| Lawinenschutztunnel Mitholz: «Sicherheit hat höchste Priorität»
Der Kanton Bern und die Region Kandertal wollen an der Sanierung des Lawinenschutztunnels Mitholz festhalten. Denn nur der Tunnel biete ausreichend Schutz vor Lawinen. Mit rund 25 Millionen Franken sei die Sanierung des Tunnels zudem günstiger als der Bau einer Umfahrungsstrasse mit Lawinenschutz, der 28 Millionen Franken kosten würde.
aid/bns. Im Frühjahr soll laut einer Medienmitteilung die Sanierung des defekten Lawinenschutztunnels Mitholz beginnen. Dagegen wende sich eine vor kurzem im Kandertal gestartete Petition. Die Petitionäre verlangten anstelle der Sanierung eine Umfahrungsstrasse. An einer Medienkonferenz in Kandersteg legten die Baudirektorin des Kantons Bern, Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer, und Vertreter der politischen Begleitgruppe aus dem Kandertal dar, warum sie an der Sanierung des Tunnels festhielten. Egger: «Nur ein Tunnel bietet den bestmöglichen Schutz für die touristisch wichtige Strassenverbindung nach Kandersteg und ins Wallis.»
Lawinen sind eine echte Gefahr
Der wichtigste Grund für die Sanierung des Tunnels sei der Schutz vor Lawinen, heisst es in der Medienmitteilung. Laut dem kantonalen Lawinenkataster seien in den letzten 150 Jahren mehr als 18 Lawinen auf die Kantonsstrasse niedergegangen: «Auch künftig werden im Durchschnitt alle zehn Jahre Lawinen die Strasse verschütten. Statistisch muss dabei mit zwei bis drei Toten in hundert Jahren gerechnet werden. Der gesamte Talboden im Bereich des gesperrten Tunnels liegt im Gefahrenbereich von Staublawinen. Staublawinen können bis zu 650 Meter breit werden und eine Höhe von bis zu 100 Meter erreichen. Der Luftdruck kann Autos umstürzen oder sie sogar von der Strasse schleudern. Der Strassenverkehr ist nur in einem Tunnel oder allenfalls in einer mit Galerien geschützten Strasse vor solchen Lawinen sicher.»
Eine wirtschaftlich wichtige Verbindung
Die Kantonsstrasse nach Kandersteg erschliesse nicht nur eine wichtige Tourismusdestination, wird in der Medienmitteilung erinnert. Die Strasse sei gleichzeitig die wichtigste Verbindung zwischen dem Kanton Bern und dem Wallis: «Eine offen geführte Umfahrungsstrasse müsste aus Sicherheitsgründen durchschnittlich zwei- bis dreimal pro Winter gänzlich oder teilweise gesperrt werden. Nach Lawinenniedergängen könnte die Strasse sogar für mehrere Wochen gesperrt bleiben, wie der Lawinenwinter 1999 beweist. Der Schaden für Wirtschaft und Tourismus in der Region wäre beträchtlich.
Teure Umfahrungsstrasse – auch ohne Lawinenschutz
«Die von den Petitionären vorgeschlagene Umfahrungsstrasse wäre nicht sehr viel billiger als die Sanierung des Tunnels», verlautet im weiteren. Eine nicht lawinensichere Umfahrungsstrasse würde alles eingerechnet (zum Beispiel Rückbau des Tunnels) fast 19 Millionen Franken kosten: «Die Sanierung des Tunnels kostet mit 25 Millionen Franken mehr, dafür ist in diesem Betrag der Lawinenschutz bereits einberechnet. Eine Umfahrungsstrasse mit Galerie, welche allerdings auch keinen vollständigen Lawinenschutz bietet, würde mehr als 28 Millionen Franken kosten.»
«Kein einsamer Entscheid des Kantons»
Der Kanton hat laut Medienmitteilung den Entscheid, den Tunnel zu sanieren, nicht allein gefällt. Im März 2006 habe die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion eine politische Begleitgruppe eingesetzt, in der Behördenmitglieder und Tourismusorganisationen der Region vertreten seien: «Die Gruppe hat sich intensiv mit der Frage befasst, ob der Tunnel saniert oder eine Umfahrungsstrasse gebaut werden soll. Im Juni 2006 entschied sich die Begleitgruppe einstimmig für eine Sanierung des Tunnels. Die Bevölkerung hatte im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens im Frühjahr 2007 und während der anschliessenden öffentlichen Planauflage Gelegenheit, sich zum Projekt zu äussern. Nur in einer einzigen Eingabe wurde die Sanierung des Tunnels grundsätzlich abgelehnt.» Baubeginn im April 2008
Voraussichtlich Ende Februar werde der Regierungsrat das Sanierungsprojekt genehmigen, heisst es abschliessend. Mit den Bauarbeiten soll in der zweiten Hälfte April begonnen werden: «Wiedereröffnet wird der sanierte Lawinenschutztunnel Mitholz voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2009. Eine Umfahrungsstrasse könnte frühestens Anfang 2011 in Betrieb genommen werden.»
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