| Thun: Zeugen der mittelalterlichen Altstadt entdeckt
Bei Untersuchungen des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern sind im Thuner Bälliz Reste mittelalterlicher Wohnhäuser sowie Teile der Stadtmauer und eines Turms ans Tageslicht gekommen. Diese bedeutenden Zeugnisse aus der Vergangenheit gehören zur Stadterweiterung im 14. Jahrhundert.
aid/bns. Heute erinnert kaum etwas daran, dass das Thuner Bälliz eine Erweiterung der mittelalterlichen Altstadt aus der Zeit um 1300 ist. Schriftliche Dokumente aus dieser frühen Zeit fehlen, der heutige Baubestand stammt weitgehend aus dem 20. Jahrhundert. Wegen eines bevorstehenden Neubaus im Bälliz 30 bot sich dem Archäologischen Dienst des Kantons Bern nun die seltene Gelegenheit, Zeugnisse aus der Thuner Vergangenheit ans Tageslicht zu bringen, bevor die Unterkellerung des neuen Gebäudes alle historischen Reste tilgt.
Die Untersuchungen des Archäologischen Dienstes ergaben, dass auf der Rückseite der Parzelle nicht nur die Stadtmauer, sondern auch ein halbrunder Turm aus der Zeit der Stadterweiterung erhalten ist. An diesen Turm baute man wenig später ein mindestens zweigeschossiges Steinhaus an, während sich gegen die Bällizgasse hin ein eingeschossiges Fachwerkgebäude befand. Wahrscheinlich im mittleren 14. Jahrhundert kam es zu einem grossen Umbau. Der Wehrturm wurde abgebrochen und vollständig neu errichtet. Ausserdem wurde der gassenseitige Holzbau abgebrochen und so erneuert, dass zwischen diesem und dem Steinhaus ein Hof entstand.
Im späten 14. oder eher im 15. Jahrhundert, kam es zu einem folgenschweren Bruch in der Entwicklung: Abgesehen von der Stadtmauer und dem Wehrturm wurden alle Bauten auf der Parzelle Bälliz 30 ersatzlos abgebrochen. Aus dem Wohngrundstück wurde ein Garten. Möglicherweise sind dies die Spuren einer «städtischen Binnenwüstung»: Wegen der Pestwelle ab dem Jahr 1347 und der darauf folgenden spätmittelalterlichen Agrar- und Wirtschaftskrise nahm die Bevölkerung in vielen Städten Europas markant ab. Deshalb gab es viele nicht mehr bebaute Grundstücke und leerstehende Gebäude. Vielerorts wurden diese abgebrochen und durch Gärten ersetzt. Erst im 19. Jahrhundert wurde das Grundstück Bälliz 30 wieder mit einem Haus, wohl einer Gerberei, überbaut.
Tag der offenen Tür am Freitag 29. Februar 2008. Der Archäologische Dienst präsentiert die Funde an einem Tag der offenen Tür. Führungen von Experten des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern, Bälliz 30, Thun: Freitag 29. Februar 2008, von 16.00 bis 19.30 Uhr. Treffpunkt: Baubrücke über der Äusseren Aare, auf der Höhe des Parkhauses City-West (Zugang von der Aarestrasse her).
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