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Berner Oberland News – 13. Jahrgang
Mittwoch 16. April 2008
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Polizeiliche Feststellungen und Tendenzen im ersten Quartal

In den Bereichen Kriminalität, Strassenverkehr, Umwelt, lokale Sicherheit und Prävention hat die Kantonspolizei Bern in den ersten drei Monaten dieses Jahres unter anderem eine markante Zunahme von Brandstiftungen beobachtet und ausserdem festgestellt, dass auch im Berner Oberland bei Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten zunehmend Messer zum Einsatz kommen.

pkb/bns. Im ersten Quartal 2008 wurden laut einer Medienmitteilung folgende Feststellungen gemacht und tendenzielle Entwicklungen beobachtet: Markante Zunahme von Brandstiftungen, mehrere Buntmetalldiebstähle zum Jahresbeginn, Zunahme von sexuell motivierten Chats im Internet, viele Verkehrsunfälle infolge pflichtwidrigen Verhaltens, Alkohol und Drogen am Steuer, diverse Fälle von starker Vernachlässigung von Rindvieh, bereits fünf Tote bei Verkehrsunfällen, wiederholt falsche Polizisten in Interlaken und Bern sowie markante Zunahme von Vandalenakten und Sachbeschädigungen, vermehrt als Folge von übermässigem Alkohol.

Kriminalität. Im Vergleich zum ersten Vorjahresquartal ist eine massive Zunahme von Brandstiftungen zu verzeichnen. Das Verursachen einer Feuersbrunst ist häufig gekoppelt an Sachbeschädigungen und Vandalenakte. Vermehrt werden Plakatwände, Kehrichteimer, Zeitungsständer, Motorräder und so weiter mutwillig in Brand gesteckt. Die Straftaten sind im ganzen Kanton feststellbar und können keiner bestimmten Tätergruppe zugeordnet werden. In Fällen, in welchen die Täterschaft bekannt ist, kann tendenziell festgestellt werden, dass es sich bei diesen vermehrt um Jugendliche handelt. Um eine Brandstiftung handelte es sich auch bei einer Stellwerkstörung Ende März, als eine unbekannte Täterschaft entlang der SBB/BLS-Bahnlinie in der Region Bern einen Kabelbrand verursachte. – Buntmetalldiebstähle sind nach wie vor ein aktuelles Phänomen sowohl in Europa, wie auch in der Schweiz und im Kanton Bern. Grössere Fälle musste die Kantonspolizei Bern vor allem Anfang Jahr vermelden. So stahlen Unbekannte in der Region Seeland in einer Januarnacht über 20  Cheminée-Hüte aus Familiengärten. Nur wenige Tage später entwendeten Unbekannte insgesamt 1,8 Tonnen Kupferkabelrollen ab einer Baustelle in der Region Mittelland-Emmental-Oberaargau. Die Polizei hat dieses Phänomen erkannt und gibt gezielte Warnungen an potentiell betroffene Altmetallhändler, Betriebe und Private heraus.

Kinderpornografie im Internet. Generell wird ein verändertes Benutzerverhalten im Zusammenhang mit Delikten im Bereich der Pornografie sowie der sexuellen Handlungen mit Kindern beobachtet. Die jeweiligen Ermittlungen, in Zusammenarbeit mit anderen Kantonen und den Bundesbehörden, gestalten sich als sehr aufwendig. Die Polizei sieht sich vermehrt mit Fällen konfrontiert, in welchen sich Erwachsene aus einer sexuellen Motivation heraus in für Kinder- und Jugendliche vorgesehenen Chat-Rooms einloggen. Im Rahmen der schweizerischen Informationskampagne «Stopp Kinderpornografie im Internet» werden Eltern und Jugendliche mit der Broschüre «click it!» auf das Problem des sexuellen Missbrauchs im Chat aufmerksam gemacht.

Strassenverkehr. In den ersten drei Monaten hat der Strassenverkehr bereits fünf Todesopfer gefordert. Zwei Unfälle mit tödlichem Ausgang ereigneten sich in der Region Seeland/Jura, drei weitere in der Region Mittelland-Emmental-Oberaargau. Die häufigste Unfallursache im Kanton ist zu nahes Aufschliessen. Zudem wird in den verschiedenen Regionen eine Zunahme von Unfällen im Zusammenhang mit Fahren unter Alkohol-, Drogen- oder Medikamenteneinfluss festgestellt. Ausserorts ereigneten sich die meisten Unfälle zwischen 7.00 und 8.00 Uhr, innerorts zwischen 17.00 und 18.00 Uhr. Die massive Zunahme an Informationen auf Verkehrswegen und im Sichtbereich von Strassen, die vielfältigen technischen Einrichtungen und Bedienungselemente der heutigen Fahrzeuge, sowie die steigenden Möglichkeiten im Bereich der individuellen Kommunikation, führen merkbar zu einer zunehmenden Reizüberflutung bei Verkehrsteilnehmern. Vor allem das Telefonieren mit dem Handy und das Erstellen von elektronischen Mitteilungen (SMS), aber auch die Bedienung von Informations- und Unterhaltungselektronikgeräten im Auto während der Fahrt, führen vermehrt zu Unfällen. Die Verkehrsteilnehmenden sind abgelenkt und unaufmerksam, was zu einer späten Erkennung von Gefahrenlagen oder der Fehleinschätzung von handlungsrelevanten Verkehrssituationen führt. Ganz allgemein muss festgestellt werden, dass sich die Verkehrsteilnehmer (Fahrzeuglenkende wie Fussgänger) über die Auswirkungen zu hoher Geschwindigkeiten häufig nicht richtig bewusst sind. Das Abschätzen der Geschwindigkeit eines herannahenden Autos ist nicht nur für Kinder ein Problem!

Lokale Sicherheit. Wie bereits im Vorjahr führt der übermässige Alkoholkonsum von Jugendlichen in allen Regionen vermehrt zu Vandalenakten (einschliesslich Brandstiftungen) und tätlichen Auseinandersetzungen. Bedingt durch die bereits wärmeren Tage und Nächte Anfang Jahr, halten sich die Jugendlichen am Abend länger im Freien auf. Nach der Schliessung der Gaststätten im Selveareal in Thun hat sich das Nachtleben zunehmend in die Innenstadt verlagert. Sachbeschädigungen vor allem an Wochenenden, alkoholisierte Jugendliche, Nachtruhestörer, und Streitereien sind ein Dauerthema. Auffallend ist, dass jetzt auch im Berner Oberland bei Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten zunehmend Messer zum Einsatz kommen. Die Bereitschaft, solche Waffen einzusetzen, steigt kontinuierlich. In der Stadt Bern und in Interlaken wurden wiederholt Touristen Opfer von Trickdiebstählen. Unbekannte gaben sich mit gefälschten Ausweisen als Polizisten aus und machten die Touristen auf mögliches Falschgeld aufmerksam. Nach der Kontrolle stellten die Touristen fest, dass sie bestohlen wurden. Als präventive Massnahme veröffentlichte die Kantonspolizei Bern verschiedene Medienmitteilungen und warnte potentielle Opfer vor möglichen «falschen Polizisten». Namentlich im Oberland sind erneut Versuche unternommen worden, von vor allem älteren Menschen mit dem sogenannten Enkeltrick – glücklicherweise erfolglos – grössere Geldssummen erhältlich zu machen. In Bern häuften sich in letzter Zeit die Straftaten auf der Grossen Schanze, die Gewaltbereitschaft nahm zu. Zur Verhinderung einer offenen Drogenszene in der Stadt Bern werden rund um die Uhr gezielte Kontrollen durchgeführt und Drogenkonsumenten wie auch Dealer verzeigt. Vor allem während Grossveranstaltungen wie Messen, Fussball- oder Eishockeyspielen kam es in Bern vermehrt zu Einbrüchen in Fahrzeuge. Betroffen waren im Speziellen Fahrzeuge, in welchen sichtbar Wertgegenstände zurückgelassen wurden. Mit Schwerpunktbildungen und gezielten Präventionskampagnen (insbesondere einer Reiterpatrouille vor Ort) wurden die Betroffenen auf mögliche Einbrüche aufmerksam gemacht. Auch weiterhin fallen in Biel vermehrt Personen auf, die im Drogenhandel tätig sind. Die Kantonspolizei Bern führt diesbezüglich regelmässig gezielte Kontrollen durch.

Umwelt. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres informierten die Untersuchungsbehörden in Zusammenarbeit mit dem Veterinärdienst des Kantons Bern sowie der Kantonspolizei Bern über mehrere Fälle im Zusammenhang mit Widerhandlungen gegen die Tierschutzgesetzgebung. So wurden in den Regionen Seeland/Jura sowie Mittelland-Emmental-Oberaargau Nutztiere in schlechtem Zustand angetroffen. Ebenfalls in der Region Mittelland-Emmental-Oberaargau konnte in aufwendiger Ermittlungsarbeit ein Landwirt ermittelt werden, welcher illegal ein totes Rind entsorgt hatte – auch seine Nutztiere waren in einem prekären Zustand. In derselben Region konnte der Urheber einer Deponie von Fässern mit Tierkadavern ermittelt werden. Die erwähnten Fälle lösten ein grosses Medieninteresse aus.
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