Berner Oberland News
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Montag, 28. Mai 2001

Neue Schalterhalle im Bahnhof Wilderswil in Betrieb

Einweihung des Bahnhofumbaus in Wilderswil am 23. Juni 2001 – SPB startet in die Saison

S. Rechtzeitig auf die Pfingsttage und auf die Betriebseröffnung der Schynige-Platte-Bahn (SPB) am Samstag, 2. Juni hin ist im umgebauten südlichen Anbaus des Bahnhofs Wilderswil die neue Schalterhalle der Berner Oberland-Bahn (BOB) und der SPB bezogen worden. In den vergangen Monaten wurden der gesamte Erdgeschossbereich des inzwischen 110 Jahre alten Kerngebäudes umgebaut. Bereits anfangs April – gut fünf Monate nach dem Abbruch des nördlichen Anbaus mit offener Wartehalle – hat die in den Neubau verlegte EKI-Filiale Wilderswil den Betrieb aufgenommen. Eine gemeinsame offizielle Eröffnungsfeier findet nach Angaben der Junfraubahnen am Samstag, 23. Juni 2001 statt.

Der umgebaute südliche Anbau des Bahnhofs Wilderswil mit der neuen Schalterhalle. (Fotos: Peter Schmid)

Teilweise parallel zum neuen EKI-Anbau – siehe Bericht «Neue EKI-Filiale im Bahnhof Wilderswil nimmt den Betrieb auf» vom Dienstag, 27. März 2001 – war auch der Umbau des südliche Anbaus und des gesamten Erdgeschossbereichs des inzwischen 110 Jahre alten Kerngebäudes in Angriff genommen worden – nach Angaben von Jürg Lauper, Bauchef der Jungfraubahnen mit dem Ziel, zeitgemässe Arbeitsplätze zu schaffen. Im südlichen Anbau wurde eine neue Schalterhalle eingerichtet. Dadurch soll künftig vermieden werden, dass sich in Spitzenzeiten – die Schalterhalle und das umgebaute Erdgeschoss des Kerngebäudes wurden Mitte vergangener Woche in Betrieb genommen – vor den Schaltern Menschenschlangen bilden, die bis anhin zuweilen bis auf die Strasse oder auf die Geleise hinaus gereicht hätten. Ohne den Innenausbau des als Rohbau an die EKI vermieteten neuen nördlichen Anbaus und ohne die vorangegangenen Kosten einer Teilrestaurierung des Hauptgebäudes belaufen sich die Baukosten laut Jürg Lauper auf rund 1,4 Millionen Franken.

Blick in die neue Schalterhalle.

An die bereits im Herbst 1999 mit Kosten von rund 100'000 Franken vorgenommene Teilrestaurierung des Hauptgebäudes, die das Dach und die Fassade ab erstem Geschoss umfasste, leistete der Kanton nach BOB-Angaben – siehe auch Bericht «Bahnhofgebäude Wilderswil unter Denkmalschutz» vom Donnerstag, 23. März 2000 – einen Beitrag von 15'000 Franken. Als schutzwürdig seien namentlich der Charakter und die äussere Erscheinung des Gebäudes eingestuft worden. Bei der Restaurierung wurden im besonderen die vermutlich bei einem grossen Umbau im Jahr 1953 entfernten Verzierungen wieder angebracht. Das bereits im Jahr 1890 mit der Bahn in Betrieb genommene Gebäude war laut BOB ein erstes Mal bereits im Jahr 1899 leicht vergrössert worden. Sowohl der Abbruch des in der Vergangenheit mehrfach umgebauten und im Gegensatz zum Kerngebäude als nicht schützenswert eingestuften nördlichen Anbaus als auch der EKI-Neubau erfolgten nach Angaben von Peter Wenger, Mediensprecher der Jungfraubahnen, in Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege.

Auch auf dem Bahnhof Wilderswil laufen die Vorbereitungen für die Betriebsaufnahme der Schynige-Platte-Bahn auf Hochtouren.

Ab 2. Juni wieder auf die Schynige Platte

Ebenfalls rechtzeitig auf Pfingsten hin kann die Schynige-Platte-Bahn ihren diesjährigen fahrplanmässigen Betrieb nach den alljährlichen Schneeräumungsarbeiten und der Instandstellung von Steinschlagsicherungen aufnehmen. Bei der Montage der im vergangenen Herbst heruntergenommenen Fahrleitungen  wurden auch in diesem Frühjahr bei der Wiederinstandstellung der elektrischen Fahrleitungen die aus der Gründerzeit erhaltengebliebene Dampflokomotive, die im Jahr 1894 von der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) in Winterthur unter der Fabriknummer 881 gebaute H2/3 Nummer 5, eingesetzt. Die einzige von ursprünglich sechs Dampflokomotiven – sie erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von neun Stundenkilometer – wird während der Saison – die Schynige-Platte-Bahn ist vom 2. Juni bis 21. Oktober 2001 in Betrieb – auch für gelegentliche Sonderfahrten verwendet.

Die Schynige Platte-Bahn (SPB), transportiert alljährlich an die hunderttausend Wanderer, Ausflügler und Gleitschirmpiloten von Wilderswil aus zur Zwischenstation Breitlauenen und auf die 1987 Meter über Meer gelegene Bergstation. Die Bahn war am 14. Juni 1893 nach zweijähriger Bauzeit in Betrieb genommen und bereits im Jahr 1914 elektrifiziert worden. Die Ausflugsbahn beginnt im Bahnhof Wilderswil der Berner Oberland-Bahn (BOB) auf 584 Meter über Meer, wo sich neben den Meterspurgleisen der BOB die Anlagen der SPB erstrecken. Als reine Zahnradbahn ohne Adhäsionsbetrieb wie die Wengernalpbahn (WAB) und die Jungfraubahn (JB) mit der selben Spurweite von 800 Millimeter erbaut, sind auch die kaum geneigten Gleise im Bahnhofs- und Depotbereich mit Riggenbach-Zahnstange ausgestattet.

Von Wilderwil folgt die SPB erst parallel den BOB-Geleisen, überquert die Lütschine und beginnt dann mit 250 Promille Maximalsteigung den Anstieg zur Schynigen Platte. Hinter der ersten Betriebsausweiche liegt ein 160 Meter langer Kehrtunnel. Der Anstieg über die Waldgrenze hinaus führt die Bahn auf die Südseite der Schynige Platte durch den 158 Meter langen Grätli-Tunnel. Hier kommt die Gipfelgruppe von Eiger, Mönch und Jungfrau zum ersten Mal ins Blickfeld. Von der Bergstation auf 1987 Meter über Meer führt ein Fussweg zu dem wenige Höhenmeter entfernten Grat. Die Schynige Platte ist Ausgangspunkt für Tageswanderungen aufs Faulhorn und nach First oberhalb Grindelwald. Diese fünf- bis sechsstündige Wanderung in Höhenlagen von 2000 bis 2700 Meter über Meer gilt als die klassische Höhenwanderroute in der Schweiz. Die SPB organisiert zudem jeden Sommer geführte Mondscheinwanderungen. Einen Einblick in die alpine Flora bietet der Alpengarten auf der Schynigen Platte: Etwa 500 Blütenpflanzen und Farne, verteilt auf über 8000 Quadratmeter Fläche, bilden einen Botanischen Garten ganz besonderer Art.



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