| Maximal zehn Schwarzschwäne auf dem Thunersee vorläufig toleriert
Das Jagdinspektorat des Kantons Bern ist bereit, maximal zehn Schwarzschwäne auf dem Thunersee zu tolerieren. Der Kanton hat aber gegenüber dem Züchter der Tiere einschränkende Massnahmen verfügt. Damit soll die verbotene Ausbreitung verhindert werden, ohne dass die Tiere eingefangen oder gar abgeschossen werden müssten.
aid/bns. Das zuständige Jagdinspektorat nehme den Artenschutz sehr ernst, wird in der Medienmitteilung versichert: «Gleichzeitig anerkennt es aber auch die Sympathie der Bevölkerung für eine sehr begrenzte Anzahl von Schwarzschwänen auf dem Thunersee. Ein Einfangen oder gar Abschiessen der einzelnen, heute in Freiheit lebenden Vögel wäre nach Ansicht des Jagdinspektorats unverhältnismässig und würde auch unter ethischen Gesichtspunkten auf grosses Unverständnis stossen.»
«Verbindliche und strenge Massnahmen»
Das Jagdinspektorat sei überzeugt, dass die weitere Ausbreitung und Vermehrung der Schwarzschwäne auf dem Thunersee auch anders verhindert werden könne, heisst es im weiteren. Es habe deshalb gegenüber dem Züchter und Eigentümer der Tiere verbindliche und strenge Massnahmen verfügt: «Insbesondere müssen die Tiere im Gehege gemäss den gesetzlichen Bestimmungen ausbruchsicher gehalten und beringt werden. Zudem wird das Jagdinspektorat maximal zehn freilebende Schwarzschwäne auf dem See tolerieren. Sie dürfen sich nur in einem begrenzten Perimeter nördlich der Linie Bonstettenpark–Schloss Hünegg aufhalten. Gelege ausserhalb der Liegenschaft des Züchters werden wie bisher angestochen. Mit einer solchen Kompromisslösung soll eine unkontrollierte Verbreitung der Tiere abgewendet und der Züchter in die Pflicht genommen werden, auch in finanzieller Hinsicht.»
«Seit einigen Jahren hielten sich auf dem unteren Teil des Thunersees Schwarzschwäne auf, wird in der Medienmitteilung erinnert. Der Schwarzschwan stamme ursprünglich aus Australien und werde in Europa als Zier- und Zoovogel gehalten: «Das Bundesrecht verbietet das Aussetzen von Tieren, die nicht zur einheimischen Artenvielfalt gehören. Der Kanton Bern ist somit verpflichtet, die Ausbreitung und Vermehrung der Schwarzschwäne zu verhindern. Weil sich die Tiere in letzter Zeit in Freiheit vermehrten, entstand eine heftige Kontroverse über ihr weiteres Schicksal.» Ursprünglich sei unter Leitung des Volkswirtschaftsdirektors eine breit abgestützte Vereinbarung unter Einbezug der Stadt Thun und des Bundesamts für Umwelt (Bafu) angestrebt worden: «Weder die Stadt Thun noch das Bafu waren jedoch bereit, die vorgeschlagene Lösung mitzutragen und lehnten die Unterzeichnung einer entsprechenden Vereinbarung ab. Auch der Züchter der Tiere wollte die nun verfügten Bedingungen nicht im Rahmen einer Vereinbarung mittragen.»
Stellungnahme der Schwanenfreunde
Der vor einer Woche gegründete «Verein Thunersee-Schwanensee» mit Sitz in Thun nimmt in einer Medienmitteilung zur Kenntnis, dass das Jagdinspektorat des Kantons Bern maximal zehn Schwarzschwäne auf dem Thunersee toleriere: «Insofern sind wir für diese neue Verfügung aus Sicht der ‹Freunde der schwarzen Schwäne› erfreut.» Obschon der Kanton damit auf einen Abschuss der Tiere verzichte, deute vieles darauf hin, dass er anstrebe, dass der Schwarzschwan am Thunersee, der seit über 20 Jahren hier lebt, langsam ausstirbt: «Alle Eier sollen angestochen werden. Das Gehege ihrer Heimat soll ausbruchsicher abgesperrt werden, so dass die Kontakte unter den Artgenossen unterbunden werden.» Die noch maximal zehn in der Freiheit lebenden Schwarzschwäne müssten sich im begrenzten Perimeter nördlich der Linie Bonstettenpark–Schloss Hünegg aufhalten. Diese Anordnung sei in der Praxis abstrus. Soll ein Schwarzschwan, der diese Begrenzung überfliegt, abgeschossen oder eingefangen werden? Als höchst enttäuschend betrachten die Schwanenfreunde. «dass weder das Bafu noch die von der Attraktivität der Schwarzschwäne profitierende Stadt Thun bereit sind, eine Zukunft für die schwarzen und weissen Schwäne ermöglichen.» Die Schwäne seien eine Attraktivität des Thunersees: «Die nahezu 6000 Unterzeichnenden der Petition zeigten klar, dass die Sympathie der Bevölkerung für weit mehr als diese begrenzte Anzahl von Schwarzschwänen am Thunersee vorhanden ist.» Nationale und internationale Fachstellen hätten sich für ein Zusammenleben des weissen Schwans und des Schwarzschwans ausgesprochen, wie es andernorts problemlos üblich sei: «Der Verein Thunersee-Schwanensee setzt sich bei Politik und Öffentlichkeit klar für Verständnis für ein weiteres gemeinsames Leben der beiden attraktiven Schwanenarten auf dem Thunersee ein.»
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