Donnerstag, 29. Mai 1997
Rund 95 Prozent der bernischen Ziegen sind gesund
Zwischenbilanz im Kampf gegen die Ziegenkrankheit Caprine Arthritis-Encephalitis (CAE)
S. Trotz eines Rückschlags durch Ansteckungen an einer grossen Ausstellung in Langnau im Jahr 1995 hofft Kantonstierarzt Christian Huggler, dass die durch einen Virus hervorgerufene Ziegenkrankheit Caprine Arthritis-Encephalitis (CAE) bis im Lauf des kommenden Jahres im Kanton Bern ausgerottet ist. Nach Angaben des Schweizerischen Ziegengesundheitsdienst (ZGD) in Niederönz können heute landesweit rund 90 Prozent aller Ziegen, die über sechs Monate alt sind, als frei von CAE bezeichnet werden. Im Kanton Bern liege dieser Prozentsatz sogar bei schätzungsweise 95 Prozent.
Die
Saanenziege – unser Bild entstand im Diemtigtal – ist neben der Brienzer-Oberhasli
Rasse (gemsfarbige Gebirgsziege) die hierzulande am häufigsten gehaltene
Ziegenrasse. Zu den Merkmalen der reinweissen, meist hornlosen Saanenziege
gehören nach Angaben im Agri-Server des Schweizerischen
Bauernverbandes kurze, glatt anliegende Haare. Die durchschnittliche
Milchleistung über zweieinhalb Jahre wird mit 739 Kilogramm angegeben.
(Foto: Peter Schmid)
Die Kosten der Bekämpfungsmassnahmen im Kanton Bern – unter anderem Beiträge an blutserologische Untersuchungen und Ausmerzungen – belaufen sich nach Angaben des Kantonstierarztes bisher auf rund 1,2 Millionen Franken. Fast 80 Prozent des Ziegenbestandes im Kanton Bern – 8244 von insgesamt 10'450 Tieren in 1887 von 3187 Betrieben – seien dem CAE-Bekämpfungsprogramm des Ziegengesundheitsdienstes angeschlossen. Am häufigsten wird hierzulande die weisse Saanenziege gehalten, und – besonders im östlichen Berner Oberland – ist nach Angaben von Heinrich von Bergen aus Hasliberg, Präsident des Kantonalverbandes bernischer Ziegenzuchtgenossenschaften, auch die Oberhasli-Brienzer Rasse (gemsfarbige Gebirgsziege) stark vertreten.
Ab 1. Januar alle Ziegenhalter meldepflichtig
Die Ziegenkrankheit Caprine Arthritis-Encephalitis (CAE) wird durch
ein Lentivirus verursacht und bewirkt Gelenks-, Euter- oder Lungenentzündungen
und Abmagerung, bei Zicklein vor allem Gehirnentzündung. Tierhalter,
Kantone und Bund haben zur Bekämpfung bereits im Jahr 1991 den Schweizerischen
Ziegengesundheitsdienst gegründet. In der Tierseuchenverordnung von
1995 hat der Bundesrat CAE inzwischen als auszurottende Tierseuche aufgeführt.
Am 1. Januar 1998 läuft nach Angaben des Bundesamtes für Veterinärwesen
(BVET) eine Übergangsfrist ab: Danach dürfen nur noch Ziegen
aus CAE-freien Beständen zusammen gesömmert und an Schauen oder
Märkten aufgeführt werden. Tiere aus nicht CAE-freien Betrieben
dürfen nur noch direkt zum Schlachten abgeliefert werden. Nicht sanierte
Bestände stellen laut Kantonstierarzt Christian Huggler ein Ansteckungsrisiko
dar, weshalb nur Tiere von sanierten beziehungsweise CAE-freie Betrieben
miteinander in Kontakt kommen dürften. Ab 1. Januar 1998 besteht im
weiteren nach Angaben von Josef Schmidt vom Bundesamt
für Veterinärwesen (BVET) in Liebefeld eine Meldepflicht
für alle Ziegenhalter: Von diesem Zeitpunkt an müssen somit auch
nicht dem Ziegengesundheitsdienst angeschlossene Züchter CAE-positive
Tiere melden. Ziegen von Haltern, die dem ZGD angeschlossen sind, unterstehen
einem speziellen Überwachungsprogramm. Als CAE-frei gilt ein Bestand
erst nach drei Untersuchungen innerhalb von zwei Jahren.
Wieder mehr Ziegen
Im Jahr 1991 waren schätzungsweise 80 Prozent des damaligen schweizerischen
Ziegenbestandes von 70'000 Tieren infiziert. Heute dürften in unserem
Land wieder etwa gleich viele Ziegen gehalten werden. Verlässliche
Zahlen über den genauen Bestand gibt es aber offenbar nicht: Laut
eidgenössischer Viehzählung aus dem Jahr 1993 soll es in der
Schweiz 56'700 Ziegen und 8535 Ziegenhalter gegeben haben, andere Angaben
nennen jedoch 80'000 Ziegen und 12'000 Ziegenhalter. Möglicherweise
war die Zahl der Ziegen vorübergehend auf unter 50'000 abgesunken.
Strenge Vorschriften
Der Bund, der die Ziegenhaltung für förderungswürdig
hält, weil sie zur ökologischen Nutzung der Berggebiete beitrage,
unterstützt das Gesundungsprogramm. Unter dem Druck der strengen Vorschriften
in der Tierseuchenverordnung, die nach einer Übergangsfrist ab 1.
Januar 1998 für alle Ziegenhalter gelten, haben sich nach Angaben
des Bundesamtes für Veterinärwesen in den letzten zwei Jahren
sehr viele Ziegenhalter dem ZGD angeschlossen. Dadurch sei das Budget des
ZGD wesentlich höher geworden. Der Beitrag des Bundes hat nach Angaben
von des ZGD im letzten Jahr rund 360'000 Franken betragen, die Kantone
hätten – neben kantonalen Programmen – ebenfalls an die 360'000 Franken
bezahlt. Von den Ziegenhalter seien über 200'000 Franken in den ZGD
gebracht worden. Die grössten Kosten im ZGD verursachten die CAE-Untersuchungen,
die allein insgesamt rund 430'000 Franken erreichten. Die unheilbare CAE-Ziegenkrankheit
soll noch zu Beginn der neunziger Jahre alljährlich Schäden von
mindestens 15 Millionen Franken verursacht haben.
Für Menschen ungefährliche Krankheit
Im Rahmen des Sanierungskonzeptes werden die neu geborenen Zicklein
vom Muttertier getrennt und zu neuen Herden zusammgefasst. Diese Herden
können als CAE-frei anerkannt werden, wenn periodische Kontrollen
während drei Jahren keine Virusträger nachgewiesen haben. Das
Fleisch von kranken Tieren kann laut ZGD ohne weiteres gegessen werden.
Die Qualität von Fleisch, Milch und Käse sei genauso gut wie
bei gesunden Ziegen. Das Virus übertrage sich durch einfachen Körperkontakt
unter den Tieren. Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit vergingen
im Durchschnitt zwei Jahre. Anzeichen dieser unheilbaren Seuche seien geschwollene
Knie sowie Drüsen- und Lungenentzündungen. Nicht übertragen
werde die Krankheit jedoch durch das Muttertier ans Ungeborene. Deshalb
sei es wichtig, dass frischgeborene Ziegen unmittelbar nach der Geburt
von der Herde abgesondert werden. Für Menschen hingegen ist CAE laut
Bundesamt für Veterinärwesen ungefährlich.