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Sonntag, 1. Mai 2005
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Von links nach rechts: Spitaldirektor Heinz Witschi, Vorsitzender der Geschäftsleitung FMI, Regierungsrat Samuel Bhend, Gesundheits- und Fürsorgedirektor des Kantons Bern, Grossrat Herbert Seiler, Präsident des Spitalrats und FMI-Verwaltungsratspräsident Peter Bettler. (Bilder Dora Schmid-Zürcher)

100 Jahre Spital Interlaken: Neue Ambulanz als «Geburtstagsgeschenk»

An der Jubiläumsfeier zum hundertjährigen Bestehen des Spitals Interlaken hat am Freitagabend der Gesundheitsdirektor des Kantons Bern, Regierungsrat Samuel Bhend, eine Verfügung in den Kursaal Interlaken mitgebracht, wonach ein Staatsbeitrag von 301'000 Franken für den Ersatz einer Ambulanz bewilligt werde. Am Samstag war die Bevölkerung eingeladen – wie nochmals am 28. Mai – das Hundertjahrjubiläum des zur Spitäler FMI AG (Spitalgruppe Frutigen, Meiringen und Interlaken) gehörenden Spitals Interlaken mitzufeiern.

Wissensbeschaffung einst und jetzt: Professor Dr. Urs Boschung, Leiter des Instituts für Medizingeschichte an der Universität Bern, erläuterte den Gästen an der Jubiläumsfeier im Kursaal Interlaken, wie im Wandel der Zeit Wissen beschafft worden sei.

Der erste Samstag war den Themen rund um ‹Notfall und Operation› gewidmet, während sich am Samstag, 28. Mai – siehe auch Hundert Jahre Spital Interlaken in der Weissenau vom Dienstag, 12. April 2005 – hinter den geöffneten Spitaltüren alles rund um «Herz, Psyche, Geburt und Technik» drehen soll.

«Verantwortung gemeinsam tragen»

In seiner Festansprache am Freitagabend im Kursaal Interlaken wies der bernische Gesundheitsdirektor Samuel Bhend darauf hin, die letzten hundert Jahre hätten in der Medizin enorme Veränderungen gebracht. Die heutigen, modernen Häuser haben laut Bhend nicht mehr viel mit früher gemeinsam. Aber der Wunsch des Menschen gesund zu bleiben oder gesund zu werden sei gleich geblieben: «Und früher wie heute gilt immer noch das Gleiche: Gesundheit ist ein teures Gut!» Das Gesundheitswesen habe im Jahr 2003 knapp 50 Milliarden Franken gekostet und für das laufenden Jahr rechne das Bundesamt für Statistik mit Gesamtkosten von über 54 Milliarden Franken. Mehr als jeder zehnte Franken der Schweizer Wirtschaft gehe ins Gesundheitswesen – Tendenz steigend. Das Bundesamt für Statistik sehe die Ursache der Kostensteigerung in der Spezialisierung und Technisierung sowie in den kostspieligen Medikamenten. Mitverantwortlich an der Entwicklung sei aber auch der bessere Zugang der Bevölkerung zu hochstehender Pflegeleistung. Ferner spiele der wachsende Anteil betagter Menschen eine Rolle und wichtig sei auch die soziale Solidarität. Die Pflege erfolge immer weniger innerhalb der Familie, sondern werde mehr von der öffentlichen Hand organisiert und finanziert. Es gehe hier nicht um die Frage wer schuld ist: «Ich bin der Meinung dass wir die Verantwortung gemeinsam tragen und gemeinsam Lösungen suchen; Politik und Leistungsträger stehen vor einer grossen Herausforderung.»

Gediegener musikalischer Rahmen mit dem Berner Salonorchester Prima Carezza.

Regierungsrätliches Kompliment für Direktor Heinz Witschi und das Spitalpersonal: Der Rechnungsabschluss 2004 der FMI-Spitäler zeige, dass der Kantonsbeitrag 2,8 Millionen Franken tiefer sei als budgetiert – ein Unterschied von acht Prozent: «Das ist Balsam auf die geplagte Seele des Gesundheitsdirektors.» Bhend dankte für die guten Leistungen, die dazu beigetragen hätten, dass man die Kosten so im Griff habe. Aber alles deute darauf hin, dass der medizinische und medizinaltechnische Fortschritt beschleunigt weitergehe – was heute Spitzenmedizin sei gehöre morgen zum Standard. In der Bevölkerung habe die Gesundheit nach wie vor einen hohen Stellenwert. Das hohe Qualitätsniveau soll denn auch allen zugute kommen – unabhängig von Alter und Geschlecht, von sozialer Stellung oder von Versicherungskategorien. Er vermisse aber doch eine konsequente Haltung sagte Bhend: So werde im Oktober gejammert wenn die neuen Krankenkassenprämien bekannt würden und in den anderen elf Monaten werde fleissig konsumiert. Es sei eher eine Minderheit, die konsequent sei und bei sich selber mit Sparen beginne und damit etwas bewirken wolle. Ein weiteres Beispiel: «Zwar ärgern wir uns über die steigenden hohen Medikamentenpreise, aber man lässt es durch, dass Novartischef Daniel Vasella einen Jahreslohn von über 20 Millionen Franken einsackt.»

Das neue Spitalversorgungsgesetz – siehe auch Botschaft zur Abstimmung am 5. Juni 2005 – schaffe die nötigen Grundlagen und erfülle den Verfassungsauftrag, führte Bhend in seiner Ansprache in Interlaken im weiteren aus. Das Gesetz berücksichtige aber auch das Schweizerische Krankenversicherungsgesetz (KVG). Gegen das Spitalgesetz sei die Initiative nur wegen zwei Artikeln – Vorschriften über den Gesamtarbeitsvertrag sowie die Trägerschaft ergriffen worden: «Die restlichen 109 Artikel sind unbestritten und alle sagen, es sei ein gutes, modernes Gesetz.» Er hoffe dass das Gesetz angenommen werde. Bhend bezeichnete es als fatal und als einen grossen Rückschlag, wenn ein doppeltes Nein zustandekäme.

«Feste Verankerung in der Region beibehalten»

In einem Rückblick auf die hundertjährige Spitalgeschichte – am 2. April 1905 war das neue Spital Interlaken in der Weissenau eingeweiht worden – verwies FMI-Verwaltungsratspräsident Peter Bettler insbesondere auch auf das vom Lokalhistoriker Ernst Schläppi verfasste und vom Spitalverband herausgegebene Jubiläumsbuch «Von der Badeanstalt zum Spitalzentrum» (siehe auch Bericht vom Samstag, 4. Dezember 2004). Heute sei das Spital Interlaken – in der Region der grösste Arbeitgeber eingebettet in die Spitäler FMI AG – ein Krankenhaus, ein Gesundheitszentrum mit einem grossen, breitgefächerten Dienstleistungsangebot und mit einer grossen Akzeptanz sowie getragen vom Vertrauen der zuliefernden Ärzte und der Bevölkerung.

Das Spital Interlaken sei lange Zeit als Verein konstituiert gewesen, erinnerte Fürsprecher Peter Bettler im weiteren. Später sei es in den Gemeindeverband übergegangen. Seit der Übertragung der Betriebsführung der Spitäler FMI AG am 1. Januar 2003 gehöre das Spital dem Gemeindeverband, für den Betrieb aber sei die AG verantwortlich: «Jetzt stehen wir vor der neuen Spitalgesetzgebung des Kantons Bern – das Spitalversorgungsgesetz, über das am 5. Juni 2005 abgestimmt wird, steht vor der Inkraftsetzung.» In den vergangen hundert Jahren sei vom Spital der Gemeinden gesprochen worden. In dieser Zeit habe sich aber die Finanzierungsmuster von der spendenden Bevölkerung, den Gemeinden immer mehr zu staatlichen Finanzierung entwickelt. Schliesslich habe der Kanton Bern mit Inkrafttreten des neue Finanz- und Lastenausgleichsgesetzes des Kantons (Filag) am 1. Januar 2002 die ganze finanzielle Verantwortung der Spitäler übernommen. Nach der Abstimmung würden die Spitäler und Spitalgruppen kantonalisiert und so entstehe aus der Spitäler FMI AG ein Regionales Spitalzentrum (RSZ): «Das Spital Interlaken hat die Übernahme durch den Kanton vorbereitet und alle Vorbereitungen getroffen für eine hoffentlich problemlose Überführung des Spitals an den Kanton; wir hoffen dass es uns gelingt, nach dem Abschied des Spitals der Gemeinden die feste Verankerung des Spitals des Kantons in der Region beizubehalten.»

Auch Grossrat Herbert Seiler, Präsident des Spitalrats, rief an der Jubiläumsfeier im Kursaal Interlaken dazu auf, dem Spitalversorgungsgesetz am 5. Juni zuzustimmen. Auch heute seien Umwälzungen nötig und nur mit vollem Einsatz aller Beteiligten werde sich der Spitalort Interlaken unter den neuen Vorzeichen behaupten können.

Ernst Schläppi: «Von der Badestube zum Spitalzentrum». Herausgeber: Spitalverband Interlaken. Druck/Verlag: Schlaefli und Maurer, Interlaken/Spiez. ISBN: 3-85884-060-2. «Von der Badestube zum Spitalzentrum» ist bei Schläfli und Maurer, im Spital Interlaken und in verschiedenen Buchhandlungen zum Preis von 45 Franken erhältlich.

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Hintergrundinformationen siehe auch Bericht Staneks Planetenlexikon 2005: Mit dem Computer auf den Mars vom Sonntag, 14. November 2004





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