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«Talkthun» wird nach Teilerfolg in Anlaufstelle integriert
Obschon sich das Angebot der aufsuchenden Beratung und Vermittlung «Talkthun» bewährt habe – die Zusammenarbeit mit Bewohnern und Gewerbe hingegen wird als gescheitert betrachtet – soll es in der bisherigen Form nicht weitergeführt werden: Vorgesehen ist laut einer Medienmitteilung, das Angebot in die vom Thuner Gemeinderat auf Herbst 2005 geplante Anlaufstelle zu integrieren, «so dass den Drogenabhängigen weiterhin ein niederschwelliges Beratungs- und Vermittlungsangebot zur Verfügung stehen wird».
sth/bns. Der für «Talkthun» zuständige Projektausschuss hat laut Medienmitteilung die Ergebnisse der Evaluation gewichtet: «Weil ein zentraler Pfeiler, die Zusammenarbeit mit Bewohnern und Gewerbe, als gescheitert beurteilt werden muss, ist er zum Schluss gekommen, das Angebot in der bisherigen Form nicht weiterzuführen.» Er habe deshalb dem Gemeinderat der Stadt Thun beantragt, «Talkthun» in der heutigen Form per 31. Oktober 2005 einzustellen und das Angebot der Beratung und Vermittlung in die zu schaffende Anlaufstelle zu integrieren. Das Angebot einer Kontakt- und Anlaufstelle für Drogenabhängige soll am 9. Juni 2005 im Stadtrat im Rahmen der Beantwortung politischer Vorstösse zu diesem Thema diskutiert werden. Nachdem der Gemeinderat bereits früher einer Kontakt- und Anlaufstelle grundsätzlich zugestimmt habe, müsse nun auch der Stadtrat seine Einwilligung geben, damit ein konkretes Projekt ausgearbeitet werden könne.
Seit November 2003 laufe das Projekt «Talkthun», die aufsuchende Beratung und Vermittlung von «Contact Netz», wird in der Medienmitteilung erinnert. «Talkthun» sei an fünf Tagen pro Woche täglich drei Stunden im öffentlichen Raum tätig und leiste mit sozialarbeiterischen Mitteln einen Beitrag zum Abbau von Spannungsfeldern. Die Alkohol- und Drogenszene umfasse zwischen 20 und 40 Personen, die sich dauernd im öffentlichen Raum aufhielten. «Talkthun» sei Ansprechstelle und biete aktiv Beratungen für Suchtmittelkonsumenten im öffentlichen Raum sowie Anwohner und Gewerbetreibende an.
Vermittlungsauftrag gescheitert
Nun liegen laut Medienmitteilung die Ergebnisse der Evaluation von «Talkthun» vor: «Die Ziele bezüglich der Beratung und konkreten Hilfe der Suchtmittelabhängigen konnten erreicht werden.» «Talkthun» habe in der Risiko- und Schadensminderung eine Angebotslücke geschlossen: «Der Vermittlungsauftrag zwischen den verschiedenen Anspruchsgruppen ist jedoch gescheitert; es ist nicht gelungen, die gegenseitige Toleranz zu verbessern.»
«Obwohl anfangs viel Ablehnung in der Szene bestand, gelang es ‹Talkthun› durch die tägliche Präsenz in der Drogen- und Alkoholszene bei dieser Zielgruppe ein grosses Vertrauen und viel Akzeptanz aufbauen», heisst es im weiteren. Eine Vielzahl von Drogenabhängigen, die sonst nicht hätten erreicht werden können, habe konkret vor Ort beraten und unterstützt werden können: «Rund 50 Abhängige wurden erfolgreich an Sozialdienste, Beratungsstellen oder ähnliches überwiesen oder dorthin begleitet.» Durch die grosse Akzeptanz in der Szene sei es für das Team von «Talkthun» auch möglich, bei unangepasstem Verhalten der Abhängigen zu intervenieren und diese zu regelkonformem Verhalten zu bewegen.» In letzter Zeit seien auch in Thun vermehrt Jugendliche aufgefallen, die bereits mit 15 oder 16 Jahren harte Drogen konsumierten. «Talkthun» suche mit diesen Jugendlichen das Gespräch und interveniere gezielt.
Ansprechpartner für Polizei und Behörden
«Mit ‹Talkthun› haben Polizei und Stadtbehörden erstmals einen Ansprechpartner, der die aktuellen Probleme und die Entwicklung im öffentlichen Raum betreffend Sucht und Drogen aus sozialarbeiterischer Perspektive kennt», verlautet im weiteren. Dadurch sei es auch möglich, problematische Entwicklungen frühzeitig wahrzunehmen und entsprechend zu intervenieren.
Skepsis und Ablehnung bei Anwohnern und Gewerbetreibenden
Bei den Anwohnern und Geschäftsleuten habe sich der Auftrag schwieriger gestaltet, heisst es in der Medienmitteilung. Bereits im Vorgängerprojekt «Talk» seien über hundert Geschäfte aufgesucht worden. «Talkthun» habe über fünfzig von ihnen ein zweites Mal besucht und doch sei es nicht gelungen, eine aktive Zusammenarbeit aufzubauen oder die Toleranz zu fördern: «Die mehrheitlich ablehnende Haltung dieser Zielgruppe verunmöglichte eine Vermittlung zwischen den Drogenabhängigen einerseits und den Anwohnern und Gewerbetreibenden andererseits, da diese in erster Linie die Drogenkonsumierenden vor ihrer Wohnung oder ihrem Geschäft weg haben wollen.»
Vernetzung
Eine gute Vernetzung sei für ein Projekt wie «Talkthun» unabdingbar, wird im weiteren ausgeführt: «Nur mit genauen Auftragsklärungen und koordiniertem Vorgehen, ist eine effektive und effiziente Arbeit möglich; ‹Talkthun› ist in der Suchthilfe Thun heute gut verankert.» Einer der wichtigsten Partner für «Talkthun» wird in der Medienmitteilung die stationierte Polizei Thun bezeichnet: «In regelmässigen Sitzungen wird gemeinsam die Situation der Drogenszene in Thun analysiert und eventuelle Strategien abgesprochen oder darüber informiert; ‹Talkthun› stellt aus Sicht der Polizei ein wichtiges ergänzendes Angebot zur Repression dar.»
Aids- und Hepatitisprävention
Mit «Talkthun» habe das Angebot der HIV- und Hepatitisprävention markant verbessert werden können, wird in der Medienmitteilung ausgeführt. Im 2004 seien 112'500 Spritzen und Nadeln getauscht und zahlreiche Drogenkonsumenten im Rahmen des Spritzentausches beraten worden: «Das Angebot der Spritzenentsorgungskübel in öffentlichen Toiletten der Stadt Thun konnte weitergeführt und ausgebaut werden.»
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