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Harderbahn: 100-Jahr-Jubiläum mit neuen Wagen

Mit der Einweihung von neuen Panoramawagen sowie einem Festakt ist am Freitag die das hundertjährige Bestehen der 1,4 Kilometer langen Standseilbahn von Interlaken auf den Harder gefeiert worden.

Der Gemeindepräsident von Interlaken, Peter Graf, taufte den einen Wagen auf den Namen «Interlaken». (Bilder Dora Schmid-Zürcher)

pd/bns. Die Jubiläumssaison 100 Jahre Harderbahn beginnt morgen Samstag 26. April 2008. Weitere Aktivitäten sind während des ganzen Jahres geplant, so auch ein spezieller «Tag der Harderbahn» am 15. Mai 2008, genau hundert Jahre nach der ersten Betriebsaufnahme.

Vor rund 90 geladenen Gästen – darunter die Berner Regierungsrätin Barbara Egger sowie weitere Vertreter von Gemeinden, Behörden und Organisationen – wies Walter Steuri, Verwaltungsratspräsident der Harderbahn AG, beim Festakt am Freitag 25. April 2008 auf die vielen Sympathien hin, die das «rote Bähndli» geniesse. Das könne darauf zurückzuführen sein, dass sich den Gästen nach kurzer Fahrt ein prächtiger Blick auf die Region Interlaken, Thuner- und Brienzersee sowie die Alpen eröffnee. Aber auch der Berg, mit seinen Sagen und Geschichten wirke anziehend.

Regierungsrätin Barbara Egger.

In ihrer Rede wies Regierungsrätin Barbara Egger darauf hin, dass auf dem Harder, einem «zutiefst männlichen Berg», viele Frauen das Sagen hätten: «Wirtinnen, Kassiererinnen und nicht zuletzt die Tochter von Initiant und Grossrat Fritz Michel, die erreichte, dass für die Bahn keine Schneise in den Wald geschlagen wurde.» Deshalb führe die Bahn heute in einem Viertelkreis auf den Harder – das Landschaftsbild sei intakt geblieben.

Zum zweiten Mal neue Wagen

Nachdem die Bahn erstmals 1966 neue Wagen erhielt, konnten nun am Freitag zum 100-Jahr-Jubiläum zum zweiten Mal neue Wagen eingeweiht werden. Diese präsentieren sich im traditionellen Rot der Harderbahn, bieten den Fahrgästen hohen Komfort und dank dem Dach mit Panoramafenstern eine schöne Aussicht. Die beiden Wagen verfügen über vier Abteile, die insgesamt 65 Personen aufnehmen können.

Der Gemeindepräsident von Unterseen, Simon Margot, enthüllte assistiert von Hardermannli und Harderwybli auf dem andern Wagen das Wappen von Unterseen.

Die Kosten für die Wagen sowie weitere Arbeiten im Antriebsbereich beliefen sich nach Angaben der Jungfraubahnen auf rund 2,7 Millionen Franken. Bei einem Erdrutsch in der Nacht auf 9. August 2007 – siehe auch Erster neuer Wagen der Harderbahn eingetroffen vom Dienstag 11. März 2008 – war in der Talstation der alte Wagen Nr. 1 stark beschädigt worden. Er konnte nicht mehr für Personentransporte dienen, fuhr aber noch als Gegengewicht zum zweiten Wagen. Der Gesamtschaden vom 9. August 2007 wurde im vergangenen Herbst mit 750 000 Franken angegeben. Davon sind laut Jungfraubahnen rund 450 000 Franken durch Versicherungen gedeckt: «Der Verkehrsertragsausfall ist ebenfalls versichert.» Für die Anschaffung der neuen Seilbahnwagen habe eine Kapitalerhöhung Ende August erfolgreich abgeschlossen werden können.

Thomas Bieger, Verwaltungsratspräsident der Jungfraubahn Holding AG, bei seiner Ansprache auf dem Harder.

Die Harderbahn ist mit ihrem Umsatz von rund einer Million Franken die kleinste Tochtergesellschaft der Jungfraubahn Holding AG, gewissermassen das Nesthäkchen wie deren Verwaltungsratspräsident Thomas Bieger an der Feier ausführte. Dank der neuen Wagen hoffe er aber, dass eine neue Epoche in der Entwicklung der Bahn mit weiteren Umsatzzuwächsen anbrechen möge.

100 Jahre Harderbahn 1908 bis 2008

Die erste Idee für den Bau einer Bahn auf den Harder kam laut einer Dokumentation im Jahr 1890 auf. Unter anderem waren die Grossräte Eduard Ruchti und Fritz Michel beteiligt. Allerdings regte sich rasch Widerstand, da Ängste aufkamen, der Brückwald und das Landschaftsbild überhaupt würden durch den Bahnbau gestört. Am 10. Oktober 1890 erteilte der Bundesrat eine Konzession für die Seilbahn Interlaken–Harder. Allerdings zeigte sich bald, dass die Finanzierung schwierig wurde: Es liess sich kaum Geld finden für den Bau der zur damaligen Zeit steilsten Drahtseilbahn. Fritz Michel blieb aber an seinem Projekt dran, liess sich alle Rechte an der Konzession abtreten und liess die Konzession durch den Bundesrat immer wieder verlängern. Im Jahr 1905 – 15 Jahre nach der ersten Konzessionserteilung, fand Michel sowohl einen Hauptgeldgeber als auch die Ingenieure für die Realisierung in Lausanne. Bankier Ernest Chavannes und die Ingenieure Gaston Boiceau und Henri Muret bildeten das Trio, das letztlich Garant dafür war, dass das Projekt realisiert werden konnte. Chavannes amtete während fast dreissig Jahren als Präsident des Verwaltungsrates. Boiceau hatte sich bereits einen Namen unter den Bahnbauern gemacht, war er doch unter anderem für den Bau von Bahnstrecken in Spanien und in der Türkei verantwortlich. Ab den 1890er Jahren war er für den Bau und die Unternehmung der Lausanner Trambetriebe tätig. Boiceau blieb der Harderbahn nach ihrer Fertigstellung erhalten: Zuerst amtete er als Sekretär des Verwaltungsrates und von 1931 bis 1948 war er Verwaltungsratspräsident.

Harderbahn-Verwaltungsratspräsident Walter Steuri.

Baubeginn im November 1905
Nachdem der neugegründete Schweizer Heimatschutz noch eine Verlegung der Bahnstrecke zum Schutz des Waldes durchsetzen konnte, begann der Bau im November 1905. Wegen der Streckenänderung, die auch Mehrkosten verursachte, verläuft das heutige Trassee nicht wie bei den meisten anderen solchen Bahnen gerade den Berg hinauf. Stattdessen wurde es in einem Viertelkreis angelegt, damit es vom Tal kaum sichtbar ist und damit das Landschaftsbild in keiner Weise beeinträchtigt. Eigentlich hätten die Verantwortlichen bereits im August 1907 mit dem Betrieb beginnen wollen. Da aber nach ersten Testfahrten noch Ausbesserungsarbeiten bei einem Betonsockel nötig wurden, beschloss der Verwaltungsrat, die Eröffnung auf 1908 zu verschieben. Damit blieb auch Zeit sowohl das Restaurant als auch die Tal- und die Bergstation vollständig fertigzustellen.

Gruppenbild auf dem Harder: Verwaltungsrat und erweiterte Geschäftleitung im Kleider- und Uniformenstil von anno dazumal.

Einweihungsfeier am 15. Mai 1908
Wie die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) am Abend des 15. Mai 1908 berichtet, konnte die Harderbahn «heute ihre offizielle Einweihung erleben». Die Regierung, die Gemeindebehörden der näheren Talschaft, die Delegierten der Bahngesellschaften und so weiter hatten sich laut NZZ mit den Vertretern der Baugesellschaft «zum festlichen Tag» eingefunden, nachdem die Hoteliers von Interlaken und Umgebung die Bahn bereits am 12. Mai eingeweiht hatten. Am 15. Mai vollzog sich die Fahrt auf den Harder «bei regelrechtestem Regenwetter». Weiter schreibt der Berichterstatter: «Niemand, der die zwanzig Minuten dauernde Fahrt macht, wird sie bereuen. Der Blick ins Tal ist einzigartig und die Erholung im Waldschatten erleichtern gepflegte Wege.» Dass die Bahn letztlich vollendet wurde, schreibt auch die NZZ «waadtländischen Finanzkräften» zu und den Ingenieuren Boiceau und Muret, die das ursprüngliche Projekt des deutschen Ingenieurs Alexander Lindner umgearbeitet und ausgeführt hatten.

Im ersten Betriebsjahr verzeichnete die Harderbahn rund 40 000 Reisende. Während des ersten und zweiten Weltkrieges durchlebte die Harderbahn wie viele andere touristische Einrichtungen auch schwierigere Zeiten. Ab 1946 ging es aufwärts. Erstmals erreichten die Besucherzahlen wieder rund 40 000. 1966, zwanzig Jahre später, reisten gegen 82 000 Personen auf den Harder. Bereits seit dem Jahr 1930 unterlag die Betriebsführung der Harderbahn der Direktion der Wengernalp- und Jungfraubahn.

Während der ersten 50 Jahre wurde die Harderbahn vom Westschweizer Einfluss geprägt, was sich sowohl in der Werbung als auch im Verwaltungsrat zeigte. Der von Persönlichkeiten aus der französischsprachigen Schweiz geprägte Verwaltungsrat liess den Geschäftsbericht bis und mit 1956 in Französisch verfassen. Ab dem Jahr 1957 erschien der Bericht dann in deutscher Sprache. Am 15. Juni 1970 zog sich mit Claude Poudret der letzte Verwaltungsrat französischer Muttersprache aus dem Unternehmen zurück.

Technische Erneuerung in den sechziger Jahren
Im Jahr 1965 wurde die Harderbahn einer technischen Erneuerung unterzogen, nachdem bereits in den Jahren zuvor das Antriebszahnrad ersetzt und die neue elektrische Ausrüstung des Antriebs und der neue Transformator eingesetzt worden waren. Nach der Betriebseinstellung vom 3. Oktober 1965 begannen die Vorarbeiten für das Aufgleisen der neuen Wagen. Dafür mussten Teile der Talstation abgebrochen werden. Im Rahmen dieser Arbeiten wurde auch ein gemauerte Türmchen beseitigt, das nicht wieder aufgebaut werden sollte. Die neuen Wagen von der Firma Gangloff in Bern wurden am 3. November 1965 auf einem Spezialfahrzeug von Bern nach Interlaken gefahren. In der darauffolgenden Nacht wurden die Wagen auf die Geleise gehoben. Die Eröffnungsfahrt mit den neuen Wagen fand am 14. Mai 1966 statt.

Jubiläumsaktivitäten. Im Jubiläumsjahr 2008 sind verschiedene spezielle Aktivitäten geplant. So ein «Tag der Harderbahn», ein «Dîner concertant» und Folkloreabende. Alle Aktivitäten finden sich unter: www.jungfraubahn.ch
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