| Thun: Ausbau der Angebote für Drogensüchtige
Mit einem schrittweisen Ausbau der Angebote des Spritzentausches, der Tagesstrukturen, des betreuten Wohnens und der Notschlafstelle soll die Betreuung der Thuner Drogen- und Alkoholabhängigen verbessert werden. Diese Einzelmassnahmen ersetzen die ursprünglich geplante Kontakt- und Anlaufstelle in Thun und entlasten diejenige in Bern. Der zweijährige Versuch wird durch den Kanton finanziert.
sth/aid. Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern hat laut einer Medienmitteilung einen Kredit aus dem Fonds für Suchtprobleme von 1,13 Millionen Franken für zwei Jahre an den Betrieb und 83 000 Franken für Investitionen gesprochen. Dieser Fonds werde gespiesen durch den Alkoholzehntel, die Abgaben gemäss Gastgewerbegesetz und die Abgaben von Spielbanken und dem Lotteriefonds Swisslos. Mit dem Kredit sollen die bestehenden Angebote – Spritzentausch, geschützte Arbeitsplätze, betreutes Wohnen und Notschlafstelle – ausgebaut und die Öffnungszeiten verlängert werden: «Gleichzeitig hat sie flankierende Massnahmen für die Anlaufstelle in der Stadt Bern beschlossen.»
«In der Stadt mit Zentrumsfunktion hält sich eine Gruppe von 30 bis 40 chronisch Drogen- und Alkoholabhängigen im öffentlichen Raum in Thun auf», wird in der Medienmitteilung erinnert. Mit dem von der Gesundheits- und Fürsorgedirektion für zwei Jahre bewilligten Kredit von 1,13 Millionen Franken sollen die bereits bestehenden Angebote ausgebaut werden. Dies habe auch einmalige Investitionskosten von 83 000 Franken zur Folge. Mit den Beiträgen aus dem Fonds für Suchtprobleme können laut der Medienmitteilung folgende schadensmindernde Massnahmen getroffen werden:
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Spritzentausch: Die Öffnungszeiten werden verlängert. Gleichzeitig soll eine Aufenthaltsmöglichkeit eingerichtet werden. |
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Werkstatt 18: Das bestehende Angebot an geschützten Arbeitsplätzen wird ausgebaut und optimiert, die Öffnungszeiten werden verlängert. Für nicht arbeitende Klienten soll eine Aufenthaltsmöglichkeit eingerichtet werden. |
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Notschlafstelle: Die Öffnungszeiten werden verlängert. Das Verbot von Drogenkonsum soll für Besucher der Notschlafstelle aufgehoben und ein Raum für die Konsummöglichkeit eingerichtet werden. |
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Villa Schlossberg: Das Angebot des betreuten Wohnens wird optimiert und ausgebaut. Zudem soll der bestehende Hygieneraum benutzerfreundlicher geführt werden. |
Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion geht laut Medienmitteilung davon aus, dass mit diesem Ausbau des bestehenden Angebotes in Thun auch die Stadt Bern entlastet werden könne: «Um diese Entlastung zu gewährleisten, hat sie flankierende Massnahmen für die Kontakt- und Anlaufstelle Bern beschlossen. So kann diese Stelle in der Stadt Bern inskünftig Drogenabhängige aus dem Oberland abweisen.» Da die Stadt Thun über keine Kontakt- und Anlaufstelle verfüge, hätten zahlreiche Drogenabhängige aus dem Oberland das Angebot in der Stadt Bern genutzt. Aus diesem Grund habe der Regierungsrat auf Antrag des Thuner Gemeinderates bereits im März 2006 einen Kredit für das Einrichten einer solchen Stelle bewilligt: «Der Gemeinderat der Stadt Thun hat nach einer Bedarfsanalyse entgegen seiner ursprünglichen Absicht beschlossen, auf eine Kontakt- und Anlaufstelle zu verzichten. Dies führte zu Missstimmungen zwischen den Städten Bern und Thun und zu parlamentarischen Vorstössen im Grossen Rat. Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion hat es dann übernommen, die vom Regierungsrat gutgeheissene strategische Ausrichtung der dezentralisierten und schadensmindernden Angebote für Thun stadtverträglich durchzusetzen. In intensiven Verhandlungen ist nun die vorliegende Lösung mit dem Ausbau der bestehenden Angebote ausgearbeitet worden.»
Da der Thuner Gemeinderat die Akzeptanz einer Kontakt- und Anlaufstelle in Thun bei der Bevölkerung laut einer Medienmitteilung aus Thun als gering einschätzt, «verzichtet er auf die Schaffung einer solchen, ebenso auf ein Café Social, wie es vom Kanton angeregt worden ist. Stattdessen werden bestehende Institutionen in Thun ihre Angebote ausbauen und damit nach Überzeugung von Stadt und Kanton ebenfalls eine Schadensminderung bewirken.»
Diese Angebote sollen bis im Herbst dieses Jahres sukzessive eingeführt werden: «Da zu erwarten ist, dass die Kontakt- und Anlaufstelle in Bern ab Herbst nicht mehr von Abhängigen aus Thun frequentiert werden darf, sollen die Betroffenen während einiger Monate durch einen vom ‹Contact›-Netz Thun-Oberland eingesetzten Sozialarbeiter auf die ergänzten Angebote in Thun hingewiesen werden.»
Finanzierung aus Suchtfonds
Die Finanzierung dieser Ausbauschritte erfolgt nach Angaben aus Thun zu Lasten des kantonalen Suchtfonds aus den ursprünglich für eine Kontakt- und Anlaufstelle Thun bewilligten Mitteln: «Es wird mit jährlichen Kosten von 565 000 Franken gerechnet. Dazu kommen einmalig 83 000 Franken für bauliche Anpassungen und die aufsuchende Sozialarbeit. Auswertung im Herbst 2010 «Nachdem die Finanzierung nun gesichert ist, werden die beteiligten Institutionen die Detailplanung vornehmen und insbesondere die Öffnungszeiten koordinieren», heisst es abschliessend: «Die Wirkungen dieses Angebotsausbaus werden laufend, spätestens aber im Sommer 2010 durch die begleitende Steuergruppe ausgewertet. Über die Weiterführung der Angebote und die Überführung in eine ordentliche Finanzierung durch die Lastenverteilung wird anschliessend entschieden.»
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