werden: «Die Perioden mit Baulärm werden die Ferien unserer Gäste aber nur kurze Zeit beeinträchtigen und zudem mit einer Vergünstigung des Übernachtungstarifes entschädigt.» Ausserdem schützten die Zimmer nach Westen zusätzlich vor Lärmbelästigung.

Energiekonzept

Gerade noch rechtzeitig vor dem Winter konnte der Ersatz einer überraschend ausgefallenen Wärmepumpe erfolgen. Nach eingehenden Abklärungen wurde der Anschluss an das Fernheizwerk der Altholz-Verwertungsanlage Region Interlaken AG (Avari) in Wilderswil gewählt, das mit unserem energiesparenden Konzept ebenfalls übereinstimmt. Zugleich konnte das bisher unbefriedigende langsame Aufheizen der Räume nach einem Kälteeinbruch behoben werden. Erstmals seit zehn Jahren mussten keine Reklamationen wegen kalten Hotel- und Heimzimmern oder zu wenig warmem Wasser entgegengenommen werden.

Ausgezeichnet

Die Idee des generationenübergreifenden Wohnens im Zentrum Artos habe in einer Wettbewerbsausschreibung der Age Stiftung Zürich einen mit 5000 Franken dotierten Preis gewonnen, wird im Jahresbericht erinnert. Der Beitrag habe nun in eine Erweiterung des Zentrumsangebotes investiert werden können: «Das Mitte Jahr mit einer Umfrage gestartete Projekt ‹Externe Dienstleistungen› für unsere Mieter hat aufgezeigt, dass eine recht grosse Nachfrage nach Hilfeleistungen vor allem in Krankeitszeiten besteht.» Seit Anfang 2005 stünden nun Mahlzeitenlieferungen, Wäsche- und Flickservice, Handwerkerhilfe und Vieles mehr im Angebot. Die Kosten für die Anschaffung der Mahlzeitentransport-Sets habe erfreulicherweise der Verein für Alterswohnen Interlaken übernommen, so dass den Mietern nur die Kosten für die erbrachten Leistungen verrechnet werden müssten.

Ganzheitliche Begleitung

Was im Leitbild schriftlich festgehalten sei, werde im Artos auch gelebt: «Mit Martin Epting, dem Seelsorger der Evangelisch-methodistischen Kirche wird die seelische und geistliche Begleitung der Heimbewohner, aber auch der Hotelgäste und Mitarbeiter gewährleistet.» Viele Begegnungen und Gespräche geschähen im stillen, aber es werde immer wieder sichtbar, wie wertvoll dieses Angebot sei.

Planen und Bauen

Artos-Präsident Thomas Humbel weist im Jahresbericht seinerseits daraufhin, es sei beabsichtigt, den geplanten Hotelneubau auch längerfristig im Bereich der Drei-Sterne-Hotellerie zu plazieren: «Wir werden dann durchgehend über ein sehr gutes Zimmerangebot verfügen.» Im Bereich der Klassifizierung der Hotels sei einiges in Bewegung. Neben den bisherigen Kategorien von eins bis fünf Sternen werde ab dem Jahr 2006 eine Ergänzung eingeführt, die den Hotels eine Differenzierung ermögliche: «Das wollen wir nutzen und peilen die Auszeichnung als ‹Drei-Sterne-superior-Hotel› an.» Im Bereich der Hotellerie wollen sich das Artos auch ganz bewusst dem Thema «Alter und Tourismus» zuwenden: «Das Kundensegment ‹Alter› ist unserem Betrieb nicht ganz fremd und wir wollen unsere Kompetenz auch hier zum Tragen bringen, unser Engagement verstärken und uns bewusst an den Bedürfnissen der älteren Generation orientieren.»

Bedürfnisse sehen und reagieren

«Auf Seiten des Altersheims beschäftigt uns die zunehmende Zahl von alten Menschen, die verwirrt sind», führt Thomas Humbel in seinem Bericht im weiteren aus. Das Wort «Demenz» sei zu einem Schlagwort unserer Zeit geworden. Aber es zeiget auch eine Realität, vor der wir die Augen nicht verschliessen dürften. «Die Anfragen nach Heimplätzen für Menschen mit einer leichteren oder stärkeren Verwirrtheit nehmen laufend zu.» Im Jahr 2005 soll darum die Weiterbildung der Mitarbeiter im Heim besonders diesem Thema gewidmet sein: «Ausbildung und Berufserfahrung sind uns wichtig; aber auch die Weiterbildung wollen und dürfen wir nicht vernachlässigen.» Den Mitarbeitern auf den Wohngruppen soll die Möglichkeit geben werden, sich im Umgang mit und in der Pflege und Betreuung von dementen Menschen mehr Kompetenz und Fachwissen anzueignen. Um nicht bei der Theorie stehen zu bleiben, soll über längere Zeit hinweg mit aufbauenden Modulen gearbeitet werden: «Die Erfahrungen in der Praxis können dann wieder im nächsten Ausbildungsteil einfliessen und im Alltag gefestigt werden.»

Ein Werk der Kirche

Bei dem an der Generalversammlung genehmigten Zusammenarbeitsvertrag mit der EMK geht es laut Humbel um die Verbindung des Artos mit der EMK: «Wir gehen dabei keine rechtliche Verbindung ein, sondern es geht um eine Vereinbarung, die eine gegenseitige ideelle Unterstützung postuliert.» Dabei bleibe das Artos absolut selbständig und auch die EMK übernehme keinerlei Verpflichtungen.

Wiedergewählt

Alle Mitglieder des Vorstands, der Präsident sowie die Revisionsstelle wurden für die Amtsdauer 2005 bis 2009 wiedergewählt.

Zentrum Artos Interlaken, Vereinsvorstand: Präsident Humbel Thomas, Heimleiter und Pfarrer, Männedorf. Vizepräsident Hans Kipfer, Hotelier, Thun-Allmendingen. Christine Bögli Zurbrügg. Pflegefachfrau, Lengnau bei Biel. Urs Graf. Fürsprecher und Notar, Interlaken, Vertreter der Einwohnergemeinde Interlaken. Alice Mattmüller. Ringgenberg, Vertreterin der EMK-Gemeinde Interlaken. Marlies Meyer, Krankenpflegerin, Wilderswil. Markus Ris, Sozialarbeiter, Interlaken, Vertreter der Einwohnergemeinde Interlaken. Marlis Stähli, Pflegefachfrau, Thun.Werner Welti, Geschäftsführer, Laupen, Sekretär. Pfarrer Stefan Zolliker, Thun. – Betriebskommission: Präsident Thomas Hummel, Heimleiter und Pfarrer, Männedorf. Maria Reist, Pflegefachfrau, Heimberg. Werner Walti, Heimleiter, Goldswil. – Leitung: Markus und Lea Hafner, Wilderswil. – Beauftragte Treuhandstelle: T & R AG, Bern, Gümligen.

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Hintergrundinformationen siehe auch Bericht Staneks Planetenlexikon 2005: Mit dem Computer auf den Mars vom Sonntag, 14. November 2004




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