| Sterne auf Leinwand statt am Firmament
Der Raumfahrtexperte Bruno Stanek aus Arth (Kanton Schwyz) hat am Freitag auf dem Faulhorn eine Gratis-Sternguckernacht gegeben. Was fehlte, waren die Sterne. Dafür kamen die Gäste in den Genuss eines ausgedehnten Vortrages im neu restaurierten Saal des Berghotels Faulhorn.
Sterne auf der Leinwand statt am Himmel: In einem ausgedehnten Astronomievortrag begeisterte Bruno Stanek auf dem Faulhorn zwölf Naturfreunde, die sich vom Wintereinbruch nicht beirren liessen. (Bild Bruno Petroni)
Die Bedingungen waren denkbar schlecht für das Dutzend hartgesottener Natur- und Astronomiefreunde, die sich am Freitagnachmittag auf das 2681 Meter hohe Faulhorn begaben, um die Sterne zu beobachten. Doch Bruno Stanek kannte kein Zaudern: «Wir ziehen diesen Anlass jetzt durch. Die Sterne können wir auch auf der Leinwand sehen», spielte er auf Faulhornwirt Claudio Garbani und seinen Sohn Christian an, die für das Schlechtwetterprogramm eigens eine grosse Leinwand aus Leintüchern gebastelt hatten.
Vier Stunden Astrokunde
Sie stiegen aus dem ganzen Berner Oberland und sogar aus Bern aufs Faulhorn hinauf, die Zuhörer von Staneks vierstündigem Vortragabend. Und sie kamen in den Genuss von zwei neuen Kurzfilmen über Leben im All und die Ursprünge der Menschheit.
Bruno Petroni, Journalist, Matten bei Interlaken / petroni@gmx.ch
Der Mann, der bereits vor 39 Jahren am Schweizer Fernsehen live die ersten Mondlandungen kommentiert hatte, erklärte seinem Publikum auch die Grössenverhältnisse der Planeten unseres Sonnensystems, trat den simplen mathematischen Beweis an, dass jeder Mensch mit jedem Menschen auf irgendeine Weise verwandt ist und blickte anhand der Inselgruppe Hawaii auf fatale geologische Veränderungen der Erde. Nicht zum ersten Mal gemeinsam in den Bergen unterwegs - aber erstmals im Schneesturm: Der Raumfahrtexperte Bruno Stanek (rechts) und der Journalist Bruno Petroni (Bild Christian Garbani/zvg)
Kein Sternenhimmel
Selbst nach dem mehrstündigen Referat des 64jährigen Astronomen und Buchautoren bis weit nach Mitternacht hatte sich der Nebel um den Faulhorngipfel nicht gelichtet, so dass es beim Theorieunterricht blieb – die Fernrohre blieben jedenfalls unter Verschluss. Und nachdem sich die letzten Nebelschwaden am Samstagmorgen endlich verzogen hatten, stiegen die Sternengucker bei minus fünf Grad durch den 30 Zentimeter tiefen Schnee ab in Richtung Firstbahn: «Wunderbar – solche Abenteuer vergisst man doch sein Leben lang nicht mehr», schwärmte ein trotz allem aufgestellter Bruno Stanek.
Neuer alter Speisesaal
Faulhornbesitzer Claudio Garbani und seine Ehefrau Ursula benutzten den Besuch des prominenten Gastes gleichzeitig zur Einweihung ihres neu restaurierten Speisesaales im Biedermeierstil. Dieser wurde seit dem Bau des Berghauses im Jahr 1832 im Originalzustand belassen und während der letzten zwei Jahre saniert: «Vor allem die Fenster hatten es nötig, und auch die Wände haben wir erneuert», sagt Ursula Garbani, Faulhorn-Besitzerin der dritten Generation. Der grosse Festsaal mit einem langen Original-«Table d'hôte», Tambour-Holzofen und Buffet bietet bei festlichen Anlässen bis zu 15 Personen Platz.
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