| Veränderte Geschlechtsorgane bei Thunerseefelchen: Nahrung spielt eine Rolle
Neuste Beobachtungen liefern Hinweise darauf, dass die Nahrung der Felchen im Thunersee bei der Ausbildung von veränderten Geschlechtsorganen einen Einfluss hat.
aid/bns. Der Kanton Bern schliesst laut einer Medienmitteilung das Projekt zur Ermittlung der Ursachen über die veränderten Geschlechtsorgane der Felchen im Thunersee vorläufig ab: «Es wurde rasch klar, dass die im Thunersee vorgefundenen Felchen mit den veränderten Geschlechtsorganen weltweit noch nie in der vorliegenden Kombination und Häufigkeit beschrieben worden waren. Unerwünschte Effekte durch den Besatz oder die Befischung der Felchen können ausgeschlossen werden, und hormonaktive Substanzen scheinen als Verursacher der Veränderungen unwahrscheinlich. Nach heutigem Wissen scheint es auch keinen Zusammenhang zwischen den veränderten Geschlechtsorganen und den Munitionsdeponien im Thunersee oder der Neat-Baustelle zu geben. Auch umfangreiche chemische Untersuchungen der Wasserqualität lieferten bisher keine Hinweise auf eine negative Beeinflussung der Felchen oder anderer Wasserorganismen. Neuste Beobachtungen deuten aber darauf hin, dass die Nahrung der Felchen einen Einfluss hat. Bei Aufzuchtversuchen bildeten hauptsächlich Felchen veränderte Geschlechtsorgane aus, denen Plankton aus dem Thunersee verfüttert wurde. Diese Beobachtungen werden in diesem Jahr anlässlich eines Folgeversuches überprüft.»
Da einige wichtige Projekte zur Ursachenermittlung erst in diesem Jahr definitiv abgeschlossen werden könnten, sollen deren Resultate und der Entscheid über ein allfälliges Folgeprojekt Ende 2008 kommuniziert werden, verlautet im weiteren: «Da das von der Berner Regierung lancierte Projekt aber Ende 2007 abgeschlossen worden ist, informiert der Bericht ‹Veränderte Geschlechtsorgane bei Thunerseefelchen› über die bisherigen Resultate aus den verschiedenen Teilprojekten und beantwortet die häufigsten damit verbundenen Fragen.»
Im Jahr 2000 seien im Thunersee bei Felchen erstmalig verschiedene rätselhafte Deformationen der Geschlechtsorgane festgestellt worden, wird in der Medienmitteilung erinnert. Nach einer Dokumentation der feststellbaren Veränderungen habe die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Bern das Fischereiinspektorat mit dem Projekt «Ursachenermittlung Gonadendeformationen an Thunerseefelchen» beauftragt: «In Absprache mit der Arbeitsgruppe Felchen, mit Vertretern der kantonalen Verwaltung, des Bundes, der Universität Bern, den betroffenen Fischereiverbänden und mit privaten Experten wurden unter der Leitung des Fischereiinspektorats des Kantons Bern zahlreiche Teilprojekte initiiert. Losgelöst davon arbeitet unter der Leitung des Departementes für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) eine Arbeitsgruppe an der Vertiefung der Kenntnisse bezüglich der versenkten Munition.»
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