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| Maria (Joana Fee Würz Bildmitte) mit ihren Freundinnen. (Bilder Dora Schmid-Zürcher) |
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Thuner Seespiele: Premiere von «West Side Story»
Nach vorangegangenem Regenwetter – die Vorpremiere von «West Side Story» war bereits nach gut einer halben Stunde abgebrochen worden und auch die Ersatzvorstellung wurde bei leichtem Regen gespielt – ist gestern Dienstag auf der Thuner Seebühne an einem schönen Sommerabend die Premiere mit 2500 Besuchern gefeiert worden.
Die beiden Hauptdarsteller Maria (Joana Fee Würz) und ihr Toni (Lucius Wolter).
ds. Die mit 9,5 Millionen Franken budgetierte sechste Produktion der Thuner Seespiele – für die 28 Vorstellungen bis 30. August mit insgesamt 70 000 Tickets sind bereits 60 000 verkauft – ist nach Aussagen von Ueli Schmocker (Geschäftsleitung Spielbetrieb/Marketing) eine der verrücktesten, sowohl musikalisch als auch choreographisch. Auch die in Wien geborene Helga Wolf – sie ist für die Regie und die Choreographie verantwortlich – sowie Iwan Wassilewski, musikalischer Leiter der Thuner Seespiele seit 2003, stufen «West Side Story» als das anspruchvollste Musical überhaupt ein, da alle drei Elemente die Musik, der Tanz und der Gesang gleichgewichtig auf höchstem Niveau zu spielen seien. Das Musical sei eine grosse Herausforderung sowohl für das 28köpfige Orchester – die Musiker spielen zum Teil bis vier Instrumente – als auch für die 43 Darsteller.
Die österreichische Regisseurin Helga Wolf sieht in einer gleichen Gewichtung von Tanz, Gesang und Schauspiel zudem für eine Freilichtbühne einerseits eine grosse Herausforderung, auf der anderen Seite einen grossen Reiz: «Das Stück wirft die Einwanderungsproblematik der fünfziger Jahre in New York auf. Inzwischen hat Europa das Problem längst eingeholt. Kinder mit Emigrationshintergrund haben weniger Chancen auf Bildung. Arbeitslosigkeit mit Perspektivlosigkeit vervollständigt das Bild und der Weg zur Kriminalität ist kurz.» Helga Wolf erklärt, ihr liege nun sehr daran, diese Problematik bei der Inszenierung mit zu bedenken, das Stück zeitnah oder zeitlos zu behandeln, die Menschen damit zu berühren, ihnen die Chance zu geben, eventuelle Parallelen zu erkennen, jedoch ohne mahnend den Zeigefinger zu erheben und belehren zu wollen. Die beiden verfeindeten Gruppen die Jets (oben) und die Sharks (unten)
Viel grösser als eine normale Bühne
«West Side Story» ist das einzige Musical, in dem rund 50 Minuten getanzt wird. Es wird jedoch nicht nach der Originalchoreografie getanzt. Als ein Grund dafür wird angegeben, dass die Bühne mit 40 Meter viel grösser als eine normale Bühne sei und mit dem Tanz gefüllt werden müsse. Das Orchester spiele im Gegensatz zum Original nur mit einem Schlagzeug dafür jedoch als Welturaufführung mit zwei Bratschen, wobei die beiden Bratschisten die Noten selber geschrieben haben. Das mit rund 4000 Lichtquellen ausgestattete Bühnenbild wirke in diesem Jahr auch vom See aus, da es transparent sei. Die rund 600 Tonnen Stahl – alles sei vor Blitzen geschützt – seien in vier Wochen aufgebaut worden. Den textlichen Hintergrund bildet eine neue Version der Romeo-und-Julia-Liebesgeschichte. Die Liebe fällt ausgerechnet zwischen zwei rivalisierende New Yorker Strassengangs, die Jets und die Sharks. Diese Idee dazu hatte der berühmte, 1998 im Alter von 80 Jahren in New York verstorbene US-Choreograph Jerome Robbins. Die Urversion schrieb Stephen Sondheim. Die deutsche Übersetzung, die in Thun gespielt wird, stammt von Frank Thannhäuser und Nico Rabenald. «West Side Story» bietet mit seinen Tanzszenen, der reichhaltigen Musik, die viele Musikgenres umfasst – von Jazz bis Klassik, von italienischer Oper bis Latin-Salsa – perfektes Unterhaltungstheater. Zur berühmten Musik tragen eine ganze Reihe von Hits bei, wie «Maria», «I Feel Pretty», «Somewhere» oder «America» umfasst, komponierte Leonard Bernstein (1918 bis 1990).
Mit 2500 Besuchern war die Premiere am Dienstagabend ausverkauft. Anstelle von verfeindeten Familien rivalisierende Jugendbanden
Mehrere Jahre lang hatte der Choreograph Jerome Robbins den Komponisten Leonard Bernstein mit der Idee zu einem neuen Projekt bearbeitet: Shakespeares «Romeo und Julia» sollte aktualisiert und als Musical am Broadway herausgebracht werden. Bernstein zeigte zwar Interesse, ihm fehlte neben seiner Tätigkeit als Dirigent und Komponist jedoch die Zeit, Robbins
Idee ernsthaft zu verfolgen. Nach Abschluss seines «Candide» machte er sich dann aber gemeinsam mit Arthur Laurents (Buch) und Stephen Sondheim (Liedertexte) an die Arbeit. Zunächst
planten die Autoren, den Konflikt zwischen einer christlichen und einer jüdischen Familie anzusiedeln. Laurents und Bernstein hatten aber schliesslich die geniale Idee, die Handlung an die
New Yorker West Side zu verlegen und statt der verfeindeten Familien zwei rivalisierende Jugendbanden einzuführen. Die Premiere im Jahr 1957 legte den Grundstein für den weltweiten Erfolg dieses Musicals, das Tanz, Gesang und Musik stärker als die meisten vorher entstanden Werke in die Handlung mit einbezog und dadurch auch zum grossen Vorbild vieler späterer
Musicalkomponisten wurde.
«Jesus Christ Superstar» im Sommer 2009. Das nächste Musical «Jesus Christ Superstar» von Andrew Lloyd Webber wird im Sommer 2009 vom 14. Juli bis 29. August 2009 auf der Thuner Seebühne gespielt.
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| Bild links: Maria (Joana Fee Würz) und Toni (Lucius Wolter) feiern «Hochzeit». – Bild rechts: Vor der Premiere spielte die Alphornbläserin Eliane Burki unter anderem eine Alphorn-Welturaufführung mit dem West-Side-Story-Lied «Maria» von Leonard Bernstein. |
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| «West Side Story» ist das einzige Musical, in dem insgesamt rund 50 Minuten getanzt wird. |
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