| Nordumfahrung Saanen: Ein neues Bett für das Bortgräbli Das Bortgräbli, ein Bächlein oberhalb der Kantonsstrasse im Westen Saanens, erhält bis im Oktober ein neues Bett. Das Bächlein wird in Zukunft in einem revitalisierten Bachbett fliessen, in dem es mehr Raum zur Verfügung hat, und das Lebensraum für viel mehr Pflanzen und Tierarten bieten wird als bisher. Die Revitalisierung des Bortgräblis ist ein Teil des Projekts Nordumfahrung Saanen.
pd/bns. Das Bortgräbli oberhalb der Kantonsstrasse im Westen Saanens, das Bortgräbli, ist laut einer Medienmitteilung verschwunden: «Dort wo sich früher inmitten von Wiesen und Weiden ein Damm erhob, auf dem das kleine Gewässer im Schatten von Bäumen und Sträuchern in einer offenen Betonröhre dahinfloss, wird jetzt gebaggert, planiert, es werden Steine und Baumstrünke in den Boden verlegt und es wird auch bereits wieder Material von den Erddepots geschüttet.» Während der Bauphase in diesem Sommer sei das Bortgräbli in ein Rohr verlegt. Sobald das Bachbett fertig gebaut sei, werde das Rohr wieder entfernt und das Wasser könne durch das neue Bachbett fliessen.
Bestandteil des Umfahrungsprojekts
Anstoss für die laufende Revitalisierung des Bortgräblis ist laut der Medienmitteilung der Bau der Nordumfahrung Saanen. Damit die neue Kantonsstrasse das Bortgräbli plangemäss überqueren könne, müsse dieses nämlich abgesenkt werden. Die Variante einer Anhebung der Strasse sei aus landschaftsschützerischen Gründen verworfen. Das Wasserbaugesetz verlange, dass bei Eingriffen in ein Gewässer – wie dies bei dieser Absenkung der Fall sei – der natürliche Verlauf soweit wie möglich wiederhergestellt werde: «Beim Bortgräbli wurde entschieden, das Gewässer auf einer Länge von etwa 140 Meter abzusenken und das Bachbett natürlich zu gestalten. Bisher waren Teile des Bortgräbli in einem naturfernen Zustand, wodurch sich weniger Gewässerlebewesen und -pflanzen mangels geeignetem Lebensraum ansiedeln konnten.»
Revitalisierung ist auch Hochwasserschutz
Ganz allgemein würden Gewässerrevitalisierungen in der Schweiz seit etwa zehn bis zwanzig Jahren vorangetrieben, verlautet im weiteren. Die Forderung nach ausreichendem Gewässerraum sei denn auch eines der Entwicklungsziele im Leitbild «Fliessgewässer Schweiz» des Bundes: «Vor 50 Jahren noch zwängte man die Gewässer in enge, künstlich geschaffene Kanäle, um möglichst viel Boden landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Ausserdem erhoffte man sich dadurch einen besseren Schutz vor Hochwasser. Heute ist man durch die scheinbar häufiger werdenden Hochwasserereignisse sensibilisiert und hat erkannt, dass es besser ist, wenn man den Flüssen und Bächen wieder mehr Raum gibt, um bei extrem grossen Abflussmengen grosse Schäden zu vermeiden.» Als Nebeneffekt zu diesen sogenannten Gewässeraufweitungen trete eine markante Aufwertung der Gewässer für Natur und Landschaft, aber auch für Erholungssuchende und Touristen auf: «Die Gewässer werden ‹revitalisiert›, was nichts anderes heisst als ‹wiederbelebt›.
Breites Bachbett, bestocktes Ufer und Wanderweg am neuen Bortgräbli «Auch beim Bortgräbli gehen Hochwasserschutz und Revitalisierung Hand in Hand», heisst es in der Medienmitteilung. Zur Stabilisierung der Gewässersohle würden mehrere Steinschwellen ins Bachbett eingebaut und direkt oberhalb der Kantonsstrasse komme ausserdem ein Kies- und Sandfang zu liegen. Dieser soll eine Verstopfung des Durchlasses und eine daraus folgende Überschwemmung der Strasse und der umliegenden Liegenschaften im Hochwasserfall verhindern. Das Bortgräbli sei ein kleiner Bach: «An den meisten Tagen im Jahr beträgt sein Abfluss nur wenige Liter pro Sekunde. Nach starken Niederschlägen oder während der Schneeschmelze kann die Wassermenge jedoch beträchtlich ansteigen. Deshalb ist das zukünftige Bachbett, das aus Blocksteinen und Geröll gestaltet wird, auch grosszügig bemessen. Das Ufer wird auf seiner rechten Seite abwechselnd mit Büschen und Wiesenvegetation bepflanzt werden, auf der linken Seite verläuft auch in Zukunft der Wanderweg.» Um eine wasserbaulich und ökologisch optimale Umsetzung der Bortgräbli-Revitalisierung zu gewährleisten, arbeiten laut der Medienmitteilung Experten für Wasserbau und Ökologie eng mit der Schwellenkorporation Saanen zusammen. Gewässerrenaturierungen könnten nicht bis ins letzte Detail geplant werden. So werde die genaue Modellierung oft erst auf Platz festgelegt. Eine wichtige Rolle spiele dabei der Baggerführer – beim Bortgräbli Rudolf Hefti von der Schwellenkorporation Saanen: «Seine technische Präzision im Umgang mit der schweren Maschine sowie sein ökologische Sensibilität hat er bereits bei der Renaturierung des Allmibächli unter Beweis gestellt.» Dafür habe der Renaturierungsfonds des Kantons Bern ihm am 20. August 2008 – zusammen mit neun weiteren Baggerführern – die Auszeichnung «Grüner Baggerführer» verliehen.» Für Kulturingenieur André König, verantwortlich für die Umsetzung der Umweltauflagen auf der Baustelle der Nordumfahrung, sei das ein Glückfall: «Es ist von allen Seiten der Wille erkennbar, auf eine optimale Lösung im Sinne von Hochwasserschutz, Umwelt und Landschaftsgestaltung hinzuarbeiten.»
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