wo Patientinnen und Patienten
auch Gäste sind

Ihr Ferien- und Seminarhotel in Interlaken

Berner Oberland News
Unabhängige laufend aktualisierte Internet-Zeitung
Popnet Spiez
Ihr Internet-Provider im
Berner Oberland
Freitag, 20. Mai 2005
Aktuelle
Frontseite

«Soroptimist Club» Interlaken: Vortrag über Illetrismus

Zum Thema Illetrismus, das heisst über «funktionalen Analphabetismus» – beziehungsweise genauer Analphabetismus trotz längerem und nicht wegen fehlendem Schulbesuch – hat am Donnerstagabend beim «Soroptimist Club» Interlaken die Geschäftstellenleiterin des Vereins «Lesen und Schreiben» im Kanton Bern, Rosita Della Morte referiert.

Elsbeth Abegglen-Hohler (links), Präsidentin «Soroptimist Club» Interlaken, überreichte der Referentin Rosita Della Morte (rechts) das in diesem Jahr im Elisabeth-Sandmann-Verlag, erschienene Buch «Frauen, die lesen, sind gefährlich» (Stefan Bollmann, mit einem Vorwort von Elke Heidenreich; ISBN 3-938045-06-x). (Bild Dora Schmid-Zürcher)

ds/pvr. Illetrismus ist laut Rosita Della Morte ein Phänomen das in entwickelten Gesellschaften auftritt: Es umschreibe die Tatsache, dass trotz Schulpflicht eine gewissen Anzahl von Menschen über 16 Jahren nicht die Grundfertigkeit des Lesen und Schreibens hätten erreichen können. Die Referentin gab im Hotel Interlaken einen Einblick in das Alltagsleben der Menschen die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben. Für Illetrismus gebe es ungefähr 13 Gründe, die wissenschaftlich untersucht worden seien. Dazu gehöre die psychische Belastung durch familiäre Situationen – geprägt etwa von Alkoholproblemen, Geldnot, ausgegrenzten Kindern oder nicht integrierten anderen Kulturen. Zu den Ursachen würden laut Pisastudie – siehe unter anderem www.educa.ch/dyn/1818.htm – auch fehlende Vorlesekultur gezählt, ferner nicht angepasster Unterricht, Lesenlernen mit Zwang und Androhung von Sanktionen, Späterkennung von Sprachstörungen, Misserfolg in der Schule, Störung Lehrer/Elternhaus, Aussenseitertum und Demütigungen, abgebrochene Schulkarriere als Folge von Ausweisung aus der Schule nach Störungen und Drogenkarriere. Lesen und Schreiben müssten immer wieder gelernt und trainiert werden wie in einem Turnprogramm. Die Pisastudie zeige auch hier die fehlende Integration von fremdsprachigen Kinder in der Schule auf. Die Anforderungen bei den Arbeitsstellen seien dermassen gestiegen, dass viele Menschen mit Illetrismus bei der Stellensuche benachteiligt: «Durch die Angst der Betroffenen fallen sie in die Vereinsamung und Isolation.»

Stress und oft gesundheitliche Probleme

Bei der Alltagsbewältigung sei festzustellen, dass diese Menschen extrem auswendig lernen müssten, führte Rosita Della Morte im weiteren aus. Immer lebten sie in der Angst, dass ihre Schwäche entdeckt werde. Dadurch seien sie einem grossen Stress ausgeliefert und hätten deshalb auch oft gesundheitliche Probleme. Über die wirtschaftlichen Folgekosten werde eine Untersuchung durchgeführt; denn die psychischen Probleme könnten dazu führen, dass eine Rente beantragt werde. Auch bestehe bei Menschen mit Illetrismus erhöhte Unfallgefahr, da sie ja auch Sicherheitsschilder nicht lesen könnten. Sehr oft litten diese Menschen an Trauer und Einsamkeit: «Illetrismus ist manifest und tritt verschärft auf, da von uns bei der Arbeit sehr viel verlangt wird.» Bei Illetrismus – auch wenn die Schule neun Jahre lang besucht worden sei, gebe es verschiedenen Ebenen: Buchstaben-, Wort- und Satzebene. Eine Untersuchung zeige, dass bei 24 Prozent der 16jährigen das Leseverständnis fehle. Zur Prävention könne beitragen, dass vor allem bei der Elternbildung darauf aufmerksam gemacht werde, fremdsprachige Tagesstättenkinder intensiv zu fördern. Leseförderung in Bibliotheken könnte den Kindern spielerisch den Zugang beim Vorlesen geben: «Frauen brechen das Tabuthema ‹Illetrismus› verbal viel besser, da Frauen über die Probleme sprechen.»

Vor 20 Jahren sei aufgrund eines Zeitungsartikels festgestellt worden, dass es viele Analphabeten gebe, erinnerte Rosita Della Morte in ihrem Referat. Das Arbeiterhilfswerk sei sehr über die Zahlen überrascht gewesen und sofort seien Kurse organisiert worden. In den ersten zehn Jahren hat laut der Geschäftstellenleiterin des Vereins «Lesen und Schreiben» im Kanton Bern das Arbeiterhilfswerk die Kurse allein finanziert. Seit dem Jahr 2000 sei der Verein umstrukturiert. Der Kanton bezahle nun 80 Prozent Subvention und der Verein habe auch die «Educa»-Zertifizierung.

Seit letztem November habe sich der «Soroptimist Club» Interlaken engagiert, um den Verein «Lesen und Schreiben» zu unterstützen, nachdem der Interlakner Klub von der Union Schweiz – www.soroptimist.ch – informiert worden sei, dass neun Prozent der Schweizer Bevölkerung gravierende Probleme beim Lesen und Schreiben hätten. Der Erlös von 1300 Franken aus einem Verkaufsstand bei der Hapimag sei dem Verein überwiesen worden, und auch dieses Jahr würden wieder 1000 Franken zweckgebunden für Kurse für Erwachsene übergeben.

«Qualitativ hochwertiges Kursangebot zu günstigen Bedingungen»

In der Schweiz kann nach Angaben des Vereins «Lesen und Schreiben» Bern jeder fünfte Erwachsene kaum einen Brief selbstständig schreiben, ein Formular ausfüllen oder den Beipackzettel eines Medikaments verstehen. Im Kanton Bern lebten 90'000 Menschen, die trotz neunjährigem Schulbesuch Lese- und Schreibschwierigkeiten hätten. Für dieses Zielpublikum – im Jahr 2003 hätten 372 Menschen mit Illetrismus einen Kurs besucht – würden seit 1987 Lese- und Schreibkurse angeboten: «Dank der Subventionierung durch den Kantons Bern erhalten Lernwillige ein qualitativ hochwertiges Kursangebot zu günstigen Bedingungen.»

Die Kurse richten sich nach Angaben des mit dem schweizerischen Dachverband VLSE in Zürich vernetzten Vereins an deutschsprachige Erwachsene ...

... die in der Regel die Schulen in der Schweiz besucht haben und schon in der Schule Probleme mit den Buchstaben hatten.
... die Texte nicht gut lesen oder sie nicht richtig verstehen können.
... die Schreibhemmungen haben.
... die Formulare nicht ausfüllen können.
... die beim Erledigen von Schreibarbeiten auf Hilfe angewiesen sind.
... die kaum noch schreiben können und daher aus der Übung gekommen sind.

Lesen und Schreiben können sei ein gutes Gefühl, heisst es dazu: Kursabsolventen könnten ihre persönliche Lese- und Schreibfähigkeit realistisch einschätzen. Sie verbesserten ihre Lese- und Schreibfertigkeit. Aufgrund von regelmässigen Standortbestimmungen würden die Teilnehmer angeleitet, selbstständig Lernkontrollen durchzuführen und wenn möglich eigene Lernstrategien zu entwickeln. Sie erwürben Grundlagen zur persönlichen Weiterentwicklung: «In Gesprächsrunden zu persönlichen und gesellschaftlichen Themen werden Fertigkeiten geübt wie Argumentieren, Zuhören, aufeinander eingehen, andere Meinungen akzeptieren, Sprechängste abbauen.»

Berner Oberland News

Herausgegeben von Peter Schmid, Freier Journalist, Kreuzlistrasse 244, CH-3852 Ringgenberg / Redaktionsstube Ringgenberg Telefon +41 33 821 10 61 und Fax +41 33 82110 64 / Mobile +41 79 427 45 78 / Postcheckkonto 40-71882-7

Für den Inhalt von verknüpften externen Websites (Links) beziehungsweise für die darauf von Dritten angebotenen Informationen, Produkte und Dienstleistungen übernehmen die «Berner Oberland News» keine Verantwortung.

Seitenanfang
Aktuelle Frontseite


Hintergrundinformationen siehe auch Bericht Staneks Planetenlexikon 2005: Mit dem Computer auf den Mars vom Sonntag, 14. November 2004




Swiss Myco Holidays
Eine wundervolle Mischung
von Ferien und Mykologie!

Ferien verbunden mit dem Beobachten und Bestimmen von Pilzen ist mit Sicherheit ein faszinierendes Erlebnis für jeden Pilzfreund. Das Rezept: Eine Ferienwohnung in Ringgenberg, ein interessantes Pilzgebiet und eine einzigartige Ferienregion.
Anmeldung/Informationen
hans.zurbuchen@quicknet.ch

Ferienwohnung
in Ringgenberg
Nur etwa drei Kilometer vom weltbekannten Berner Oberländer Tourismuszentrum Interlaken entfernt vermieten im idyllischen Dorf Ringgenberg Adolf und Elisabeth Imboden-Amacher im Kreuzli eine schöne Ferienwohnung.

Ringgenberg-Goldswil am Brienzersee
mit seinem idyllischen Burgseeli ein idealer Ferienort. 
Leserbriefe an die Berner Oberland News sowie Anfragen für Werbebanner, Inserate und Bilder in druckfähiger Auflösung

© 1996 bis 2005 by Peter Schmid