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| Der Vorstand des Gewerbevereins Ringgenberg-Goldswil an der Sommerausstellung im Dorfmuseum. Von links nach rechts: Manuel Scheller, Sekretärin Ruth Blatter, Kassier Orlando Gitz, Vereinspräsident Hanspeter Oberli, Jens Frutiger, Alice Mattmüller und Ueli Zurbuchen. (Bilder Dora Schmid-Zürcher) |
Hundert Jahre Gewerbeverein Ringgenberg-Goldswil Der Gewerbeverein Ringgenberg-Goldswil hat am Freitagabend mit einer Besichtigung der Sommerausstellung «Schuejere, wagnere und händelle» – 100 Jahre Gewerbeverein Ringgenberg im Dorfmuseum und mit einer Jubiläumsfeier im Festzelt auf der Burg sein hundertjähriges Bestehen gefeiert.
Vater Hans Blatter (links) und sein Sohn Roland vor dem Geschäftsschild von Grossvater Hans.
ds. Vor der Jubiläumsfeier zum hundertjährigen Bestehen des Gewerbevereins Ringgenberg-Goldswil besuchten gestern Freitag 18. Juli 2008 die Vereinsmitglieder im Dorfmuseum Schlossweid die Ausstellung «Schuejere, wagnere und händelle» – 100 Jahre Gewerbeverein Ringgenberg. Die Ausstellung über das alte Handwerk in Ringgenberg-Goldswil wurde zum Jubiläum vom Verein Dorf und Heimat mit Unterstützung des Gewerbevereins gestaltet. Einige ortstypische Handwerke wie die des Hafners, Schuhmachers, Steinhauers sind mit Originalwerkzeugen dargestellt. Eine grosse Fotoausstellung zeigt das vielfältige Schaffen aus vergangenen Zeiten, als das Handwerk noch goldenen Boden hatte. Anschliessend begrüsste Hanspeter Oberli, Präsident des Gewerbevereins Ringgenberg-Goldswil die Mitglieder im Festzelt auf der Burg. In seiner Ansprache streifte er kurz einige Daten aus der Chronik die von der Sekretärin Ruth Blatter aus alten Protokollen zusammengestellt wurde. Als Pionierleistung bezeichnete Oberli, dass am 12. Februar 1908 der Verein von 26 Personen mit dem Ziel eine Handwerkerschule zu eröffnen, mit einem Mitgliederbeitrag von sechs Franken (heute 120 Franken) gegründet wurde. Bereits im Mai 1908 seien ein Freihandzeichenlehrer und ein technischer Zeichner gesucht worden, damit die Schule starten konnte. Bereits 22 junge Leute – darunter zwei Mädchen – besuchten im Schuljahr 1914/1915 die Handwerksschule. Erst 21 Jahre nach der Eröffnung der Handwerksschule in Ringgenberg seien in Interlaken und Thun solche Schulen eröffnet und deswegen die Schule in Ringgenberg geschlossen worden.
Vor 50 Jahren gab es in Ringgenberg-Goldswil noch nicht weniger als vier Schuhmacher.
Der Chronik aus dem Jahr 1936 ist zu entnehmen, dass das Schnitzlergewerbe leidet und Auswege sucht. In der Firma Michel werden Radiogehäuse hergestellt und die Firma Abegglen-Boss und Sohn stellt Holzbügel her, die als Handgriffe für Damentaschen verwendet werden. Im Jahr 1945 wird eine Vertrauensmännerversammlung durchgeführt mit dem Ziel die Aktivitäten des Handels-und Gewerbevereins wieder aufleben zu lassen. Im Jahr 1951 findet eine umfangreiche Gewerbeausstellung im Hotel Bären statt. Im Sommer 1961 läuft das Gewerbe auf Hochtouren und 90 Fremdarbeiter bringen der Gemeinde Steuereinnahmen von 18 000 Franken.
Heute, im Jahr 2008, gibt es in Ringgenberg-Goldswil 104 Betriebe mit insgesamt an die 300 Vollzeitstellen, Von diesen Betrieben sind 62 aktive Mitglieder und einige passive Mitglieder im Gewerbeverein. Hanspeter Oberli freute sich darüber, dass sich das Gewerbe immer weiterentwickelt habe, innovativ geblieben sei und zahlreiche Arbeitsplätze, Lehrstellen sowie hochstehende Produkte und Dienstleistungen anbieten könne. Oberli wünschte sich auch für die Zukunft Mut für Veränderungen, Risikobereitschaft und ein gesundes Wachstum. Um auch in Zukunft stark und unentbehrlich zu bleiben, sei es das Ziel gemeinsam, alle Herausforderungen anzunehmen.
Einstmals viele Klein- und Einmannbetriebe
An der Jubiläumsfeier erinnerte sich der Ringgenberger Gemeindepräsident Hans von Allmen daran, dass es vor ungefähr 50 Jahren viele Klein- und Einmannbetriebe gab, unter anderem fünf Bäcker, vier Schuhmacher, diverse Lädeli aber auch bereits Grossbetriebe mit den vielen Steinbrüchen, in denen viele Einheimische aber auch Ausländer vor allem Italiener arbeiteten. In all den Jahren habe sich viel verändert und die Leute seien leistungsfähiger geworden. Lehrlinge hätten ausgebildet werden können und viele neue Gewerbe seien dazugekommen, die alle Arbeitsplätze geschaffen hätten. Er sei davon überzeugt, dass das Gewerbe konkurrenzfähig sei. Hans von Allmen zeigte auf dass die Gemeinde Ringgenberg für das Jahr 2005 Aufträge für rund 360 000 Franken an das einheimische Gewerbe habe vergeben können, 2006 bereits für 460 000 Franken und 2007 sogar für 670 000 Franken.
Grossrat Gerhard Fischer.
«Ein Standbein in der Region»
Grossrat Gerhard Fischer aus Meiringen, Präsident des Handwerker- und Gewerbevereins Oberhasli, überbrachte neben einem Check auch die Grüsse des Kantonalverbandes zu hundert Jahren engagierter Vereinsarbeit. Er eröffnete seine Ansprache mit den Worten: «Was alt ist hat bewiesen das es gut ist!» Das Gewerbe erfülle heute die Realisierung der lebenswichtigen Infrastrukturen und somit leiste auch der Gewerbeverein Ringgenberg-Goldswil einen wichtigen Beitrag und sei so ein Standbein in der Region. Laut Gerhard Fischer hat sich in den letzten hundert Jahren viel verändert, aber auch verbessert so habe sich die Jahresarbeitszeit drastisch reduziert. Ferien, Sicherheit und Gesundheitsvorsorge im Gewerbe seien heute eine Selbstverständlichkeit: Aber auch neue Produkte seien entwickelt worden. Ah der Mechanisierungsgrad im gesamten Gewerbe sei markant gestiegen.
Sommerausstellung «Schuejere, wagnere und händelle» – 100 Jahre Gewerbeverein Ringgenberg. Die am 21. Juni 2008 eröffnete Sommerausstellung im Dorfmuseum Schlossweid in Ringgenberg dauert noch bis 16. August. Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag 19 bis 21 Uhr sowie Samstag 14 bis 17 Uhr.
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