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Donnerstag, 14. September 2000

Zweierseilschaft in der Eigernordwand tödlich abgestürzt

Wegen Steinschlaggefahr erst am Mittwoch geborgen – Identität der Opfer noch nicht geklärt

S. Bei einer am vergangenen Dienstag in der Eigernordwand abgestürzten und am folgenden Tag geborgenen Zweierseilschaft handelt es sich vermutlich um Ausländer: Die Identität der beiden tödlich verunglückten Männer war am Donnerstag Vormittag nach Angaben des zuständigen Untersuchungsrichters Thomas Wyser noch nicht abschliessend geklärt. Die beiden Bergsteiger waren laut einem Bericht im «Echo von Grindelwald» am Dienstag Morgen in die Eigernordwand eingestiegen und am späteren Nachmittag nach einem Fehltritt des Vorsteigenden aus dem Zweiten Eisfeld zusammen rund 500 Meter in die Tiefe gestürzt. Wegen Steinschlaggefahr konnten sie erst am folgenden Tag geborgen werden.

Der Unfall sei von der Kleinen Scheidegg aus und auch vom Tal unten beobachtet worden, ist dem Zeitungsbericht von heute Donnerstag im weiteren zu entnehmen.  Der Vorsteigende habe bei seinem Sturz ins Seil von seinem Kameraden nicht aufgefangen werden können: «Dieser wurde ebenfalls mitgerissen und gemeinsam stürzten sie rund 500 Meter in die Tiefe, wo sie auf der Höhe des Zerschrundenen Pfeilers liegen blieben.» Augenzeuge aus nächster Nähe sei zudem eine englische Zweierseilschaft geworden, die genau zu diesem Zeitpunkt im Schwalbennest, einer Biwakstelle am Rande des Ersten Eisfeldes, gerastet habe: Der Absturz sei praktisch über sie hinweg erfolgt, was die beiden dann auch bewog habe, noch am Dienstag Abend wieder abzusteigen und die Wand zu verlassen.

Keine Direktbergung

Im Rahmen eines Erkundungsfluges am Dienstag Abend konnte laut «Echo»-Bericht Kurt Amacher, Chef der SAC-Rettungsstation Grindelwald – von einem Helikopter der Rettungsflugwacht (Rega) auf dem steinschlagsicheren Ersten Pfeiler abgesetzt – zu Fuss bis zu jener Stelle vordringen, wo die beiden noch mit dem Seil verbundenen Verunfallten zum Stillstand gekommen seien: «Er konnte, wie angenommen werden musste, nur noch den Tod derselben feststellen und angesichts des ständigen Steinschlags den Entscheid fällen, dass eine Direktbergung mit dem Helikopter nicht zu verantworten wäre.» Auch am Mittwoch Morgen um sieben Uhr sei die Steinschlaggefahr noch nicht gebannt gewesen, da es in der Nacht zu wenig abgekühlt habe: «In der Folge wurden vier Bergführer auf den besagten Ersten Pfeiler geflogen, wo sie sich zu Fuss zu der unerfreulichen Aufgabe der Leichenbergung aufmachten.» Die beiden Körper seien auf den Pfeiler herangeschafft und schliesslich durch den Rega-Helikopter zu Tal geflogen worden.

Schlechte Verhältnisse

Die Verhältnisse in der Eigernordwand sind laut Rettungschef Kurt Amacher nach wie vor alles andere als günstig. Wohl sei die Neuschneelage im oberen Teil nicht allzu hinderlich, heisst es in dem Bericht, doch herrschten seit Tagen viel zu hohe Temperaturen, bei denen von einem Einstieg in die Wand unbedingt abgesehen werden müsste. Im übrigen sei nicht sicher, ob nicht schon ein weiteres Opfer befürchtet werden müsse: «Am Wandfuss haben wir das Zelt eines Einzelgängers entdeckt, von dem zurzeit jede Spur fehlt», zitiert das «Echo» den Rettungschef.

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