Internationales Dampfschiff-Register
Steamboat Register

Verfasser/Editors: Max Kuhn, Interlaken. Switzerland



Verzeichnis der in Europa, Afrika, Australien/Neuseeland und Nordamerika
noch existierenden Dampfschiffe
List of Steamboats still existing in Europe, Africa, Australia/New Zealand and North America


Der Brienzersee-Raddampfer «Lötschberg» mit Baujahr 1914. (Foto: Peter Schmid)

Schweiz / Switzerland

In der Schweiz stehen auf verschiedenen Seen noch 13 gut erhaltene und gepflegte Raddampfer in Betrieb. Zu diesen Schweizer Dampfern dürfen ein wenig auch noch zwei Raddampfer auf Grenzgewässern gezählt werden, nämlich die «Hohentwiel» des Bodensees und die «Piemonte» des Lago Maggiore; diese beiden Dampfschiffe fahren zwar unter ausländischer Flagge, legen gelegentlich aber an schweizerischen Uferorten an.

Wenn in der kleinen Schweiz noch so viele alte Dampfer existieren, so ist dies keineswegs selbstverständlich. Fortschrittsglaube und betriebswirtschaftliche Gründe haben nach dem Zweiten Weltkrieg dazu geführt, dass auch hier in den fünfziger und sechziger Jahren ein Grossteil der dem Ausflugsverkehr dienenden Dampfschiffe entweder durch moderne Motorschiffe ersetzt und verschrottet oder aber zu Motorschiffen umgebaut wurde. Nach den Plänen von Schiffahrtsunternehmungen hätte dies in den folgenden Jahren auch die noch verbliebenen Dampfer betroffen. Verhindert hat dies einzig Initiative und Einsatz von Dampferfreunden, die in der Bevölkerung und bei Politikern zunehmend Unterstützung gefunden haben. Auslöser für alle Rettungsaktionen war die im Jahre 1970 erfolgte Ausserdienststellung des Vierwaldstätterseedampfers mit dem symbolträchtigen Namen «Wilhelm Tell». Unverständlicherweise wurde damals dieses wunderschöne und bestens erhaltene Schiff zur Verwendung als schwimmendes Restaurant verkauft, davon ausgehend, dass so oder so bald alle Dampfer verschwinden würden. Die Ausmusterung der beliebten «Wilhelm Tell» hat indessen in Luzern einen Sturm der Empörung und eine eigentliche Volksbewegung ausgelöst. Dies führte in Luzern und später auch an anderen Seen zu Initiativen und zur Gründung von Vereinigungen der immer zahlreicher werdenden Dampferfreunde, welche von nun an überall die Erhaltung der noch vorhandenen Dampfschiffe durchsetzen konnten; einzig auf dem Lac Léman erfolgte 1976 noch der bedauerliche Umbau des Raddampfers «Helvétie» auf dieselelektrischen Antrieb. Die «Wilhelm Tell» – heute stationäres Restaurantschiff in Luzern – war somit der letzte Schweizer Dampfer, welcher definitiv aus dem Fahrdienst verschwunden ist. Es darf aber auch damit gerechnet werden, dass alle heute noch fahrenden und beliebten Dampfschiffe zumindest in naher Zukunft erhalten bleiben. Über Ereignisse und Neuerungen in der schweizerischen Dampfschiffahrt orientiert im übrigen die in Luzern erscheinende «Dampferzeitung».


Der Brienzersee-Raddampfer DS Lötschberg an der Schiffländte Interlaken Ost. (Fotos: Peter Schmid)

Interlaken (Brienzersee)

Lötschberg. 1914, Escher-Wyss & Cie, Zürich, RD, Pass, 55,6 m, 750 Pass, 2ZV, OeF, E: BLS Lötschbergbahn AG, Bern. – Bem: Das Schiff steht im Sommer täglich und in Vor- und Nachsaison an Sonntagen im Linienverkehr Interlaken–Brienz.

Lausanne (Lac Léman)

E aller Dampfer: Compagnie Générale de Navigation sur le Lac Leman, Lausanne (CGN). – Bem: Die Schiffe stehen im Sommer im Linienverkehr auf dem Lac Léman; Hauptabfahrtsorte sind Lausanne und Genève.

La Suisse. 1910, Gebr. Sulzer AG, Winterthur, RD, Pass, 73,8 m, 850 Pass, 2ZV, OeF.

Montreux. 1904, Gebr. Sulzer AG, Winterthur (Ersatzmaschine von 2000 von SLM Schweiz. Lokomotiv- und Maschinenfabrik AG, Winterthur), RD, Pass, 63 m, 560 Pass, 2ZZw, OeF. – Bem: In den Jahren 1959/60 wurde der alte Raddampfer auf dieselelektrischen Antrieb umgebaut, blieb jedoch ein Radschiff. Nachdem der dieselelektrische Antriebsmotor 1998 das Ende seiner Lebensdauer erreicht hatte, wurde beschlossen, das Schiff im Rahmen einer Generalüberholung wieder mit einer Dampfmaschine auszurüsten, nämlich einem Neubau der SLM. Im Jahre 2001 ist das Schiff wieder als Dampfer in Betrieb gekommen.

Rhône. 1927, Gebr. Sulzer AG, Winterthur, RD, Pass, 65,5 m, 850 Pass, 2ZV, OeF.

Savoie. 1914, Gebr. Sulzer AG, Winterthur, RD, Pass, 63 m, 560 Pass, 2ZV, OeF.

Simplon. 1920, Gebr. Sulzer AG, Winterthur, RD, Pass, 73,8 m, 1000 Pass, 2ZV, OeF. – Bem: Dieses Schiff wird wegen hohem Brennstoffverbrauch zurückhaltend eingesetzt.

Luzern (Vierwaldstättersee)

E aller Dampfer: Schiffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV), Luzern. – Bem: Die Schiffe stehen von Frühjahr bis Herbst im täglichen Linienverkehr Luzern–Flüelen, Dampfer «Unterwalden» auch Luzern–Alpnachstad. Gleichzeitig fahren alle Schiffe normalerweise aber nur Sonntags.

Gallia. 1913, Escher-Wyss & Cie, Zürich, RD, Pass, 62,9 m, 900 Pass, 2ZV, OeF. – Bem: Mit dem Namen «Gallia» sollte den Feriengästen aus Frankreich Reverenz erwiesen werden. Aus dem gleichen Grund hatten bereits ältere, heute nicht mehr existierende Dampfer des Vierwaldstättersees die Namen «Victoria» (1870), «Germania» (1872) und «Italia» (1872) erhalten.

Schiller. 1906, Gebr. Sulzer AG, Winterthur, RD, Pass, 63 m, 900 Pass, 2ZV, OeF.

Stadt Luzern. 1928, Gebr. Sachsenberg AG, Rosslau/D (Ersatzmaschine von l929 von Gebr. Sulzer AG, Winterthur), RD, Pass, 63,5 m, 1200 Pass, 3Z-Gleichstrom-Maschine, OeF. – Bem: Die «Stadt Luzern» ist der einzige Schweizer Dampfer, welcher seit Mitte des 19. Jahrhunderts von einer ausländischen Schiffswerft, der Gebr. Sachsenberg AG in Rosslau an der Elbe, gebaut wurde. Dieses Schiff hebt sich denn auch in seiner ganzen Erscheinung von anderen Dampfern ab. Allerdings hat die originale Maschine – eine 2ZV-Maschine herkömmlicher Bauart – bereits bei den Abnahmefahrten schwerwiegende Mängel gezeigt. Die Herstellerfirma sah sich deshalb veranlasst, diese Maschine wieder auszubauen und gegen Entschädigung zurückzunehmen. Als Ersatz wurde bei der Firma Gebr. Sulzer AG eine Maschine neuster Konstruktion, wie sie erstmals für die «Helvétie» des Lac Léman gebaut worden war, bestellt und eingebaut. Mit dieser Maschine kam die «Stadt Luzern» schliesslich im Jahr 1929 als Flaggschiff der Flotte in den ordentlichen Fahrdienst.

Die Schiffsglocke der «Unterwalden» mit der Jahreszahl 1901.

Unterwalden. 1902, Escher-Wyss & Cie, Zürich, RD, Pass, 61 m, 800 Pass, 2ZV, OeF. – Bem: Um die neue Acheregg-Brücke zu unterfahren und weiterhin in den Alpnachersee zu gelangen, wurde der Dampfer im Jahr 1961 umgebaut, wobei Steuerhaus, Kamin und beide Hauptmasten versenkbar gemacht wurden. Durch diese Veränderungen hat das Schiff leider viel von seiner früheren Eleganz und Ausgewogenheit verloren. Im Jahr 1977 wurde die «Unterwalden» aD gestellt und es stand deren Abbruch bevor. Dank der Unterstützung durch die «Freunde der Dampfschiffahrt», Luzern, konnte dies verhindert und der Dampfer von 1983 bis 1985 total saniert werden.

Uri. 1901, Gebr. Sulzer AG, Winterthur, RD, Pass, 61,8 m, 800 Pass, 2ZV, OeF. - Bem: Die «Uri» wurde im Jahr 1961 in gleicher Weise wie die «Unterwalden» umgebaut, um auch diesem Schiff weiterhin die Fahrt in den Alpnachersee zu ermöglichen. Im Zusammenhang mit einer Totalrevision von 1992 bis 1994 wurde bei diesem Schiff jedoch der ursprüngliche Zustand weitgehend wiederhergestellt.

Maur (Greifensee)

Greif. 1895, Escher-Wyss & Cie, Zürich, SD, Pass, 13,3 m, 22 Pass, 2ZV, KF, E: Stiftung DS Greif, Uster. – Bem: Der kleine Passagierdampfer wurde im Jahr 1916 zum Motorschiff umgebaut. Nach seiner Ausserdienststellung durch die Schiffahrtsgesellschaft Greifensee (SGG) konnte das Schiff 1986 von der heutigen Eignerin übernommen und unter Einbau der aufgefundenen originalen Dampfmaschine wieder in den alten Zustand zurückversetzt werden. Seit 1988 steht das Schiff wieder in Betrieb. Es wird für Charterfahrten und im Sommer an bestimmten Sonntagen auch für öffentliche Passagierrundfahrten ab Maur eingesetzt.

Die Blümlisalp hat – wegen der Autobahnüberführung mit abgewinkeltem Mast – an der Schiffländte Interlaken West angelegt.

Thun (Thunersee)

Blümlisalp. 1906, Escher-Wyss & Cie, Zürich, RD, Pass, 62,7 m, 750 Pass, 2ZV, OeF, E: Genossenschaft Vaporama, Thun, Betreiber BLS Lötschbergbahn AG, Bern. – Bem: Die «Blümlisalp» kam im Jahr 1971 aD, wobei deren Verschrottung vorgesehen war. Nur glückliche Umstände konnten dies verhindern, worauf Dampferfreunde einen jahrelangen und oft aussichtslos erscheinenden Kampf für die Erhaltung, Restaurierung und Wiederinbetriebnahme dieses letzten Thunerseedampfschiffes führen mussten. Den Durchbruch brachte erst eine von Stimmbürgern des Kantons Bern eingereichte Volksinitiative zur Erhaltung von Raddampfern und die Annahme eines entsprechenden Gesetzes durch das Bernervolk im Frühjahr 1992. Damit konnte die inzwischen auf das Risiko von Dampferfreunden und vielen freiwilligen Spendern restaurierte «Blümlisalp» im Mai 1992 ihre Fahrten wieder aufnehmen. Seither steht der Dampfer während der Sommersaison täglich und in Vor- und Nachsaison an Sonntagen im Linienverkehr Thun–Interlaken.

Zürich (Zürichsee)

E aller Dampfer: Zürichsee Schiffahrtsgesellschaft (ZSG), Zürich

Bem: Die beiden Dampfer werden im Sommer bei schönem Wetter im Linienverkehr Zürich–Rapperswil und gelegentlich auch Zürich–Schmerikon eingesetzt, und zwar in der Hauptsaison täglich, sonst an Sonntagen.

Stadt Rapperswil. 1914, Escher-Wyss & Cie, Zürich, RD, Pass, 59,1 m, 750 Pass, 2ZV, OeF.

Stadt Zürich. 1909, Escher-Wyss & Cie, Zürich, RD, Pass, 59,1 m, 750 Pass, 2ZV, OeF.

Register

Einleitung (Deutsch) / Introduction (English)
AbkürzungenAbbrevations



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