| Spiez: Frühbronzezeitliche Gräber in Einigen entdeckt
Bei einer routinemässigen Baustellenbegleitung des Archäologischen Dienstes in Spiez-Einigen sind überraschend Gräber aus der Zeit von 1800 bis 1600 vor unserer Zeitrechnung entdeckt und wertvolle Grabbeigaben gefunden worden.
Eine erwachsene Person wurde mit Kopfschmuck und einer sogenannten doppelschäftigen Bronzenadel beigesetzt, die zum Verschliessen des Kleides oder Mantels diente. (Bilder Dora Schmid-Zürcher)
aid/bns. Die Funde ergänzen nach Angaben des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern bereits im Jahr 1970 gemachte Beobachtungen. Es handle sich um Körpergräber mit Einfassungen aus Steinblöcken. Die Schmuckstücke erlaubten die Datierung der Gräber in die Zeit von 1800 bis 1600 vor unserer Zeitrechnung: «Eine Datierung der Knochen und von Holzkohle aus den Grabfüllungen mittels C14-Methode sollen diese Einschätzung bestätigen. Zahlreiche Keramikscherben aus den umgebenden Schichten zeigen, dass es in Einigen in der frühen Bronzezeit auch eine Siedlung gegeben haben muss. Leider wurden in der Untersuchungsfläche keine Hausstrukturen gefunden, sie müssten aber in der näheren Umgebung zu finden sein.»
Datierung und neue Erkenntnisse
Weil Skelettmaterial aus diesem Zeitraum laut den Archäologen ausgesprochen selten ist, versprechen sie sich von anthropologischen Untersuchungen neue Erkenntnisse zur Bevölkerungsstruktur im nördlichen Alpenvorland: «Typologische Untersuchungen an den Grabbeigaben werden weitere wichtige Puzzlesteine zur Rekonstruktion der Handelsbeziehungen und -routen im frühen zweiten vorchristlichen Jahrtausend liefern.»
Eine Frau trägt einen Halsring, zwei Gewandnadeln und zwei Armringe aus Bronze.
Fernhandel über die Alpen
Im Thunerseegebiet gibt es nach den Feststellungen der Archäologen eine Konzentration von Gräbern der frühen Bronzezeit, wie sie in der Schweiz selten sei: «Die gut erhaltenen Skelette und Grabbeigaben werfen Licht auf das Leben der Menschen, die vor rund 3800 Jahren am Tor zu den Alpentälern und -pässen lebten.» Pässe wie der Lötschenpass und das Schnidejoch hätten das Überqueren der Alpen und damit den Fernhandel erlaubt. Dadurch sei unter anderem Zinn in unsere Gegend gelangt, was die Herstellung von Bronze überhaupt erst möglich gemacht habe: «In den Walliser Alpentälern und möglicherweise auch in Adelboden und in Kandersteg im Berner Oberland wurde ausserdem Kupfer abgebaut, ein Rohstoff, der in der Bronzezeit immer mehr an Bedeutung gewann.» Deshalb träten in der Thunerseeregion, wo alle Wege ins Oberland beginnen, immer wieder Belege für die Aktivitäten der frühbronzezeitlichen Bevölkerung der Schweiz auf. Vergleiche für die Grabbeigaben fänden sich vor allem in den Ufersiedlungen des Bieler- und Neuenburgersees: «In Hilterfingen, am gegenüberliegenden Ufer des Thunersees, wurde in einem zeitgleichen Grab allerdings eine Nadel geborgen, wie sie fast ausschliesslich im Wallis belegt ist. Eine verwandte Nadel stammt vom Schnidejoch, einem Alpenpass der erst in den letzten Jahren wieder eisfrei wurde und wo das zurückweichende Eis zahlreiche archäologische Fundstücke ans Licht brachte. Anhand dieser Funde lassen sich enge Kontakte vom Seeland über die Thunerseeregion ins Wallis postulieren.»
Das Grabungsteam in Einigen. Von links nach rechts: Kantonsarchäologin Cynthia Dunning, Bereichsleiterin Marianne Ramstein, Grabungsleiterin Regula Gubler und die Anthropologin Susi Ulrich.
Vor Grabräubern geschützt
Bereits im Jahr 1970 hatte laut Informationen an einer Medienorientierung von heute Mittwoch der damals neugegründete Archäologische Dienst des Kantons Bern beim Bau eines Treibhauses am Holleeweg in Einigen (Gemeinde Spiez) zwei rund 3800 Jahre alte Gräber aus der frühen Bronzezeit untersucht: «Beim Umbau der dazugehörenden Liegenschaft wurden im April dieses Jahres weitere Gräber entdeckt, die zurzeit ausgegraben und dokumentiert werden.» Zum Schutz vor der Witterung wurde das Gräberfeld mit einem Zelt überdeckt. (Bild Peter Schmid)
Die Toten wurden laut Marianne Ramstein, Bereichsleiterin des Archäologischen Dienstes des Kanons Bern, in Rückenlage und in ihrer Tracht beigesetzt: «Die Schmuckstücke aus Bronze haben sich ausgezeichnet erhalten. Auch die Skelette sind in erstaunlich gutem Zustand. Bisher konnten drei Bestattungen freigelegt werden. Eine Frau trägt einen Halsring, zwei Gewandnadeln und zwei Armringe aus Bronze. Eine weitere erwachsene Person wurde mit einer sogenannten doppelschäftigen Bronzenadel beigesetzt, die zum Verschliessen des Kleides oder Mantels diente. In einem weiteren Grab dürfte ein Kind bestattet liegen.» Die Gräber wiesen Einfassungen aus grossen Steinblöcken auf, seien durch dicke Steinpackungen überdeckt und so vor Grabräubern geschützt: «Dass die Skelette die lange Zeit im Boden überstanden haben, ist aussergewöhnlich. Ihre anthropologische Untersuchung wird Auskunft über das Geschlecht und Alter der hier bestatteten Personen geben. Dazu werden die freigelegten Skelette bereits in ihrer Fundlage sorgfältig vermessen, beprobt und möglichst in ihrem Zusammenhang geborgen.»
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