| Interlaken: Schweizer Fischer feiern Jubiläum
Im Casino-Kursaal Interlaken hat am Samstag der Schweizerische Fischereiverband (SFV) sein 125jähriges Bestehen gefeiert. Am offiziellen Festakt referierten Bundesrat Moritz Leuenberger sowie der Berner Regierungsrat und Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher.
Am offiziellen Festakt. Von links nach rechts: SFV-Zentralpräsident Werner Widmer, Bundesrat Moritz Leuenberger und OK-Präsident Roland Seiler. (Bilder Dora Schmid)
pd/bns. Das von on Roland Seiler geleitete lokale Organisationskomitee lancierte zudem eine digitale Bilderschau mit dem Titel «Wasserwelten» des Freiburger Naturfotografen Michel Roggo – siehe auch «Wasserwelten» am Höheweg Interlaken vom Mittwoch 14. Mai 2008 – und einen nationalen Plakataushang mit dem eigens zu diesem Anlass geschaffenen Werk «Wasser ist Leben» des Luzerner Künstlers Hans Erni. Damit wollen die Initianten die Schweizer Bevölkerung und die Feriengäste aus aller Welt für den Lebensraum Wasser sensibilisieren. Mit der Schweizerischen Delegiertenversammlung eröffnete Zentralpräsident Werner Widmer am frühen Samstagnachmittag die Reihe der Jubiläumsanlässe. In seinem Willkommensgruss hielt Widmer fest, dass sein Verband in den vergangenen 125 Jahren grossen Anteil an der Umweltschutz-, Gewässerschutz- und Fischereigesetzgebung habe. Der Fischer sei in erster Linie Heger und Pfleger. Genügende Restwassermengen sollten gesichert und Schäden durch Schwall und Sunk bei Wasserkraftwerken vermieden werden. Das Jubiläum solle im ganzen Land die Botschaft verbreiten, dass der Einsatz für eine intakte Landschaft, Natur und gesunde Gewässer ein Gebot der gesamten Bevölkerung sein müsse.
Bundesrat Moritz Leuenberger bei seiner Festansprache.
Jubiläumsfeier mit Bundesrat Moritz Leuenberger
In seiner Ansprache am Festakt gab Bundesrat Moritz Leuenberger zur Freude der Fischer bekannt, dass er dem Bundesrat beantragen wolle, auf die Zulassung der umstrittenen Wassertöffs zu verzichten. Der Schweizerische Fischereiverband hatte sich vehement gegen die Absicht des Bundesamtes für Verkehr gewehrt, die lärmigen und ökologisch fragwürdigen Hochleistungs-Wassertöffs in der Schweiz zuzulassen. –
Nachstehend aus der Rede von Bundesrat Moritz Leuenberger (auszugsweise im Wortlaut): «Die Politik und die Fischerei haben in der Tat vieles gemeinsam: In der Politik gibt es tolle Hechte und arme Röteli, die hilflos in den Netzen der Medien zappeln. Es gibt stolze Karpfen und schleimige Exemplare ohne Rückgrat: Wollen wir sie auf etwas behaften, flutschen sie uns aus der Hand. Es gibt Haifischtümpel, in denen artfremde Abweichler gnadenlos verfolgt werden. Dort kennt man Ihren Ehrenkodex nicht, und schont nicht einmal Jungfischinnen aus dem Bündnerland. Doch unsere Verbindungen erschöpfen sich nicht in Wortspielereien an der Wasseroberfläche, sondern gründen in tieferen Wassern. Viel eindrücklicher sind die wirklich politischen Verbindungen zwischen Ihrer Tätigkeit und der Bundespolitik.
Wenn es politisch notwendig ist, rücken Sie zusammen, treten an und engagieren sich als Bürger für Ihre Anliegen. Sie bleiben nicht stumm wie ein Fisch, denn Sie wissen: Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom. Lebendige Fische springen, wie in Ihrem Logo, fröhlich von rechts nach links über das Schweizerkreuz ...
Die ganze 125jährige Geschichte Ihres Verbandes zeugt von Ihrem unentwegten staatsbürgerlichen Einsatz, von Kursen über Gewässerschutz und Gewässerpflege und vor allem über Petitionen, Resolutionen und Initiativen. Und Sie können dabei auf wichtige Erfolge zurückblicken:
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Im Jahr 1984 haben Sie die Volksinitiative «zur Rettung unserer Gewässer» eingereicht und damit das Gewässerschutzgesetz von 1991 wesentlich beeinflusst. Sie sind daher wesentlich mitverantwortlich, dass wir heute keine Ausschläge mehr riskieren, wenn wir in unsere Seen und Flüsse springen. |
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Sie haben im Jahr 2006 die Renaturierungsinitiative lanciert, weil das sauberste Wasser nichts nützt, wenn Fischen die natürlichen Ufer zum Laichen fehlen. Diese Initiative wird gegenwärtig im Parlament beraten. Vor zwei Wochen wurde die Vernehmlassung zu einem Gegenentwurf eröffnet. Die Initiative wird sehr ernst genommen. Schon im Bundesrat wurde ausdrücklich gesagt: Sie hat grosse Erfolgschancen, und zwar einfach darum, weil die Fischer hinter ihr stehen. |
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Sie waren sodann wesentlich daran beteiligt, dass der Bund und der Kanton Bern die Verweiblichung der Felchen im Thunersee wissenschaftlich untersuchte und nicht im Schlick versinken liess wie die alten Munitionsrückstände. Heute käme es wohl niemandem mehr in den Sinn, 3000 Tonnen überflüssige Munition einfach in einen See zu versenken, darunter eine halbe Tonne des hochgiftigen Sprengstoffs Trinitrotoluol (TNT). Doch nach heutigen Erkenntnissen scheint es keinen Zusammenhang zwischen dieser Munitionsdeponie auf dem Seegrund und den Gonaden-Veränderungen an den Felchen zu geben. Die Schweizer Armee hat sich ja schon immer dagegen verwahrt, dass ihre Munition zu einer Verweiblichung führe. Gemäss eben publizierter Ergebnisse eines Nationalen Forschungsprogramms sollen es auch nicht «hormonaktive Substanzen» sein, die für diese Geschlechtsumwandlungen verantwortlich sind. Wir fischen also weiterhin im Trüben. |
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Der Austritt von Schadstoff aus einer Deponie bei Freiburg wäre ohne Fischer wohl still bewältigt worden. Jetzt hat er zu einem Fischereiverbot in einem Abschnitt der Saane geführt. Es waren die Fischer, welche hier für Transparenz sorgten und darauf aufmerksam machten, dass Gifte in unseren Gewässern wie das dioxinhaltige PCB am Ende auf unseren Tellern landen beziehungsweise in unseren Bäuchen – mit gelegentlichen Ablagen in den Köpfen, nur merkt das niemand mehr. |
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Es waren auch die Fischer, welche die notwendige Diskussion um den Kormoran in Gang brachten. Der Vogel ist den Fischern ein aggressiver Konkurrent, der mit den Mitteln des Dumpings arbeitet. Dumping heisst ja tauchen. Der Kormoran taucht nicht nur nach den Fischen, seine Konkurrenzmethoden sind auch sonst unfair: Er erwirbt kein Fischerpatent, er beachtet keine Schonzeiten und er kennt überhaupt kein Mass. Er frisst einfach gierig drauflos. Darum möchten viele diesen schrägen Vogel ganz und gar ausrotten. Aber es gibt Leute, die sehen das anders. Das zeigen die Stapel von Briefen von überzeugten Kormoranfreunden, die täglich auf meinem Schreibtisch landen. Sie sehen in ihm einen Paradiesvogel und wollen ihn schützen und so lese ich dann etwa in einem Bürgerbrief: «Schützen Sie doch bitte diesen ästhetischen Verwandten des Pelikans mit seinen schönen grünen Augen!» – Und in Klammern: Interessanterweise stossen immigrierende Vögel in unserem Land, also schwarze Schwäne oder Kormorane, auf grösseres Verständnis als etwa schwarze Schafe. Wer sich allein durch die schönen grünen Augen eines einzelnen Kormorans betören lässt, hat eine etwas einfarbige Sichtweise. Er übersieht die Gesamtzusammenhänge. Das Farbenspektrum der Nachhaltigkeit umfasst nicht nur grün. Umgekehrt ist der Kormoran aber auch nicht einfach unser aller Feind. Unabhängig von seinem Nutzen oder Schaden hat er eine Daseinsberechtigung. Das gleiche gilt für seine Verwandten: Den Graureiher und den Gänsesäger. Das hat ja auch Ihr Verband erkannt |
Über die Gründung 1883 hiess es noch, Sie hätten den Fischottern und Reihern den Krieg erklärt. Und der Gesetzgeber ist Ihnen gefolgt. Im Jahr 1888 stand in Artikel 22 des neuen Bundesgesetzes: «Die Ausrottung (von) Fischottern, Fischreihern und anderen, der Fischerei schädlichen Tieren ist möglichst zu begünstigen.» Von Ausrottung spricht heute niemand mehr. Wie immer gehen Sie voran und fordern in Ihrem Ethikkodex völlig zu recht einen tragbaren Bestand an Prädatoren ...
Wir sind uns einig: Zu viele Kormorane gefährden das ökologische Gleichgewicht, weil sie die Fischbestände dezimieren. Wenn dieses Gleichgewicht aus den Fugen gerät, muss es der Mensch wieder herstellen. Deswegen haben wir Massnahmen, wie Sie sie anregten, aufgenommen und gehandelt.
Wir wollen das Gleichgewicht wieder herstellen. Es ist meistens nicht der Kormoran, der Luchs, der Wolf oder der Bär, der das Gleichgewicht durcheinanderbringt, sondern der Mensch.
Seit der Mensch in prähistorischen Zeiten die ersten Angelhaken aus Bärenknochen in den Fluss auswarf, begann er das natürliche Gleichgewicht dieses Planeten zu verändern. Es blieb dabei nicht beim Angelhaken.
Der Mensch erfand auch den Benzinmotor und er verschleudert Kohlendioxid und das führt zur Klimaerwärmung und die wiederum ist schuld an den vielen Kormoranen. Der Grund nämlich, dass es dem Kormoran in unseren Breitengraden unterdessen so wohl ist, dass er sich den Flug in den warmen Süden sparen kann, ist der Klimawandel. Um das Gleichgewicht von natürlichem Kohlendioxid-Ausstoss, den die Erde braucht, wieder herzustellen, wollen wir das Kohlendioxid reduzieren, damit das Klima wieder in ein Gleichgewicht kommt ...
Der Interlakner Gemeindepräsident Urs Graf (links) überreicht SFV-Zentralpräsident Werner Widmer (rechts) den Goldenen Schlüssel von Interlaken.
Wer im Boot auf dem See fischt, muss die Balance halten, sonst fällt er ins Wasser. Um das Gleichgewicht zu halten, konzentrieren wir uns nicht auf das Boot und schauen verkrampft auf unsere Füsse, sondern wir heben den Blick zum Horizont und orientieren uns an ihm. Nicht nur das Boot, auch der See braucht ein Gleichgewicht, um zu leben. Fischer kennen dieses Prinzip.
Ein guter Fischer liest die Natur und pflegt seine Fanggründe. Nicht alles was Schuppen oder Scheren hat, landet deshalb in der Bratpfanne. Denn wer seine Fanggründe ausbeutet, hat bald einmal nichts mehr zu fischen. Fische sind nicht nur Beute, sondern ebenso Indikator für eine intakte Umwelt. Sie kennen diese Zusammenhänge und haben sich deshalb bereits nachhaltig verhalten, als es dieses Wort noch gar nicht gab. In Ihrem Ethikkodex nennen Sie als allererste Maxime die Erhaltung ausgewogener Gewässerökosysteme». Fischer haben über Jahrhunderte feine Antennen für Veränderungen in der Natur entwickelt. In ihrem Kielwasser wurde der Begriff der Nachhaltigkeit geboren, zu der Sie sich ausdrücklich bekennen. Nachhaltiges Handeln bedeutet in Ihrem Metier, ich zitiere wieder aus Ihrem Kodex, gesunde und artenreiche Bestände zu erhalten und zu pflegen, das heisst, seine Fanggründe so zu pflegen, dass künftige Generationen auch noch etwas zu fischen haben ...
Die Menschen greifen alle mit ihren unterschiedlichen Interessen in die Natur ein: Fischer, Vogelschützer, Politiker, Industrielle und Forscher.
Wie schaffen wir den Ausgleich zwischen dem Schutz von Menschen, die am See ihre Ruhe und Erholung suchen und der legitimen Nutzung des Wassers für touristische und wirtschaftliche Zwecke? Das ist oft eine schwierige Abwägung von Interessenkonflikten. Ein Beispiel einer solchen Abwägung verschiedener Interessen sind die Wassertöffs. Als der Bundesrat das Cassis-de-Dijon-Prinzip beschloss, ging es ihm um den Schutz der Konsumenten. Dabei dachte kein Mensch an die Wassertöffs. Für mich ist heute jedoch völlig klar: Diese Vehikel gehören nicht auf unsere Gewässer. Ich werde daher dem Bundesrat den Antrag stellen, dass diese nicht importiert werden dürfen. Oder die Kantone erlassen überall Verbote.»
Der Berner Regierungsrat und Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher am Samstag im Casino-Kursaal Interlaken.
Veränderten Herausforderungen und Verhältnissen angepasst
Regierungsrat Andreas Rickenbacher las aus dem Protokoll einer Debatte des Grossen Rates im Jahr 1872, dass das «Fischereigesetz aus dem Jahr 1833 zu ersetzen sei, weil es für die Zustände um 1872 nicht mehr befriedige, da der Fischreichtum bedeutend abgenommen habe». Der Verband habe sich seither ständig weiterentwickelt und seine Aktivitäten immer wieder den veränderten Herausforderungen und Verhältnissen angepasst. Der Kampf der Berner Regierung gegen den Fischfrevel und der Kampf des SFV gegen die Gewässerverschmutzung seien schon lange einem gemeinsamen Kampf von Regierung und Verband für bessere Lebensräume gewichen.
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