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Montag 26. Mai 2008
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«Eiger live» mit Gletscherwanderung zum Walcherhorn eröffnet

Die vierte Grindelwalder Bergwoche «Eiger live» ist lanciert: Eine Gletscherwanderung zum Walcherhorn am Samstag konnte bei Wind und Nebel gerade noch durchgeführt werden. Die Prominenz von Grindelwald gab sich ein Stelldichein an der Boulderwand.

Von Aussicht keine Rede: Die Eiger-live-Alpinisten erreichten am Samstag trotz Wind, Nebel und Schneefall den Gipfel des 3693 Meter hohen Walcherhorns. Ganz rechts der Grindelwalder Bergführer Godi Just. (Bild Bruno Petroni)

Samstagmorgen «hinter» dem Eiger: Weiss in Weiss auf 3600 Meter über Meer. Während in Grindelwald unten die Sonne schien, war eine zehnköpfige Schar von Alpinisten bei minus fünf Grad, waagerechtem Schneefall und Nebel unterwegs vom Oberen Mönchsjoch zum 3693 Meter hohen Walcherhorn – einige Berner, Deutsche, ein Neuenburger Pärchen und ein lokaler Reporter. Die Gletscheroberfläche war recht hart und griffig. In einem Steilhang beim Ewigschneefeld traf die Gruppe auf leichte Vereisungen, die Schneeschuhe rutschten etwas. «Vielleicht sehen wir auf dem Gipfel oben die Sonne doch noch», ermutigten sich die Eiger-live-Alpinisten (und Optimisten) gegenseitig, die letzten 250 Höhenmeter vor sich. Die zwei Seilschaften – angeführt vom erfahrenen Bergführer Godi Just und seinem GPS-Ortungsgerät – erreichten punkt zwölf Uhr den Gipfel des Walcherhorns. Und immer noch: Weiss in Weiss und kein Horizont auszumachen. Von Aussicht auf die umliegenden Viertausender keine Rede – und so stieg die Gruppe bereits nach nur zehn Minuten Rast wieder ab.
Bruno Petroni, Journalist, Matten bei Interlaken / petroni@gmx.ch
Mit der Gletschertour zum Walcherhorn wurde am Samstag die vierte Eiger-live-Woche eingeläutet. Abgesagt wurde bereits am Vortag die Biwaknacht in der Eigernordwand: «Zuviel Schnee», begründete der zuständige Bergführer Hansruedi Gertsch den Entscheid. Noch hofft Gertsch, «dass sich die Verhältnisse bis zum kommenden Freitag verbessern, denn es sind bisher immerhin elf Anmeldungen eingegangen.» Und: «Sollten wir auch die zweite Biwaknacht nicht durchführen können, werden wir diese im Juli irgendwann nachholen.»

Prominenz mit Aufstiegschancen
Im Anschluss an den ganztägigen Boulder Swiss Climbing Cup wurde am Samstagabend die Eiger live Woche durch Organisationskomiteechef Godi Egger eröffnet. Danach zeigten die lokalen «Promis», was sie an der kurzen, aber schwer zu erklimmenden Boulderwand drauf haben: Gemeindepräsident Emanuel Schläppi, Jungfrau-Marketing-CEO Sammy Salm, Tourismusdirektor Toni Baumann, Olympia-Silbermedaillengewinnerin Martina Schild und viele andere sorgten für beste Unterhaltung der zahlreichen Zuschauer auf dem Baerplatz.

Frühe Tagwache
Die Besteigung des «Pilzes», eines markanten Felsens an der Eiger-Westflanke wurde schon am Freitag wegen zuviel Schnees abgesagt. Dafür konnten die Mountainbiketour, das ganztägige Bouldern für Kinder und die Technikkurse im Bouldern plangemäss durchgeführt werden. Heute Montag um 4.30 Uhr früh wurde oberhalb von Alpiglen das traditionelle Bergfeuer entzündet. Ausserdem beginnt der zweitägige Kurs in Eis und Fels. Heute Abend um 21.30 Uhr hält der Paragliding-Gesamtweltcupsieger und frischgebackene Weltrekordhalter Christian Maurer auf dem Baerplatz einen Dia- und Filmvortrag über das Gipfelfliegen im Berner Oberland. Maurer: «Ich zeige dem Publikum einfach, wie die Welt tausend Meter über dem Alltag aussieht.»

Weltrekord mit 198 Saltos
Am Sonntag stellte Christian Maurer einen Weltrekord im Saltofliegen mit dem Gleitschirm auf. Und wurde nur zwei Stunden später beim ersten Wertungsflug im Rahmen des Weltcups auf der First Vierter.

Es schlug genau neun Uhr am Sonntagmorgen, als Christian Maurer hoch über Grindelwald-Grund, 3500 Meter über Meer aus dem Helikopter sprang. Sekunden später leitete er die Überschlagsserie ein. Nach fünf Minuten und 50 Sekunden stand der neue Weltrekord fest: 198 Mal hat sich der dreifache Weltcupsieger um die eigene Achse gedreht. Das sind 74 Loopings mehr als der bisherige Weltrekord. Ziemlich ausgepumpt und mit Schweissperlen auf der Stirn, aber überglücklich landete Maurer im Grund. Der Weltrekord wurde bildlich festgehalten vom Profifilmer Samuel Gyger, der die 198 Saltos von einem Begleithelikopter aus drehte.

Nur zwei Stunden nach seinem Weltrekord stand Maurer bereits auf der First und programmierte die vorgeschriebene Flugroute des ersten Tasks im Rahmen des Gleitschirm-Weltcups in sein GPS-Gerät. Ein zufriedener Weltrekordler: «Nach verhaltenem Start im Mittelfeld konnte ich etwas davon profitieren, dass ich das Gelände bestens kenne, und mich nach vorne arbeiten. So reichte es schliesslich zum vierten Rang.»

Christian Maurer, geborener Adelbodner und Berufs-Gleitschirmpilot, hat ausser einem Weltmeistertitel schon alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Und vor fünf Jahren stellte er mit einem Langstreckenflug vom Niesen bis ins österreichische Tösens über 323 Kilometer einen Europarekord auf.
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