 |
| Der um zwei Sitze verkleinerte Verwaltungsrat der Brienz–Rothornbahn wurde in globo wiedergewählt. (Bilder Dora Schmid-Zürcher) |
|
Brienz–Rothorn-Bahn: «Zuversichtlich in eine langfristig erfolgreiche Zukunft»
Trotz einem schlechten Jahresergebnis mit nur 143'537 (Vorjahr 168'365) beförderten Passagieren sehen der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung der Brienz–Rothorn-Bahn (BRB) mit der Umsetzung eines neuen Betriebskonzeptes ab der Saison 2005 «zuversichtlich in eine langfristig erfolgreiche Zukunft der BRB». An der Generalversammlung vom Samstag im Kongresssaal des Casino-Kursaals Interlaken wurde nach zwei Demissionen der um die beiden Sitze verkleinerte Verwaltungsrat bestätigt.
Dem aus dem Verwaltungsrat demissionierenden Hans Kaspar Dick (links) wurde wie dem ebenfalls zurücktretenden Roger Fridelance von Verwaltungsratspräsident Kurt Schild (rechts) ein Stück Zahnrad mit Stein überreicht.
ds/pvr. Nach der Demission von Hans Kaspar Dick, seit dem Jahr 1992 Vertreter des SBB-Kreises II, und Roger Fridelance – seit 1977 zuerst als Kantonsvertreter vom Regierungsrat bestimmt, dann als Vertreter der Privataktionäre – sind an der Generalversammlung vom Samstag die beiden Sitze nicht wieder besetzt worden. Die anderen Vorstandsmitglieder wurden – 946 Aktionäre vertraten mit 47899 Stimmen 36 Prozent der Aktionäre – in globo bestätigt. Der Verwaltungsrat setzt sich damit wie folgt zusammen: Verwaltungsratspräsident Kurt Schild, Brienz. Vizepräsident Walter Messerli, Matten. Heinrich von Bergen, Brienz. Daniel Hertig, Bönigen. Peter Flück-Luchs, Brienz. Chris Linder, Uitikon. André Morgenthaler, Interlaken. Thomas Müller, Gals. Paul Stettler, Bern. Peter Wyss, Goldswil.
Unerfreuliches Jahresergebnis
Wie auch dem 105. Geschäftsbericht zu entnehmen ist, sollen bereits in der Saison 2005 «verschiedene Massnahmen einerseits auf der Kostenseite greifen und andererseits neue Möglichkeiten auf der Ertragsseite angestrebt». Nach mehr oder weniger durchschnittlichen Frequenzen nach der Betriebsaufnahme am 5. Juni 2004 seien von Mitte August bis Ende Oktober vergangenen Jahres nicht zuletzt infolge schlechter Wetterprognosen und schlechter Witterung die Gästezahlen deutlich unter die budgetierten Ziele gesunken. Mit ausserordentlichen Wertberichtigungen habe das Projekt Planalp definitiv abgeschlossen werden und der Wert des Restaurant Rothorn der längerfristigen Nutzung entsprechend angepasst werden können. Die Erfolgsrechnung der Unternehmung – Bahn, Hotel Rothorn Kulm, Restaurant Rothorn Brienz und Kiosk/Liegenschaften – schliesst insgesamt mit einem Betriebsverlust von 129'898 Franken gegenüber einem Gewinn im Vorjahr 2003 von 187'845 Franken. Unter anderem für ausserordentliche Wertberichtigungen wurde fast eine Viertelmillion Franken eingesetzt. Daraus resultiert ein von Verwaltungsratspräsident Kurt Schild als unerfreulich bezeichnetes Jahresergebnis von –457'734 (+55'697) Franken.
Die Eisenbahnstruktur der BRB soll in einer zweiten Etappe erneuert werden. Um die Mittel dafür zu beschaffen, läuft mit einer Zeichnungsfrist vom 30. April bis 30. November 2005 eine weitere Tranche der Aktienkapitalerhöhung. – Bild: BRB-Direktor Simon Koller sucht an der Generalversammlung mit Aktionäsrangeboten die Zeichnung schmackhaft zu machen.
Aktienkapitalerhöhung
BRB-Direktor Simon Koller warb an der Generalversammlung für die Zeichnung einer zweiten Tranche von Aktien für die Erneuerung der Infrastruktur der Bahn. In einer ersten Etappe war nach Angaben der BRB zwar das Ziel der am 12. Juli 2004 an einer ausserordentlichen Generalversammlung beschlossenen Aktienkapitalerhöhung nicht im geplanten Ausmass erreicht. Trotzdem sei es gelungen – siehe auch BRB: Die Dampflokomotive H2/3 wird gekauft vom Mittwoch, 8. Dezember 2004 und Dampflokomotive H2/3 auf der Strasse nach Brienz überführt vom Donnerstag, 16. Dezember 2004 – die Mittel für den Erwerb der Lokomotive zu beschaffen.
Obschon die Eisenbahninfrastruktur seit dem Jahr 1892 regelmässig unterhalten worden sei, bestehen auch laut dem Emissionsprospekt für die zweite Tranche bedeutende Erneuerungsbedürfnisse. Es handle sich dabei vorwiegend um die Sanierung und Erneuerung von Unter- und Oberbau, Stützmauern, Tunneln sowie von bestehenden Betriebs- und Hotelgebäuden. Für diese Erneuerungsvorhaben müssten in den nächsten zehn Jahren jährlich rund 360'000 Franken eingesetzt werden. Ein Teil davon könne aus selber erarbeiteten Mitteln (Cash-flow) finanziert werden. Damit die Erneuerungen insbesondere des Unter- und Oberbaus konzentriert angegangen werden könnten, müsse dem Dampfbahnunternehmen neues Kapital zufliessen.
Namentlich auch bei den in Brienz selber gebauten Weichen verteuert die Spurweite von nur 800 Millimeter die Erneuerungsinvestitionen. (Bild zvg)
Die vier «S»
Den Bereich der Infrastruktur prägten vier «S»: Schienen, Schwellen, Schotter und Stützmauern bildeten das Rückgrat jeder Eisenbahnunternehmung, verlautet dazu im weiteren: «Das beste und modernste Rollmaterial nützt nichts, wenn diese vier ‹S› nicht auch unterhalten und den Anforderungen des Betriebes angepasst werden.»
Schienen, Schwellen, Schotter: Die Mehrheit des eingebauten Schienentyps, Schwellen und Zahnstangen stammten noch aus der Gründungszeit. Hier bestehe in den nächsten Jahren ein Investitionsbedarf.
Stützmauern: Die geniale aber anspruchsvolle Streckenführung – vorwiegend ursprünglich aus der Gründungszeit – verlange nach Stützmauern, Galerien und Tunnel. Auch hier stünden Erneuerungen an.
Betriebs- und Hotelgebäude: Die Anlagen auf dem Rothorn seien auf gutem Grund und glücklicherweise nicht auf Permafrostgrund gebaut bedürften aber auch da und dort der Auffrischung. Insbesondere die Installationen wie die sanitären Anlagen müssten an die heutigen Kundenbedürfnissen angepasst werden.
Kostenoptimierung
Spurweite, infolge Etappierung kleine Bestellgrössen, lange Winter, exponierte Lage unserer Gebäude auf dem Rothorn und so weiter verteuerten die üblichen jährlichen Erneuerungsinvestitionen, heisst es im weiteren: «Mit konzentrierteren Erneuerungen der Infrastruktur über das übliche finanziell tragbare Mass hinaus kann mit den gleichen Mitteln mehr für die Dampfbahn erreicht werden.» Mit der Zeichnung von Aktien würden diese Ziele unterstützt.
Walter Messerli: «Kohlebetrieb fast zehnmal so teuer»
Walter Messerli, Verwaltungsratsvizepräsident und Präsident des Vereins der Freunde der BRB kündigte an, dem Sammelbrief an die Gönner im Monat Mai werde ein Emissionsprospekt für die zweite Tranche beigelegt und zur Zeichnung empfohlen. Messerli wies an der Generalversammlung erneut darauf hin, dass eine Retourfahrt mit einer alten kohlebefeuerten Dampflokomotive pro Person 54.20 Franken, mit einer neuen ölbefeuerten Dampflokomotive aber nur 5.90 Franken koste. Somit koste eine Fahrt mit einer alten Lokomotive das Bahnunternehmen, das sparen müsse, beinahe zehnmal mehr.
Noch viel Schnee
Im Hinblick auf die nahende Saison wurde an der Generalversammlung darauf hingewiesen, zurzeit lägen noch sechs bis sieben Meter Schnee, aber bereits seien 200 Meter Gleis neu verlegt worden.
Die Gruppenbuchungen im angelaufenen Jahr wurden als gut bezeichnet, doch seien die Übernachtungsbuchungen der Japaner zurückgegangen. Beim Restaurant Rothorn soll ein «freundliches herziges Bistro» entstehen. Es würden moderate bauliche Anpassungen gemacht und man hoffe auf eine Lösung für die Sonnenstoren auf der Terrasse.
«Heizen wir sie ein!»
Unter «Verschiedenem» meldete sich Christian Lüber und machte die Anwesenden darauf aufmerksam dass er mit dem Verwaltungsrat das Gespräch gesucht habe, um ihm die Lokomotiven 3 (sie steht in Giswil) und 4 zu überlassen, damit er diese revidieren könne. Man dürfe diese Lokomotiven nicht verstecken denn solch schöne Stahlrösser gebe es nur in Brienz. Als Leistungsausweis fügte er an, er habe bereits Wagen und Zusatzwagen der Brüniglinie revidiert und sei auch als Heizer und Aushilfsheizer viele Jahre bei der BRB tätig gewesen. Er bezeichnete die Wagen als Kulturgüter und schloss mit der Aufforderung: «Heizen wir sie ein!»
| Berner Oberland News |
|
|
Herausgegeben von Peter Schmid, Freier Journalist, Kreuzlistrasse 244, CH-3852 Ringgenberg / Redaktionsstube Ringgenberg Telefon +41 33 821 10 61 und Fax +41 33 82110 64 / Mobile +41 79 427 45 78 / Postcheckkonto 40-71882-7 |
|
| Für den Inhalt von verknüpften externen Websites (Links) beziehungsweise für die darauf von Dritten angebotenen Informationen, Produkte und Dienstleistungen übernehmen die «Berner Oberland News» keine Verantwortung. |
|