| Industriehalle 6 im Thuner Selve-Areal: Spagat zwischen Kommerz und Kultur
In der denkmalgeschützten ehemaligen Industriehalle 6 im Thuner Selve-Areal sollen Ausstellungsräume, Restaurant sowie Musik-, Theater- und Konferenzhalle entstehen. Der Gemeinderat hat das Projekt des Thuner Innenarchitekten und Designers Ueli Biesenkamp nach einer Ausschreibung im Juli dieses Jahres ausgewählt. Eine Absage erhalten hat die Stiftung Vaporama, die hier ein Dampfmaschinenmuseum realisieren wollte.
pd/bns. Nun ist laut einer Medienmitteilung klar, was in der ehemaligen Industriehalle 6 im Thuner Selve-Areal entstehen soll: Im Mittelteil eine Halle für Konferenzen, Musik und Theater, im westlichen und im östlichen Teil je ein Design-Ausstellungsraum und im Anbau ein Restaurant. Aus zwölf Bewerbungen habe sein Konzept den Thuner Gemeinderat am meisten überzeugt.
Etwa ab Sommer 2009 werde Thun um einen attraktiven Kulturraum reicher sein, verlautet im einzelnen: «In der denkmalgeschützten Halle 6 im ehemaligen Selve-Areal werden eine Halle für bis zu 350 Personen, Ausstellungsräume und ein Gastronomiebetrieb entstehen.» Realisator dieses «Kompetenzzentrums für Architektur, Design und Kultur» sei der Thuner Ueli Biesenkamp, Inhaber eines Unternehmens für Innenarchitektur und Design in der Berntorgasse: «Der Gemeinderat hat das Projekt nach einer Ausschreibung im Juli dieses Jahres aus zwölf Bewerbungen – davon zehn aus Thun und Region – ausgewählt. Ein Beurteilungsgremium bewertete unter anderem Nutzungsart und Idee, die Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Publikumsangebote in der Halle, den Ertrag für die Stadt, die Mietdauer, die Finanzierung und die Erfüllung der zentralen Auflage, das Kulturleben der Stadt Thun zu ergänzen und zu bereichern. Nach diesem Grundsatzentscheid wird mit Biesenkamp ein Mietvertrag über 15 Jahre abgeschlossen. Ebenfalls um die Halle 6 beworben hatte sich die Stiftung Vaporama, die aber nicht zum Zuge kam.»
Drei Bereiche der Halle
Gemäss dem gewählten Konzept wird laut der Medienmitteilung die Halle 6 mit einer Grundfläche von über 2800 Quadratmeter in drei Bereiche aufgeteilt, ohne dass die Struktur des Innenraums verändert wird:
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Im Mittelteil entsteht ein «Forum für Kultur», das vielfältig genutzt werden kann: Für Theater und Konzerte, für Ausstellungen, Konferenzen, Symposien und Vorträge. Maximal 350 Personen finden in diesem Gebäudeteil Platz. |
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Das nördlich angebaute Glashaus und das angrenzende Gebäude stehen für saisonale Anlässe, aber auch als Pausenraum oder fürs Catering zur Verfügung. |
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Die beiden Hallenflügel im Westen und Osten werden durch die «daskonzept ag» genutzt, um ihre Projekte auszustellen (im Westteil) beziehungsweise um ihr Designarchiv, das sich heute an zwei Orten in der Schweiz befindet, zentral unterzubringen. |
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Ein Restaurant wird sich im Winkelbau im Erdgeschoss befinden. Dieser Anbau gehört dem Architekten Heinz Brügger.
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Belebung des künftigen Wohnquartiers
Der Gemeinderat beurteile Biesenkamps Vorhaben als sehr passend für die gesuchte Nutzung der Halle 6 und die erwünschte Belebung des künftigen Wohnquartiers Selve, da
das kulturelle Angebot gut mit wirtschaftlicher Rentabilität kombiniert werde beziehungsweise der Spagat zwischen Kommerz und Kultur gelinge. Der künftige Mieter für die Programmation und Organisation der Kulturangebote werde jemanden anstellen, der oder die gewährleisten soll, dass die Halle aktiv genutzt und belebt wird. Die «daskonzept ag» werde Gewähr bieten für eine überzeugende aesthetische und architektonische Ausgestaltung der denkmalgeschützen Halle und des Restaurants, und damit alt und modern ideal kombiniert werden können». Trotz der hohen Qualität in der Halle 6 soll nicht ein elitäres Angebot geschaffen werden, «sondern etwas, von dem breite Bevölkerungsschichten profitieren werden.»
Eröffnung im Sommer 2009 angestrebt
Ein auf der Basis des Konzeptes entwickeltes Bauprojekt und soll voraussichtlich Anfang 2009 eingereicht beziehungsweise publiziert werden. Frühestens ab Frühjahr nächsten Jahres könnte der Beginn der Umbauarbeiten erfolgen. Die Eröffnung der umgestalteten Halle und des Restaurants soll im Sommer 2009 stattfinden.
Vaporama: Kein Kantonsgeld und Nein des Stadtrats
Die Stiftung Vaporama hatte im östlichen Teil von Halle 6 gemäss ihrer Eingabe zur jüngsten Ausschreibung ein Dampfmaschinen-Museum mit Begegnungszentrum und Restaurant auf etwa 750 Quadratmetern Fläche geplant. Heute seien die Dampfmaschinen der Stiftung auf dem kantonseigenen Areal der Schadaugärtnerei eingelagert. Der Kanton habe jedoch den Mietvertrag mit «Vaporama» per Ende 2008 gekündigt. Der Gemeinderat konnte aus folgenden Gründen nicht auf dieses Projekt eintreten:
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Der Thuner Stadtrat – das Parlament – hat am 22. September 2005 eine weitere Beteiligung an der Realisierung eines Dampfmaschinenmuseums der Stiftung Vaporama in der Halle 6 abgelehnt. Dies, nachdem der Kanton vorgängig erklärt hatte, ab 2006 keine weiteren Mittel mehr für «Vaporama» zur Verfügung zu stellen. |
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Seither hat sich an der Ausgangslage nichts geändert: Weder vom Bund noch vom Kanton gibt es Signale, dass die Stiftung mit regelmässigen Beiträgen unterstützt würde. |
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Ökonomisch betrachtet, sind die Bewerbung und die Mietzinsofferte von «Vaporama» deutlich schwächer beziehungsweise tiefer als mehrere andere Eingaben. |
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Eine Kombination der Nutzungen von «daskonzept» mit denjenigen von «Vaporama» erachtet die «daskonzept ag» als schwer realisierbar. |
Der Gemeinderat hat laut der Medienmitteilung der Stiftung «Vaporama» zugesichert, sie weiterhin auf der Suche nach allfälligen Lokalitäten für das Sammelgut durch das Amt für Stadtliegenschaften zu unterstützen. Dies habe der Gemeinderat auch bisher angeboten: «Zudem hat er sich an zahlreichen Gesprächen mit den zuständigen Kantons- und Bundesstellen beteiligt, um Lösungen für ‹Vaporama› zu finden.»
Bowling-Bahn aus verschiedenen Gründen abgelehnt
Trotz eines guten Mietzinsangebotes ebenfalls nicht zum Zug gekommen sei ein Projekt für eine Bowling-Bahn mit Billard und Gastronomie, heisst es im weiteren: «Hauptgrund für den negativen Entscheid ist die Tatsache, dass dieses Vorhaben nicht kultureller Natur ist – eine Auflage, die neben dem Gemeinderat auch der Kanton für eine Subventionierung der Halle gemacht hat.»
Kulturelle Nutzung von Halle 6 immer im Zentrum
Für die Halle 6, das unter Denkmalschutz stehende ehemalige Presswerk der Metallwerke Selve an der Scheibenstrasse 6 in Thun, habe der Gemeinderat von Anfang an eine kulturelle Nutzung vorgesehen, heisst es in der Medienmitteilung. Die Halle soll das künftige Wohnquartier beleben und bereichern. Passende Zusatznutzungen seien zudem im angebauten Winkelbau sowie in dem damit verbundenen ehemaligen Transformatorenhaus erwünscht.
Nach einer ersten öffentlichen Ausschreibung habe der Gemeinderat einem Projekt für ein Multiplex-Kino den Zuschlag erteilt, wird im weiteren erinnert: «Nachdem dessen Betreiber jedoch sein Mietzinsangebot im Frühjahr 2008 um über zwei Drittel reduziert hatte, schrieb die Stadt die Halle 6 ein zweites Mal aus.» Inzwischen habe Coop Berner Oberland die Halle ab August 2003 während eines Jahres als Ausweichstandort für sein Heim- und Hobby-Warenhaus an der Schulstrasse während dessen Umbau genutzt: «Coop investierte über fünf Millionen Franken in die Sanierung der Halle, konnte sie dafür aber unentgeltlich nutzen.
Auf die zweite Ausschreibung hatten sich laut der Medienmitteilung ursprünglich 13 Bewerber gemeldet. Einer habe sich später zurückgezogen, so dass noch zwölf blieben: «Das Spektrum der Projekte und Teilprojekte reichte von einem Zentrum für Perkussion, Tanz und Musik über Lounge-Theater, eine Markthalle als Sozialprojekt, eine Bowlingbahn, einen Indoor-Kinderspielplatz bis zu Kunst- und Handwerkateliers und dem Schweizerischen Dampfmaschinen-Museum der Stiftung Vaporama.»
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