| Alpengarten Schynige Platte: Eine Blume namens Haller
Im botanischen Alpengarten Schynige Platte oberhalb von Wilderswil blüht gegenwärtig Hallers Spitzkiel. Der flaumige Schmetterlingsblütler ist nach dem Berner Universalgelehrten benannt, der die Blume im Jahr 1739 im Stockhorngebiet entdeckte.
Hallers Spitzkiel (Oxytropis halleri) blüht derzeit im Alpengarten Schynige Platte. (Bild zvg)
pd/bns. Im botanischen Alpengarten Schynige Platte oberhalb von Wilderswil sind die Arten, die Albrecht von Haller im Namen führen, zum 300. Geburtstag des Berner Gelehrten im Jahr 2008 speziell markiert. In den nächsten Tagen und Wochen blühen neben Hallers Spitzkiel auch Hallers Rapunzel, Hallers Laserkraut, das zierliche graue Haller-Greiskraut und Hallers schwarzrandige Margerite. Insgesamt stehen im Alpengarten derzeit über die Hälfte seiner 600 Arten in Blüte.Der in der Schweiz seltene Hallers Spitzkiel trägt heute den wissenschaftlichen Namen «Oxytropis halleri» – eine Ehre, aber kaum die Bezeichnung, die sich Albrecht von Haller gewünscht hätte. Denn der Name zeigt, dass sich das zweiteilige Namenssystem des schwedischen Botanikers Carl von Linné durchgesetzt hat. Haller dagegen verteidigte die traditionelle Nomenklatur, nach der alle Merkmale, die eine Art von den anderen unterscheiden, in einen langen lateinischen Namen verpackt wurden.
Im Namensstreit spiegelt sich das unterschiedliche Wissenschaftsverständnis der beiden Zeitgenossen: Der von Haller als «zweiter Adam» betitelte Linné brauchte vereinfachte Namen für seine weltweite Forschung. Haller hingegen beschränkte sich auf bestimmte Regionen, die er vertieft erforschte. «Bei der systematischen Einteilung der Pflanzen hatte Haller ein modernes Konzept: er versuchte, anhand möglichst vieler Merkmale die Verwandtschaften unter den Pflanzen zu rekonstruieren – während Linné für sein künstliches System ausschliesslich Blütenmerkmale benutzte», erläutert der Berner Botaniker und Haller-Forscher Luc Lienhard. «Auch in anderen Bereichen, etwa mit seiner Beschreibung der Ökologie der Pflanzen und der Höhenstufen, war Haller seiner Zeit voraus.» Für Haller musste Wissenschaft zudem der Menschheit einen Nutzen bringen; so beschäftigte er sich auch mit den Verwendungsmöglichkeiten der Pflanzen in Medizin, Industrie, Land- und Forstwirtschaft. Vom Respekt der Wissenschaft vor Hallers Werk – der ersten umfassenden Beschreibung der Schweizer Flora überhaupt – zeugen die vielen Pflanzen, die seinen Namen tragen. Carl von Linné benannte zu Hallers Ehren sogar eine südafrikanische Pflanzengattung. Im Gedicht «Die Alpen», mit dem der junge Albrecht von Haller 1729 die gebildeten Stände Europas erstmals für das wilde Gebirge begeisterte, kommt der Spitzkiel nicht vor, wohl aber in Hallers «Aufzählung der einheimischen Schweizer Pflanzen» . Darin erwähnte der Arzt, Anatomieprofessor, Ökonom, Politiker und Bergwerkdirektor, der die Botanik eigentlich nur als Freizeitvergnügen betrachtete, mit seinen 2000 Pflanzenarten bereits zwei Drittel der heute bekannten Schweizer Flora. Über 300 dieser Arten wurden von Haller zum ersten Mal wissenschaftlich beschrieben. Etliche Pflanzen bekam der Gelehrte von seinen «Pflanzenjägern» oder von Schülern und Bewunderern wie dem Spiezer Pfarrer Johann Jakob Dick zugesandt. Den auf trockene Rasen und Geröllhalden spezialisierten Spitzkiel, der sich von den anderen Spitzkielarten durch seinen flaumigen Verdunstungsschutz unterscheidet, fand Haller selber auf seiner Alpenreise von 1739 im Stockhorngebiet. Alpengarten 2008. Öffnungszeiten: täglich 7.30 bis 18.00 Uhr.
Eintritt frei.
Führungen nach Voranmeldung 50 Franken pro Gruppe (ab 20 Personen wird eine Gruppe geteilt).
Telefon 033 822 28 35.
Weitere Informationen sind unter www.alpengarten.ch zu finden. Anfahrt per Bahn (Interlaken Ost–) Wilderswil–Schynige Platte. Fahrzeit ab Wilderswil 50 Minuten www.jungfraubahn.ch – Gartenspaziergang. Zum Haller-Jubiläum bietet der Alpengarten Schynige Platte am 3. August um 14 Uhr noch einmal einen «Gartenspaziergang mit Albrecht von Haller» an. Weitere Haller-Jubiläumsanlässe www.haller300.ch
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