Freitag, 8. September 2000
«Bedarf für die KVA Thun klar gegeben»
Kantonsbeitrag an die Kehrichtverbrennungsanlage Thun
aid/S. Die bernische Kantonsregierung hat einen Beitrag von 39 Millionen Franken an die geplante Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Thun bewilligt. Auch der Bund hat laut einer Medienmitteilung seinen Beitrag von 40 Millionen Franken an das 173 Millionen Franken teure Projekt bereits zugesichert: «Der Bedarf für die KVA Thun ist aus der Sicht von Bund und Kanton klar gegeben: Ende 2000 werden in der Schweiz voraussichtlich bis zu 400'000 Tonnen Verbrennungskapazität fehlen.»
Seit Anfang 2000 dürften in der Schweiz die brennbaren Abfälle von gesetzeswegen nicht mehr in Deponien abgelagert, sondern müssen in Kehrichtverbrennungsanlagen entsorgt werden, wird in der Medienmitteilung erinnert. Die Kapazitäten der bestehenden Kehrichtverbrennungsanlagen reichten aber nicht aus. Denn seit 1997 hätten die Mengen der brennbaren Abfälle markant zugenommen. Für das laufende Jahr werde erneut eine Zunahme von fünf Prozent erwartet: «Ende dieses Jahres werden in der Schweiz voraussichtlich bis zu 400'000 Tonnen Verbrennungskapazität fehlen.» In dieser Situation hielten Bund und Kantone die Realisierung der geplanten Kehrichtverbrennungsanlagen in Thun und im Tessin für unumgänglich: «Das Bundesamt für Umwelt, Land und Landschaft (BUWAL) hat in diesem Sommer eine Lagebeurteilung vorgenommen und in einem Grundsatzentscheid den Bundesbeitrag von rund 40 Millionen Franken an die KVA Thun zugesichert.»
Gebaut werden soll eine konventionelle Anlage mit Rostfeuerung und einer Kapazität von rund 100'000 Tonnen pro Jahr. Neben den Siedlungsabfällen der 152 AVAG-Gemeinden im Berner Oberland sollen hier auch brennbare Bauabfälle und der in der Landwirtschaft nicht verwertbare Klärschlamm verbrannt werden. Nun hat laut Medienmitteilung der Regierungsrat auch den Kantonsbeitrag an das Projekt bewilligt. In seiner Lagebeurteilung komme er zu den selben Schlussfolgerungen wie der Bund. Entsorgungsengpässe bestünden nämlich auch im Kanton Bern: Im Jahr 1999 seien 150'000 Tonnen oder 42 Prozent der brennbaren Abfälle in Deponien abgelagert worden: «Mit der Realisierung der KVA Thun könnte der nicht verwertbare Anteil dieser Abfälle gesetzeskonform entsorgt werden.» Dank dem Export der überschüssigen Mengen in ausserkantonale Kehrichtverbrennungsanlagen habe sich der Anteil der in Deponien abgelagerten Abfälle seit Beginn dieses Jahres zwar deutlich reduziert, allerdings hätten die ausserkantonalen Anlagen selber mit Kapazitätsproblemen zu kämpfen. Der mit Mehrkosten verbundene Export stelle deshalb nur eine Übergangslösung dar: «Die KVA Thun bietet Gewähr für eine langfristige Entsorgungssicherheit bei angemessenen Kosten. Die Anlage ist für den Kanton Bern auch wirtschaftlich von Interesse und bietet ökologische Vorteile.»
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