Christoph Egger, Leiter Angebot Berg bei den Jungfraubahnen (links) und der Direktor des Bergbahnenunternehmens, Walter Steuri (rechts) an der Medienorientierung vom Donnerstagabend in Interlaken. (Bild Dora Schmid-Zürcher)
ds/pkb/bns. Bei dem tödlich Verunfallten handle es sich um einen deutschen Staatsangehörigen, verlautete am Donnerstagabend an einer Medienorientierung in Interlaken. Die Zahl der Verletzten wurde mit drei angegeben: Eine deutsche Passagierin auf dem gleichen abgestürzten Zweiersessel wie der tödlich Verunfallte habe mittelschwere Verletzungen (Rücken- und Lendenwirbelverletzungen) erlitten, sei aber ansprechbar und zeige keine Lähmungserscheinungen. Bei den beiden anderen – beobachtet wurde ein zweiter abgestürzter Sessel – handle es sich um Australier: Eine Frau zog sich Rissquetschwunden und Knieverletzungen zu, während ein Mann mit Prellungen und einer Hirnerschütterung noch am Abend aus dem Spital entlassen werden sollte. 40 weitere Seilbahnpassagiere seien mit Kratzern und leichten Prellungen davongekommen.
Die Bergstation der Sesselbahn Fallboden. (Archivbild Dora Schmid-Zürcher)
Fest steht nach Angaben von Christoph Egger, Leiter Angebot Berg bei den Jungfraubahnen, dass das Seil aus den Rollen gesprungen sei. Am Donnerstag hätten teilweise böige Windverhältnisse geherrscht. Die Sesselbahn Fallboden verfüge über eine Windmessanlage. Bei 40 Kilometer in der Stunde erfolge eine Warnung, bei 60 Kilometer in der Stunde ein Alarm. Die Windverhältnisse seien regional sehr verschieden, weshalb die genaue Situation vor Ort zum Zeitpunkt des Unglücks nicht bestimmbar sei. Auf der Kleinen Scheidegg soll der Föhn am Donnerstag mit Geschwindigkeiten von bis zu 90 Kilometer pro Stunde geblasen haben. Diese Böenspitzen sollen nach Angaben von Meteo Schweiz bei der Messstation Eigergletscher gemessen worden sein. Ob und inwieweit der Föhn Unfallursache gewesen sein könnte, sei noch nicht klar. Ab 12.30 Uhr seien keine Passagiere mehr auf die Sesselbahn gelassen worden. Die Sesselbahn habe aber noch nicht abgestellt werden können, so lange noch Leute darauf waren. Wegen des starken Windes hätten nur die drei am schwersten Verletzten per Helikopter geborgen und ins Spital gebracht worden können. Die übrigen von insgesamt 75 Personen seien von fünf Zweierteams vom Sessellift auf den Boden abgeseilt worden. Die Bergung habe bis 14.25 Uhr gedauert.
Der Unfall hatte sich laut einer Medienmitteilung der Untersuchungsbehörden am Donnerstag 3. Januar 2008 kurz vor 13 Uhr bei der Sesselbahn Fallboden ereignet. Dabei wurden nach Angaben des Untersuchungsrichteramtes IV Berner Oberland und der Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe sowie der Kantonspolizei mehrere Personen verletzt: «Ein Mann verstarb noch auf der Unfallstelle.» Die 75 Personen, welche sich zum Zeitpunkt des Unfalls auf der Sesselbahn befunden hatten, konnten laut der Medienmitteilung evakuiert werden: «Die Unfallursache wird zurzeit abgeklärt; sobald weitere Erkenntnisse vorliegen werden die Untersuchungsbehörden weiter informieren.»
Die Sesselbahn Fallboden hatte nach Angaben der Jungfraubahnen ihre erste Konzession 1982 erhalten. im Jahr 2002 sei die Sesselbahn von einer Dreier- auf eine Zweiersesselbahn umgebaut worden. Im Jahr 2002 habe das Bundesamt für Verkehr (BAV) die Konzession bis zum 31. Oktober 2022 erteilt: «Die Betriebsbewilligung wurde 2005 für die Dauer der Konzession, also ebenfalls bis 2022, verlängert.» Die Bahn verfüge über 190 Sessel und 17 Masten und hat laut den Angaben eine Förderleistung von 1050 Personen pro Stunde und eine maximale Fahrgeschwindigkeit von 2,3 Meter in der Sekunde. Im Sommer seien die alljährlichen Unterhaltsarbeiten ausgeführt worden.
|