sth/bns. Ein Lektionen- oder Stellenabbau ist laut einer Medienmitteilung in Thun nicht vorgesehen, jedoch eine bedarfsorientierte Umlagerung von Lektionen: «Die eigentliche Umsetzung der verstärkten schulischen Integration erfolgt schrittweise ab August 2009 und soll im Jahr 2011 abgeschlossen sein.
Integrativere Volksschule
Mit zwei Beschlüssen in den Jahren 2001 und 2007 habe der Grosse Rat des Kantons Bern die Gemeinden beauftragt, eine gegenüber heute integrativere Volksschule aufzubauen, verlautet in der Medienmitteilung: «Konkret bedeutet dies, dass künftig möglichst wenige Kinder mit Lernschwierigkeiten separierende Schulungsformen wie Kleinklassen besuchen. Vielmehr sollen sie spätestens ab dem Schuljahr 2011/12 vermehrt integrativ in ‹normalen› Klassen, sogenannten Regelklassen, gefördert werden. Dies wird, wie die Thuner Bildungsvorsteherin Ursula Haller an einer Medienkonferenz erläuterte, sowohl neue Formen der Zusammenarbeit der verschiedenen Schul- und Erziehungsinstanzen wie auch Veränderungen im methodischen und didaktischen Bereich erfordern.» Integration habe dann Aussicht auf Erfolg, wenn die Tragfähigkeit der Regelschule so erweitert werde, «dass die Regelklasse einem breiteren Spektrum von Bedürfnissen und Leistungsfähigkeiten gerecht wird». Der für Thun zuständige Schulinspektor Bernhard Häsler habe betont, dass der Integrationsauftrag des Kantons an die Volksschulen kein Sparprojekt sei, sondern aus pädagogischen Überlegungen erfolge. Es sei sogar zu erwarten, dass das neue Modell höhere Kosten mit sich bringen werde.
Bisherige Integrationsprojekte ermutigend
«In Thun reagierten Eltern, andere Erziehungsberechtigte und auch die Kinder selber in den letzten Jahren vermehrt mit Widerstand auf eine Einweisung in eine Kleinklasse», heisst es im weiteren: «Nicht immer wird diese Massnahme geschätzt, was oft mit der befürchteten Stigmatisierung und einer gefürchteten geringeren Chance beim Einstieg in die Berufswelt begründet wird. Der Integrationsgedanke wird in den Medien immer wieder diskutiert und hat in der Bevölkerung den Willen gestärkt, das eigene Kind nur aus der Klassengemeinschaft heraus zu nehmen, wenn ein grosser Leidensdruck besteht.» In Thun seien in den letzten Jahren verschiedene Integrationsprojekte umgesetzt worden. Die bisherigen Erfahrungen machten Mut, deckten sie sich doch weitgehend mit den Resultaten von Studien: «Ob integrativ oder separativ, Ziel ist es immer, jedes Kind so zu unterstützen, dass es in seinem Können und seinen Fähigkeiten optimal gefördert wird und dass sein Potential voll entwickelt wird. Es gibt Kinder, bei denen dies mit Integration am besten gelingt, anderen dient der Aufenthalt für eine bestimmte Zeit in einer Klasse für besondere Förderung mehr.»
Gemeinden sollen eigene Strategie entwickeln
Seit Herbst 2007 liege, basierend auf dem Volksschulgesetz, die kantonale Verordnung über besondere Massnahmen (BMV) vor, auf deren Basis die Gemeinden eine eigene Strategie zur Umsetzung einer integrativeren Schule entwickeln sollen, wird in der Medienmitteilung erinnert. Bis Mitte 2009 müssten sie dem Kanton ein Integrationskonzept vorlegen: «Die seit Frühjahr 2006 in Thun laufenden Vorabklärungen des Amtes für Bildung und Sport (ABS) und einer Projektgruppe aus Fachleuten zeigten, dass die Stadt Thun auf gutem Weg ist: Da und dort bestehen bereits integrative Ansätze, und es wird rege über Ideen und Visionen diskutiert. Ziel ist eine pragmatische, jedoch keine dogmatische Integration ‹um jeden Preis›.» Thun müsse im Unterschied zu Bern und Biel keine Lektionen abbauen. Für die besondere pädagogische Förderung stünden gemäss kantonalem Lektionenpool insgesamt 1138 Wochenlektionen (einschliesslich 43 Lektionen für Hochbegabte seien es 1181) zur Verfügung: «Die vorhandenen Mittel sollen so bedarfsgerecht wie möglich eingesetzt werden.»
Ab August 2011 flächendeckend
Die Projektgruppe – voraussichtlich ab Februar als nichtständige Kommission – wird laut der Medienmitteilung bis Ende 2008 ein Konzept für die Stadt Thun erarbeiten. Der Gemeinderat werde sich mit diesem Thema im Frühjahr an einer Klausursitzung zur Bildungsstrategie befassen. Im Verlauf des Jahres 2009 soll das Konzept den Kommissionen und politischen Behörden unterbreitet werden, zudem würden die städtischen Rechtsgrundlagen angepasst. Die Budget-Entscheide fielen voraussichtlich in die Kompetenz des Stadtrates. Nach heutigem Zeitplan soll das neue System der verstärkten Integration von Schülern mit Lernschwierigkeiten ab August 2009 schrittweise eingeführt, ab August 2011 flächendeckend angewendet werden.
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