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Montag 23. Juni 2008
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Alpengarten Schynige Platte: Herrn von Hallers Freizeitvergnügen

Im Rahmen der Hauptversammlung des Vereins Alpengarten Schynige Platte vom letzten Samstag hat der Vereinsvorstand zum 300. Geburtstag von Albrecht von Haller einen Auftritt des Berner Universalgelehrten organisiert.

An seinem 300. Geburtstag verglich Albrecht von Haller (Hanspeter Grossniklaus) im Alpengarten Schynige Platte die heutigen Alpen mit seinem Gedicht, das im Jahr 1729 eine europaweite Alpenbegeisterung ausgelöst hatte. (Bild zvg)

pd/bns. Albrecht von Haller gehöre zu den Vätern der modernen Botanik und des Alpentourismus, wird in einer Medienmitteilung erinnert: Neugierig auf die Folgen seines Wirkens habe der Gelehrte zu seinem 300. Geburtstag den Alpengarten Schynige Platte besucht: «Die Hauptversammlung des Alpengartens Schynige Platte ging am Samstag zu Ende, als vom Faulhorn her ein Herr in Rock und Schnallenschuhen, mit Wanderstab und Botanisierbüchse des Weges kam und sich zu den versammelten Gartenfreunden gesellte. Einige Anwesende glaubten zwar, unter dem Dreispitz das Gesicht des Oberländer Lehrers Hanspeter Grossniklaus zu erkennen. Als aber der Berner Botaniker und Haller-Forscher Luc Lienhard den Besucher ansprach, stellte sich heraus, dass dieser geradewegs aus dem 18. Jahrhundert kam.»

Tourismuspionier
Der Berner Universalgelehrte Albrecht von Haller, der dieses Jahr seinen 300. Geburtstag feiert, habe dem Publikum auch gleich einige Verse aus seinem Gedicht «Die Alpen» vor, das im Europa des 18. Jahrhunderts eine grosse Begeisterung für Alpenblumen, Alpenreisen im allgemeinen und den (im Gedicht gar nicht beschriebenen) Staubbach im Besonderen auslöste, verlautet im weiteren: «Dass vom Tourismus heute ganze Täler gut leben, interessierte Herrn von Haller, hatte er sich doch sehr um Verbesserungen für das bernische Landvolk bemüht.»
Wenig erbaut habe sich der Verfasser der ersten umfassenden Schweizer Flora von den Namensschildern der Blumen im Alpengarten, auf denen die kurzen, zweiteiligen Namen seines Freundes und Konkurrenten Carl von Linné prangen: «Dabei waren meine Beschreibungen viel genauer.» Kein Trost war, dass die Pflanze, die Haller selber «Anemone tubis caudatis, involucris multifidis, foliis hirsutis, pinnatis, pinnis acute lobatis» nannte, heute zu seinen Ehren «Pulsatilla Halleri» heisst.

Moderner Wissenschafter
Der hauptberufliche Arzt Haller betonte zwar, dass er die Botanik nur als «Freizeitvergnügen» betrieben habe. Er vernahm dann aber doch mit Wohlgefallen, dass heutige Botaniker seine Art, die Pflanzenarten systematisch nach Verwandtschaften zu ordnen, dem oberflächlicheren System Linnés vorzögen und dass auch seine umfassenden Beobachtungen in der Medizin, in der Landwirtschaft und in der Ökologie bis heute nachwirkten: «Als er schliesslich hörte, dass er vor 250 Jahren schon 90 Prozent der 600 Alpengarten-Pflanzenarten beschrieben habe und dass der Alpengarten sowohl als touristische Attraktion als auch als Forschungseinrichtung in der Tradition seines Schaffens stehe, beschloss Herr von Haller, bald wieder vorbeizukommen – hoffend, auch dann noch viele der ihm wohlbekannten Pflanzen in den Bergen und im Alpengarten trotz den gegenwärtigen grossen Veränderungen von Landwirtschaft und Klima anzutreffen.»

Hauptversammlung
An der Hauptversammlung des Alpengartens orientierte Vereinspräsident Peter Wenger über den im Jahr 2008 eingeführten Versuch, mit der Integration des Alpengarten-Eintritts in das Billett der Schynige-Platte-Bahn mehr Besucher anzusprechen. Gleich mehrere neue Forschungsarbeiten und Kurse hat das Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern im Alpengarten und der seit 1930 mit betreuten Versuchsweide für die nächsten Jahre geplant oder zum Teil schon begonnen. Markus Fischer, Professor für Pflanzenökologie am Institut für Pflanzenwissenschaften, wurde am Samstag neu in den Alpengarten-Vorstand gewählt. Neu gewählt wurde auch Heinrich Mühlemann, der von Urs Weisskopf das Personalwesen übernimmt. Urs Weisskopf trat nach acht Jahren aus dem Vorstand zurück. Auch Walter Steuri demissionierte, nachdem er 16 Jahre lang für die gute Zusammenarbeit zwischen Bahn und Alpengarten gesorgt hatte. Im Jahr 2007 war mit seinen 26 000 Besuchern zwar nur ein durchschnittliches Geschäftsjahr für den Alpengarten, wie Kassier Hans Ringgenberg berichtete.

Alpengarten 2008. Öffnungszeiten: täglich 7.30 bis 18.00 Uhr. Eintritt: frei. Führungen nach Voranmeldung 50 Franken pro Gruppe (ab 20 Personen wird eine Gruppe geteilt). Telefon: 033 822 28 35 – Weitere Führungen mit Albrecht von Haller im Alpengarten Schynige Platte. am 6. Juli und 3. August jeweils um 14 Uhr. Weitere Anlässe zum Haller-Jubiläum www.haller300.ch / www.alpengarten.ch / Anfahrt: per Bahn (Interlaken Ost) WilderswilSchynige Platte: Fahrzeit ab Wilderswil: 50 Minuten / www.jungfraubahn.ch

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