| Unterseen: Solidarität für Kinder mit Autismus
Erfolgreiche Benefizveranstaltung «Solidarität für Kinder mit Autismus» im Hotel Beausite in Unterseen: Am Samstagabend konnte Hoteldirektor Bernard Müller zu dem Anlass rund 140 Gäste begrüssen. Der Reingewinn des Abends soll unter anderem dafür eingesetzt werden, dass zur Entlastung von Eltern etwa Ferien oder Ausflüge von autistischen Kindern bezahlt werden.
Am Benefizabend in Unterseen. Von links nach rechts: Samuel Spirgi, Präsident von Autismus Schweiz, André Pfanner, Geschäftsführer Autismus Schweiz sowie Beausite-Direktor und Vorstandsmitglied Bernhard Müller. (Bilder Dora Schmid-Zürcher)
ds. Beausite-Direktor Bernard Müller, selber Vorstandsmitglied von Autismus Schweiz befragte an der Benefizveanstaltung Samuel Spirgi, seit fünf Jahren Präsident von Autismus Schweiz und selber Vater eines Kindes mit Autismus, nach seiner Motivation. Spirgi antwortete, dass Eltern es einfacher haben sollten. André Pfanner, Geschäftsführer von Autismus Schweiz hat sich zum Ziel gesetzt, die Informationsstelle stark auszubauen, Autismus bekannter zu machen und die Sektionen bei Projekten zu unterstützen. Bernard Müller zeigte am Beispiel seines 13jährigen Sohnes – Dominic Müller ist das ersten Kind mit Autismus, das im Kanton Bern in die Schule integriert wurde – wie viele Personen in die Betreuung eines Autisten eingebunden sind: «Neben der eigenen Familie sind dies unter anderem die ABA-Supervisorin Cordilia Derungs.
Dominic am Computer, daneben seine Heilpädagogin Margarete Schmocker.
ABA (von «Applied Behavioral Analysis») gilt als die am meisten verbreitete, bestdokumentierte und die am häufigsten empfohlene Lerntherapie bei Autismus. Der Grundgedanke dieser Therapie besteht darin, dem Kind möglichst viele Lernmöglichkeiten anzubieten. Da Kinder mit Autismus nicht von ihrer Umwelt lernen, wird eine Therapiesituation geschaffen, in der das Kind möglichst viel von seiner Wachzeit zum Lernen nutzen kann, ähnlich wie andere Kinder, die ihre gesamte Wachzeit zum Lernen nutzen Das Behandlungsprogramm wurde vom Psychologen Ivar Lovaas in den sechziger Jahren entwickelt und im Verlauf der Jahre den neuesten Erkenntnissen angepasst. Es basiert auf umfangreichen klinischen Studien und auf über dreissigjähriger wissenschaftlicher und therapeutischer Erfahrung. Ziel ist, das Kind in seinen intellektuellen, sozialen und emotionalen Verhaltensweisen so zu fördern, dass es lernt zu lernen. So kann es besser vom schulischen und sozialen Angebot seines Umfeldes profitieren und ist mit zunehmendem Alter weniger auf professionelle Hilfe angewiesen.
Die therapeutische Arbeit findet anfangs zuhause statt. Während 30 bis 40 Wochenstunden arbeiten ausgebildete Therapeuten mit dem Kind in der Situation eins zu eins. Im Verlauf der Therapie werden die erworbenen Fertigkeiten auf das weitere soziale Umfeld des Kindes ausgeweitet.
Für Unterhaltung am Benefizabend waren das Komikerduo Ursus und Nadeschkin (vorne im Bild) sowie das Rimo-Quintett aus Ringgenberg besorgt.
Darüber hinaus helfen auch viele Freunde und Bekannte mit, darunter Oliver Stoldt, Organisator des Alpensymposiums, der beim Formulieren etlicher Briefe an Amtsstellen behilflich war, dass Dominic in die Schule integriert werden konnte. In der Schule in Leissigen wird Dominic neben seinem Lehrer Jürg Ogi von der diplomerten Heilpädagogin Margarete Schmocker betreut. Diese ist beim Regionalen Behindertenzentrum (RBZ) angestellt und steht Dominic in einem 50-Prozent-Pensum während der Schule zur Seite. Auch helfen viele freiwillige Frauen bei der Betreuung und Begleitung von Dominic mit.
«Die quirlige Welt immer besser ertragen»
In einem Brief schrieb der 13jährige Dominic Müller auf der Menukarte an die Benefizabendgäste: Wie geht es euch? So fragt man doch. Mir geht es so und so. Die guten Gefühle sind manchmal wechselnd wie das Wetter. Was tut es zur Sache? Gute Gefühle nehme ich beruhigend wahr. Andere Gefühle machen mich wirr. Ich kann das gut spüren, ob jemand gute Gefühle hat. So geht dann auch mein Können bachab. Es ist gut zu wissen, das ihr gute Gefühle habt. Sonst wärt ihr nicht da. Ich bin auch da, heute Abend. Mit Frau Schmocker. Ihr dürft mich auch etwas fragen. Ich werde ehrlich sein. Ertrage sicher diese quirlige Welt immer besser. Aber verstehe vieles immer noch nicht. In der Hoffnung das alles besser wird.» Und zu seinem gemalten Bild schreibt er: «Kinder sind gute Zuhörer. Ihr hoffentlich auch. Ich habe ein Bild gemalt. Es tut gut, es anzuschauen. Der Farbvulkan gefällt mir gut. Es ist eine prächtige Ewigkeit, die unsere Seele beflügelt. Eine gute Erde ist für alle dienlich. So gesehen gibt mir das Bild gute und positive Kraft, um eine so unruhige Welt, wie die Eurige zu ertragen. Ich nenne mein Bild «Traurigkeit in Hoffnung. – Dominic weilte dann kurz im Zelt bei den Gästen, aber auf die Frage seines Vaters, was er lieber machen wolle, sagte er kurz und bündig «Internet» und machte sich auf ins Büro an den Computer. Was ist Autismus?
Die Definition von Autismus auf der Homepage von Autismus Schweiz: Frühkindlicher Autismus, autistische Störungen, Asperger-Syndrom ... gehört zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Menschen mit Autismus nehmen aufgrund komplexer Störungen des zentralen Nervensystems (besonders im Bereich der Wahrnehmungsverarbeitung) sich und die Welt anders wahr. Sie haben vor allem Schwierigkeiten, Bedeutungen und Regeln innerhalb von Kommunikation und sozialem Verhalten zu erkennen. So bleibt die Welt für sie oft unverständlich, überwältigend und angstauslösend.
|