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«In alter Blüte mit den aktuellen Anforderungen auferstehen»
Trans-Europa-Expresszug zur Restaurierung in die BLS-Werkstätte Bönigen übergeführt
S. Der von ursprünglich fünf elektrischen Trans-Europa-Expresszügen (TEE) der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) am besten erhaltene Triebzug RAe TEE 1053 soll in einer ersten Phase mit Umbaukosten von rund einer Million Franken in der Werkstätte Bönigen der BLS-Lötschbergbahn bis Mitte Mai 2003 restauriert werden. Falls sich das vorgesehene Marketingkonzept bewährt, ist nach Angaben der Stiftung «Historisches Erbe der SBB» (SBB-Historic) eine weitere Sanierungsphase mit grob geschätzten Kosten von 1,5 Millionen Franken ins Auge gefasst.
Die
«Graue Maus» im Bahnhof Spiez kurz vor der Überführung
in die BLS-Werkstätte Bönigen. (Fotos: Peter Schmid)
Der inzwischen 40 Jahre alte, heute Dienstag von der 63jährigen Ae 6/8 205 der BLS von Spiez nach Bönigen überführte TEE soll laut SBB-Historic zum universellen Tageszug werden: «Tagesrandeinsätze sind möglich, jedoch keine eigentlichen Nachtfahrten.» In einer ersten Phase werde er aber nur innerhalb der Schweiz eingesetzt werden können. Der Triebzug könne noch ohne wesentliche technische Erneuerungen bis zur nächsten grösseren Revision eine hohe Laufleistung erbringen. Deshalb werde das Fahrzeug in einer ersten Phase technisch nur so weit aufgearbeitet, dass es ohne zu erwartende Probleme einige 100'000 Kilometer zurücklegen könne. Vorerst soll eine Revision des äusseren Erscheinungsbildes – mit den ursprünglichen Farben «Erdbeer/Crème» und des Interieurs erfolgen: «Bei Bewährung und guter Akzeptanz schliesst sich dann später die Gesamtsanierung wagenweise an.» Dank einem Vorgehen in dieser Folge sei die Sanierung durch die Stiftung überhaupt möglich.
Die
«Graue Maus» wurde von der historischen Ae 6/8 205 der BLS
– gebaut im Jahr 1939 von den Ateliers de Sécheron in Genf und der
Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur – nach Bönigen
gezogen.
Heute existieren nach Angaben von SBB-Historic noch zwei Triebzüge. Der besterhaltene Zug – die Nummer 1053 – sei in Zürich remitiert gewesen, während die zweite Einheit temporär an ein Architekturbüro in Biel vermietet worden sei. Der Triebzug 1053 sei im Rahmen der Gründung SBB-Historic am 6. April 2001 in deren Eigentum übergegangen. Wegen einer notwendig gewordenen Planungsanpassung des Rollmaterialunterhalts der Division Personenverkehr sei der RAe 1053 aus seinem bisherigen Depotstandort «verbannt» worden: «Die verantwortlichen Instanzen fanden keinen geschützten Unterstand für das wertvolle Fahrzeug und liessen es nach Erstfeld überführen und im Freien abstellen.» Im Hinblick auf die bevorstehende Restaurierung in der BLS-Werkstätte Bönigen sei das Fahrzeug am 6. Mai 2002 mit der Ae 8/14 11801 (Lokomotive von SBB-Historic) von Erstfeld nach Spiez überführt worden, wo die abschliessende Planung des Umbaus erfolgt sei.
Der
RAe TEE 1053 bei einem Zwischenhalt in Leissigen.
Vom stolzen Trans-Europa-Express zur «Grauen Maus»
Mit der Inbetriebnahme der fünf elektrischen Trans-Europa-Expresszüge in den Jahren 1962 und 1967 hätten die SBB einen Meilenstein in der Geschichte der Triebfahrzeugentwicklung gesetzt, war heute Dienstag an einer Medienorientierung im weiteren zu erfahren: «Die Triebzüge wurden als Mehrsystemfahrzeuge konzipiert und waren damit die ersten Triebfahrzeuge überhaupt, welche mit allen vier in Europa vorkommenden Fahrleitungsspannungen betrieben werden konnten.» Der schweizerische TEE sei aber auch bezüglich seiner komfortablen Einrichtung zur Legende geworden. Die für ausländische Bahnen für andere Verbindungen gebauten Dieseltriebzüge hätten den Standard des Schweizer Zuges nur annähernd erreicht. Als das europäische TEE-Netz der acht beteiligten Bahnen zugunsten der zweiklassigen Intercityzüge «geopfert» worden sei, war der TEE laut SBB-Historic längst nicht an seiner Lebensdauer angelangt. Die fünf Züge, welche übrigens einige Jahre nach Ablieferung von fünf auf sechs Einheiten verlängert worden seien, hätten einen Umbau erfahren: Zwei bisherige Wagen 1. Klasse seien zu Wagen der 2. Klasse umgebaut, wobei neu 54 statt wie bisher 42 Plätze eingebaut worden seien. «Der Barwagen – bisher Speise-/Barwagen – wurde gedreht und erhielt 39 Sitzplätze 2. Klasse, während 38 der ursprünglich vorhandenen 54 Speisewagenplätze wegfielen.» Dem allgemeinen Trend folgend seien die Wagen wie die konventionellen Eurocitywagen in grauen Farbtönen gespritzt worden. Dieses Kleid habe denn auch den Triebwagen innert Tagen den Übernamen «Graue Maus» eingetragen. «Aufgrund des relativ bescheidenen Platzangebotes fanden sich immer weniger Einsatzmöglichkeiten.» So seien sie dann schliesslich auch aus dem Verkehr Zürich–Stuttgart zurückgezogen worden. Ihren letzten Einsatz hätten die einst stolzen Triebzüge als Zubringer zum TGV von Bern nach Frasne absolviert. Dazu seien aber nur noch zwei Züge sowie eine Komposition in Reserve benötigt worden. Für die übrigen zwei Züge habe man keine Verwendung mehr gefunden und sie deshalb ausrangiert: «Da die Triebwagen an unzugänglichen Teilen noch Asbestisolation aufwiesen, durften sie nicht mehr ins Ausland fahren und so kam am 12. November 2000 das endgültige Aus.»
Wagen
4 mit Bar und Speisewagenplätzen.
Überlegungen zur Wiederinbetriebnahme
Der legendäre elektrische TEE-Triebzug der SBB habe sich deutlich vom übrigen Bahnangebot der damaligen Zeit abgehoben: Technisch stellte er nach Einschätzung von SBB-Historic eine Pionierleistung im schweizerischen Eisenbahnfahrzeugbau dar und dürfe damit sicher als erhaltenswertes Fahrzeug bezeichnet werden: «Der Auftrag von SBB-Historic rechtfertigt die Integration dieses Fahrzeuges und dessen betriebsfähige Unterhaltung.» Es sei klar, dass Stil und Image sowie das einheitliche Design des Zuges zu erhalten seien. Ebenso eindeutig sei die Vorgabe für das äussere Erscheinungsbild: «Der Triebzug muss wieder die ursprüngliche Farbgebung Erdbeer/Crème erhalten.» Die Grundkonzeption des TEE mit seinen geräumigen Einstiegen, der guten Konzeption der Sanitäranlagen und der vollständigen Klimatisierung, bilde den wesentlichen Baustein für das «Dritte Leben» des Zuges: «Er soll in alter Blüte mit den aktuellen Anforderungen auferstehen.» Das Fahrzeug eigne sich für gehobene Firmen- und Vereinsreisen jeder Art, dann aber vor allem auch für Fahrten zu Konzerten, Theateraufführungen, Musicals, Ausstellungen wie Autosalon und Mustermesse Basel, Weihnachtsmärkten, Blumencorsos und Messen ebenso wie für Event- und Werbefahrten. Auch für Zeitschriften soll der Zug ein ideales Gefäss für Leserreisen bieten: «Der TEE kann auch als attraktiver Direktzubringer ab den Flughäfen zu den Tourismus- beziehungsweise Wintersportregionen Berner Oberland, Wallis und Graubünden eingesetzt werden.» Auch beim TEE gelte der Grundsatz, dass die Vermarktung nicht durch SBB-Historic selbst erfolge, sondern durch Touroperators: «Dabei steht die Vermarktung durch unseren bevorzugten Partner Railaway im Vordergrund.» SBB-Historic garantiere den technischen Support, was auch die Stellung des Bordmechanikers beinhalte.
Nicht mehr als «Graue Maus»
Der Zug soll nach Angaben von SBB-Historic künftig drei Wagen 1. Klasse mit je 42 Sitzplätzen aufweisen. Der Speisewagen werde mit 48 Plätzen ausgestattet – die Bar bleibt bestehen – und ein Wagen erhalte als Ergänzung zum Speisewagen Sitzplätze an Tischen sowie eine Lounge. Die Tatsache sei unbestritten, dass der TEE nicht mehr im alten Erscheinungsbild als «Graue Maus» unter der Flagge von SBB-Historic erscheinen könne, verlautete bei der Überführung des Triebzuges in die BLS-Werkstätte Bönigen. Unbestritten sei auch das ursprüngliche Erscheinungsbild des TEE in den Farben «Erdbeer/crème». Die Innenausrüstung habe ein ansprechendes Design und befinde sich in einem guten Zustand. Unbedingt müssten aber die Küche saniert und der Speisewagen angepasst werden. Bei der Umwandlung des TEE in den EC sei der gesamte Wagen 4 mit Bar und Speisewagenplätzen gewendet worden: «Ein grosser Teil der Speisewagenplätze entfiel und wurde durch gewöhnliche Sitzplätze der 2. Wagenklasse ersetzt.» Die Abklärungen hätten ergeben, dass ein «Zurückkehren» des Wagens 4 mit vertretbarem Aufwand möglich sei, so dass der TEE wieder in seiner ursprünglichen Konfiguration die BLS-Werkstätte verlassen werde. Anstelle der heutigen Sitzplätze der 2. Klasse soll die ursprüngliche Speisewagenbestuhlung wieder eingebaut werden, damit der Speiseraum wiederum 48 Plätze aufweise. Neben der Bar seien einst zusätzlich drei Tischchen mit zwei Plätzen vorhanden gewesen. Diese hätten aber die Zirkulation der Reisenden im Zug erheblich behindert. Im Sinne von Komfort werde auf diese sechs Plätze verzichtet – analog dem jetzigen Zustand als «Graue Maus».
«Mittleres bis leicht erhöhtes Preissegment
Der Zug soll einen gehobenen Verpflegungsservice erlauben: «Die Grundkonzeption sieht vor, dass die Reisenden in zwei Serien im Speisewagen und dem anschliessenden Wagen bedient werden.» Ein Frühstück- und Snackservice am Platz werde möglich sein. Eine Selbstbewirtung im Zug sei nicht möglich. Das Catering erfolge durch eine spezialisierte Organisation mit gut ausgebildeter Crew: «Der künftige RAe TEE wird eine kombinierte Produktions-/Regenerationsküche aufweisen, welche dem Gast ein optimales kulinarisches Angebot bereitzustellen vermag; dieses wird sich in einem mittleren bis leicht erhöhten Preissegment ansiedeln.»
Herausgegeben von Peter Schmid, Freier Journalist,
Kreuzli, CH-3852 Ringgenberg
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