Schweiz/Japan: Alpengärten feiern Verschwisterung
Vertreter der Alpengärten Rokko (Japan) und Schynige Platte haben am Samstag einen Verschwisterungsvertrag unterzeichnet. Mit ihrer Zusammenarbeit wollen die Gärten ein grösseres Publikum erreichen.
Hitoshi Ueda, Peter Wenger, Otto Hegg und Norio Amai (von links nach rechts) unterzeichnen den Verschwisterungsvertrag der Alpengärten Rokko und Schynig Platte. (Bild zvg)
pd/bns. «Die Schönheit der Natur gehört zu den wertvollsten Gütern eines Landes und ist Grundlage des Tourismus», sagte Nicole Diermeier, als sie am Samstag die Glückwünsche von Schweiz Tourismus auf die Schynige Platte brachte. Den beiden Gärten, die sich in Japan und in der Schweiz seit Jahrzehnten für die Erhaltung der Naturschätze einsetzen, wünschte Diermeier Erfolg in ihrem Bemühen, die Menschen für den Naturschutz zu sensibilisieren, «damit sich die Gäste beider Länder auch in Zukunft an der Schönheit der Natur erfreuen können». Identische Zwillinge sind die beiden neuen Geschwister allerdings nicht. So zeigt der botanische Alpengarten Schynige Platte ausschliesslich Pflanzen aus den Schweizer Alpen, während der botanische Alpengarten Rokko Pflanzen der alpinen Stufe aus aller Welt sammelt. «Unter unseren 1500 Pflanzenarten findet man die Dicentra peregrina, die Königin der japanischen Alpenflora, ebenso wie Baum-Rhododendren aus Nepal oder das europäische Edelweiss», erklärte Hitoshi Ueda, Direktor des Alpengartens Rokko.
Und anders als der Alpengarten Schynige Platte, der seit seiner Gründung im Jahr 1927 neben dem Tourismus auch der wissenschaftlichen Erforschung von Pflanzen und ökologischen Zusammenhängen dient, ist der sechs Jahre jüngere Alpengarten Rokko, der vom Tourismusunternehmen Hanshin Leisure Facilities betrieben wird, ganz auf die Präsentation der schönsten Blumen und auf Erholung ausgerichtet. Dazu gehören auch Blumenfeste wie das «Schweizer Festival» im Frühling, wenn Edelweiss, Enzian und Alpenrosen blühen.
Bei allen Unterschieden haben die beiden Alpengärten aber ein gemeinsames Ziel: Sie wollen möglichst viele Besucher die Vielfalt der Flora nahebringen und damit das Verständnis für die Natur und für den Sorgsamen Umgang mit Natur- und Kulturlandschaften fördern.
Neue Herausforderungen
Um ein möglichst grosses Publikum zu erreichen, werden die Gärten in Zukunft touristisch zusammenarbeiten und in allen Bereichen Informationen austauschen. Zudem will der Alpengarten Rokko mit Samen von der Schynigen Platte noch mehr Schweizer Blumen ziehen.
Ganz besonders freut sich Hitoshi Ueda auf den Gelben Enzian, der zu den eindrücklichsten Hochstauden der Schweizer Flora gehört – und auf die neuen gärtnerischen Herausforderungen, welche die neuen Pflanzen stellen. Denn die Pflanzen aus den Schweizer Alpen tun sich in Japan besonders mit der Feuchtigkeit und der geringen Höhe schwer, liegt doch der Alpengarten am Berg Rokko nur 865 Meter über der Küstenstadt Kobe: «Wir versuchen aber, durch spezielle Böden Bedingungen zu schaffen, unter denen diese Pflanzen auch bei uns gedeihen.»
Lange Zusammenarbeit
Die Alpengartenverschwisterung setzt eine lange und gute Zusammenarbeit zweier Tourismusregionen fort, wie Norio Amai, Präsident der Hanshin Leisure Facilities Company, Peter Wenger, Präsident des Alpengartens Schynige Platte, und Urs Kessler, designierter Direktor der Jungfraubahnen, am Samstag betonten. Die Unterzeichnung des Vertrags feierten die Delegationen der beiden Gärten mit der Enthüllung einer Gedenktafel, dem Austausch von Geschenken, Jodelliedern und Alphornklängen, einer Besichtigung des restaurierten Hotels und einer botanischen Führung mit dem wissenschaftlichen Leiter des Alpengartens Schynige Platte, Otto Hegg.
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