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Donnerstag, 21. September 2000

Brünigbahn auf dem Weg zu einer Aktiengesellschaft

Mitarbeiterbestand von heute 220 soll um 30 bis 40 Personen reduziert werden

sbb/S. In die Brünigbahn sollen in den nächsten Jahren rund hundert Millionen Franken investiert werden. So werden laut einer Medienmitteilung der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) die Kapazität im Raum Horw gesteigert, neue Talpendelzüge beschafft sowie die Zugsicherung verbessert und die ganze Linie auf Fernsteuerung umgestellt. Durch produktivitäts- und ertragssteigernde Massnahmen soll der Turnaround bis ins Jahre 2005 erreicht werden. Dann sei vorgesehen, die Brünigbahn in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln.

In eine Aktiengesellschaft umwandeln? Die Brünigbahn beim Wildbach zwischen Ebligen und Brienz. (Fotos: Peter Schmid)

«Mit einem ambitiösen Turnaroundprogramm wollen die SBB die Brünigbahn aus den roten Zahlen bringen und für die Zukunft fit machen», verlautet im weiteren: «Die sowohl für Pendler wie auch für Touristen attraktive Schmalspurbahn soll durch produktivitäts- und ertragssteigernde Massnahmen auf den liberalisierten Regionalverkehrsmarkt vorbereitet werden.» Ein neues Management werde für die Umsetzung der gesteckten Ziele verantwortlich zeichnen. Der Vergleich mit ähnlichen Meterspurbahnen (Benchmark) zeige, dass der Betrieb der Brünigbahn sehr personalintensiv und der Automatisierungsgrad unterdurchschnittlich sei: «Die Wachstumsstrategie der SBB soll nun auch bei der Brünigbahn umgesetzt werden.» Das Ziel bestehe darin, durch produktivitäts- und ertragssteigernde Massnahmen den Turnaround bis ins Jahre 2005 zu erreichen. Dann sei vorgesehen, die Brünigbahn in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln.

«Küss mich!» – Werbung der Obwaldner Kantonalbank auf einer Brünigbahn-Lokomotive.

Kapazität ausbauen

Im Personenverkehr soll der Aufwand durch optimierten und flexibilisierten Einsatz der Zugbegleiter, der Lokomotivführer und des Verkaufspersonals reduziert werden: «Beim Unterhalt des Rollmaterials können durch den Abbau von Überkapazitäten bei der Wagenabteilung, strukturellen Anpassungen bei der Lokomotivabteilung sowie einer punktuellen Auslagerung die Kosten gesenkt werden.» Die Ertragssteigerung im Personenverkehr könne durch touristikspezifische Massnahmen, spezielle Firmen- und Pendlerangebote, Fahzeugwerbung und so weiter erreicht werden. Der Güterverkehr soll mit dem Mutterhaus neu geregelt werden. Im Infrastrukturbereich sei die Fernsteuerung der ganzen Linie vorgesehen, ebenso der Ausbau der Zugsicherung. Die 74 Kilometer lange Strecke soll von Meiringen aus ferngesteuert werden: Einzig die Bahnhöfe Hergiswil, Sarnen,  Meiringen und Brienz werden nach zusätzlichen Informationen in der Online-Ausgabe des «Oberländischen Volksblattes» noch besetzt sein. Zudem sei im Raum Horw ein Doppelspurausbau unausweichlich, um die geplanten Kapazitäten zu erhöhen, heisst es in dem SBB-Communiqué. Schliesslich sollen für den Regionalverkehr neue Talpendelzüge beschafft werden. «Alle diese Massnahmen werden zur Folge haben, dass der Personalbestand von heute 220 um 30 bis 40 Personen reduziert werden muss.» Ein Teil des Personals könne über natürliche Fluktuation abgebaut werden, andere würden mit dem Projekt «Chance» eine Neuorientierung finden. Entlassungen werde es keine geben. Das Personal wurde laut Medienmitteilung gestern Abend in Sarnen über die Änderungen informiert.

Die neue Organisation des Geschäftsbereichs Brünig besteht nach SBB-Angaben aus den vier Ressorts Finanzen und Services, Marketing und Verkauf, Produktion, Infrastruktur. Die neue Organisation soll eine straffe und effiziente Führung ermöglichen. Innerhalb der SBB AG sei die Brünigbahn neu dem Geschäftsbereich Regionalverkehr unterstellt. Bis zum Amtsantritt des neuen Leiters – die Wahl erfolge im kommenden November – werde wird der Geschäftsbereich Brünig interimistisch durch Marc Strasser, Leiter Finanzen und Controlling geführt.

Neuer Regionalleiter Zentralschweiz

Am 1. Oktober 2000 wird laut Medienmitteilung Thomas Wettstein, bis heute Leiter Rechnungswesen/Controlling Anlagenmanagement der Filiale Nord-Süd in Luzern, sein neues Amt als Regionalleiter Personenverkehr Zentralschweiz der SBB aufnehmen. Er tritt die Nachfolge von Amédéo Wermelinger an, der in die Privatwirtschaft wechsle: «Wettstein hob in seiner Antrittsrede die Anstrengungen der Zentralschweizer Kantone zur Förderung des öffentlichen Regionalverkehrs hervor, namentlich das Projekt einer S-Bahn Zentralschweiz, das er bis heute führte. Aber auch im Rahmen der Bahn 2000 zweite Etappe sollte sich die Zentralschweiz ein Stück abschneiden können. Der öffentliche Verkehr erlange immer mehr Bedeutung in der Standortgunst einer Region.»

Die Brünigbahn

Die Brünigbahn führt über eine Strecke von 74 Kilometern von Luzern nach Interlaken Ost. Sie ist die einzige Schmalspurbahn im Netz der SBB und verfügt zwischen Giswil und Meiringen über vier Zahnstangenabschnitte von total neun Kilometern Länge. Seit dem Jahr 1997 wird die Brünigbahn als selbständiger, ergebnisverantwortlicher Geschäftsbereich innerhalb des Konzerns SBB geführt.

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