| Brienz: «Politisches Ränkespiel ohnegleichen»
Die Interessengemeinschaft Tourismus Brienz (IGTB) bezichtigt den Gemeinderat einer Hinhaltetaktik und spricht von einem politischen Ränkespiel ohnegleichen: «Der Gemeinderat Brienz und der Verein Haslital-Tourismus haben mit ihrem Vorpreschen und den Heimlichkeiten den bestehenden Riss nicht gekittet, sondern den totalen Bruch veranlasst.»
pd/bns. Aus den Medien hätten die Mitglieder der IGTB, das Gewerbe und der Hotelierverein vernehmen müssen, heisst es in einer Medienmitteilung, dass der Gemeinderatspräsident – siehe auch Brienz bleibt vorerst bei Haslital-Tourismus vom Donnerstag 12. Juni 2008 – eine weitere Leistungsvereinbarung mit dem Verein Haslital-Tourismus bis 31. Dezember 2010 vereinbart und diese bereits am 2. Juni unterzeichnet habe. Als Vertreter des Volkes habe es der Gemeinderatspräsident nicht einmal als notwendig erachtet, die IGTB sowie die touristischen Anbieter aus Brienz vorgängig zu informieren. Das Fazit der IGTB: «Aus den chronologischen Daten und anhand der genauen Ausführungen sowie der von den Sitzungen erstellten Protokolle liegt der Beweis eindeutig vor, dass die Aussage von Peter Flück betreffend nicht eingereichter Unterlagen nicht stimmt, denn diese wurden von der IGTB lückenlos unterbreitet sowie zum Teil besprochen.»
«Bürger kurzerhand entmündigt»
Brienz und seine touristischen Angebote würden innerhalb des Vereins Haslital-Tourismus durch drei Vorstandsmitglieder vertreten, schreibt die IGTB in ihrer Medienmitteilung: «Ein einziges dieser Mitglieder hat einen direkten Bezug zur Tourimusbranche Brienz. Obgleich Peter Flück immer wieder unterstreicht und erwähnt, dass er kein Touristiker sei und sich nicht auch noch zusätzlich mit dieser Problematik auseinandersetzen wolle, entscheidet er, entgegen den Forderungen der Touristiker, die Leistungsvereinbarung erneut mit dem Verein Haslital-Tourismus für die Jahre 2009 und 2010 einzugehen. Der Gemeinderatspräsident behauptet, er und der Rat müssten ihre Verantwortung wahrnehmen und zum Wohl von Brienz entscheiden. Er handelt ohne Rücksicht auf den Willen der touristischen Leistungsträger aus Brienz, welche er mit allen anderen Bürgern kurzerhand entmündigt. Es sei bedacht, dass nicht der Gemeinderat sondern die touristischen Leistungsträger die Konsequenzen dieser verfehlten Tourismuspolitik zu tragen haben. Er unterstützt den Verein Haslital-Tourismus, der sich für die eigenen Interessen stark macht, eine Organisation die über die Köpfe der Mitglieder hinweg wichtigste Entscheidungen wie die der Namensänderung getroffen hat, eine Organisation in welcher kaum Touristiker vertreten sind, eine Organisation welche auf die Anstellung eines Tourismusdirektors verzichten kann, eine Organisation, welche sich dazu berechtigt fühlt, den lukrativen Direktionsposten unter zwei Vorstandsmitglieder aufzuteilen.»
Gemeindeinitiativen
Die Interessengemeinschaft Tourismus Brienz habe am 16. Mai 2008 bei der Gemeindeverwaltung Brienz zwei Initiativen eingereicht, wird in der Medienmitteilung im weiteren erinnert: «Diese Gemeindeinitiativen erlauben es bei Annahme durch den Souverän, dass die durch die Brienzer einbezahlten Gelder tatsächlich für den Brienzer Tourismus verwendet und durch die Brienzer Leistungsträger, vertreten durch die IGTB, verwaltet werden.» Es sei hervorgehoben, dass die Brienzer Tourismusanbieter zum Beispiel im Jahr 2007 mehr Übernachtungen (155 745) als Meiringen (145 101) generiert hätten, was 6,8 Prozent entspreche. Die IGTB bitte daher alle Bürger von Brienz, diese Initiativen zu unterzeichnen und danke für die wichtige Unterstützung der lokalen Tourismusanliegen. Die IGTB als Vertreter der touristischen Anbieter und des Gewerbes von Brienz halte mit aller
Deutlichkeit fest, dass sie die unterschriebene Leistungsvereinbarung auf keinen Fall akzeptiere: «Die IGTB nimmt Bezug auf die Offerte der Gemeinde und des Haslitals und verlangt, für die Dauer des bestehenden Vertrages, dass sofort zwei Vertreter aus den eigenen Reihen in den Vorstand des Vereins Haslital-Tourismus delegiert werden können. Ferner wünscht die IGTB einen Einsitz im Marketingausschuss.
Eine Chronologie der IGTB (im Wortlaut)
Der Hotelierverein hat den Gemeinderat im Jahr 2007 aufgefordert, die Leistungsvereinbarung mit derAlpenregion vorbehaltlos auf den 31. Dezember 2008 aufzukündigen. Diese Massnahme wurde für die Gemeindeversammlung vom 13. Dezember 2007 traktandiert. Nach langem Hin und Her wurde der mit Vorbehalten und Bedingungen versehene Kündigungstext abgeändert und die bedingungslose und vorbehaltlose Kündigung kurz vor der Gemeindeversammlung unterzeichnet. Durch dieses Vorgehen konnte der Gemeinderat das Traktandum «Austritt aus der Tourismusorganisation Alpenregion» kurzerhand streichen und verhinderte somit, dass die sehr zahlreich erschienenen Stimmbürger ihre Meinung kundtun konnten. Interessanterweise wollte der Gemeinderat bereits damals der Kündigung einen Passus anfügen, wonach die Gemeinde jederzeit berechtigt sei, eine neue Leistungsvereinbarung mit dem Tourismusverein Alpenregion zu unterzeichnen. Dieser Absatz wurde jedoch auf nachdrückliche Forderung der Touristiker gestrichen. Die Touristiker und die Gewerbetreibenden hatten vorgängig bereits die Interessengemeinschaft Tourismus Brienz (IGTB) gegründet, welche die Synergien bündelt, die Interessen der Touristiker vertritt und gegenüber dem Gemeinderat und den anderen touristischen Organisationen als Sprachrohr auftritt. Es schien als würden die Interessen und Bedürfnisse des Brienzer Tourismus endlich ernst genommen. Mit viel Engagement begannen Tourismusinteressierte und Vertreter des Gewerbes gemeinsam konkrete Pläne für eine positive touristische Zukunft zu schmieden und diese Projekte umzusetzen.
21. April 2008: An der ausserordentlichen Vorstandsitzung der IGTB vom 21. April stellt der Präsident Martin Casagrande unter anderem fest, dass die IGTB, trotz grosser Demarchen und Vorbereitungsarbeiten für die touristische Zukunft von Brienz von der Alpenregion nichts gehört habe und auch die geforderten Infos nicht erhalte. Er hege die Befürchtung, dass es durchaus möglich sei, dass die Gemeinde bereits eine unterzeichnungsbereite Leistungsvereinbarung mit der Alpenregion zusammengestellt habe.
22. April: Sitzung Ausschuss der IGTB mit dem Gemeinderat. Martin Casagrande fragt konkret, ob die Gemeinde eine Leistungsvereinbarung mit der Alpenregion vorbereite. Der Rat lehnt solch ein Ansinnen vehement ab.
25. April: Persönliches Gespräch von Martin Casagrande in seinem Büro mit Peter Flück, in welchem er dem Gemeinderatspräsidenten erneut eine ehrliche, kollegiale
Zusammenarbeit der IGTB im alleinigen Interesse des Tourismus von Brienz anbietet. Peter Flück nimmt diese gerne an und wünscht ebenfalls eine gute und konstruktive Kooperation. In diesen Tagen finden auch verschiedene Telefonate mit den kantonalen Behörden sowie der Tourismusorganisation Alpenregion (Nils Glatthard) statt.
5. Mai: Sitzung des Vorstandes IGTB um die Vorbereitungsarbeiten für die Übernahme der Geschäfte des Tourismus Brienz ab 1. Januar 2009 zu erarbeiten und konkretisieren.
6. Mai Weitere Sitzung der IGTB und Bildung einer Arbeitsgruppe, um die Submissionsliste für den Einkauf der touristischen Leistungen fertigzustellen.
8. Mai: Treffen des Ausschusses der IGTB und Verteilung der Aufgaben an die einzelnen Mitglieder.
15. Mai: Sitzung der Arbeitsgruppe und anschliessend Rapport an den Vorstand IGTB.
16. Mai: An der Hauptversammlung der Alpenregion in Guttannen informiert Martin Casagrande die Anwesenden nochmals deutlich, dass Brienz die neu ernannte Destination «Haslital» endgültig verlasse und die IGTB bei der Gemeinde Brienz zwei entsprechende Initiativen eingereicht habe. Ein weiteres Mitglied der IGTB gibt kund, dass er sich mit der neuen Namensgebung auf keinen Fall einverstanden erklären könne. Brienz am See sei nicht gleich Haslital..
20. Mai: Sitzung mit den Verantwortlichen der Tourismusorganisation Interlaken. Ausarbeitung der von der IGTB zu unterbreitenden Offertanfrage für das punktuelle Mitmachen an verschiedenen Werbeaktionen und touristischen Angeboten dieser Grossorganisation im Berner Oberland. Die Verhandlung verläuft positiv, der Umfang der Submission wird festgelegt und weitere Schritte sowie die detaillierte Offertstellung werden terminiert.
2. Juni: Haslital-Tourismus in der Person von Nils Glatthard trifft sich mit drei Vertretern der IGTB. Besprochen wird der Umfang der von Haslital zu offerierenden Leistungen. Der Kanton Bern hat mit der damaligen Alpenregion einen Vertrag bis Ende 2010 abgeschlossen; dadurch fliessen, gemäss Angaben des Kantons, die Beherbergungsabgaben von Brienz in der Höhe von zirka 70 000 Franken mindestens bis zu diesem Zeitpunkt weiterhin ins Haslital. Der Beitrag den der Brienzer Tourismus im Jahr 2007 generierte und an die Alpenregion ablieferte beträgt über 650 000 Franken. Das Gespräch verläuft positiv, der Umfang der Submission wird festgelegt und weitere Schritte sowie eine detaillierte Offertestellung erarbeitet. Des weitern wird besprochen welche Sofortmassnahmen bereits vor Unterzeichnung der punktuellen Verträge eingeleitet werden müssen, um eine lückenlose Bewerbung/Marketing von Brienz sicherzustellen.
2. Juni: Vorstandssitzung IGTB, der Ausschuss informiert über die gemeinsamen Marketingmöglichkeiten sowohl mit TOI wie mit Haslital. Die IGTB beschliesst bei beiden Anbietern Leistungen einzukaufen.
9. Juni: Auf Anfrage der IGTB gewährt der Gemeinderatspräsident Peter Flück eine Aussprache mit ihm und zwei Ratsmitgliedern. Die Dauer der Besprechung von 30 Minuten wird klar vorgegeben. Der Präsident der IGTB Martin Casagrande legt die Kooperationsmöglichkeiten offen dar und bittet den Gemeinderat die zukünftige Leistungsvereinbarung direkt mit der IGTB abzuschliessen, welche die Interessen des lokalen Tourismus vertritt. Die IGTB bietet dem Gemeinderat an, die ausgearbeiteten, detaillierten Submissionsunterlagen zur Einsicht einzureichen. Auf die Frage, wie sich der Gemeinderat zur Selbstverwaltung der in Brienz generierten Gelder stelle, gab der Gemeinderatspräsident keine Antwort. Der Gemeinderat warte noch auf einen Bescheid und werde am Donnerstag 11. Juni 2008 informieren. Es sei erwähnt und unterstrichen, dass zu dem Zeitpunkt, als der Gemeinderat anscheinend wohlgesonnen den Anliegen der IGTB lauschte, die neue Leistungsvereinbarung mit dem Verein Haslital-Tourismus durch die Gemeinde bereits seit einer Woche unterzeichnet war.
13. Juni: Aus der Zeitung und der Presse müssen die Mitglieder der IGTB, das Gewerbe und der Hotelierverein vernehmen, dass der Gemeinderatspräsident eine weitere Leistungsvereinbarung mit dem Verein Haslital-Tourismus, vertreten durch den CEO Alexander Zwahlen, bis 31. Dezember2010 vereinbart und diese bereits am 2. Juni unterzeichnet hat. Als Vertreter des Volkes erachtet der Gemeinderatspräsident es nicht einmal als notwendig, die IGTB sowie die touristischen Anbieter aus Brienz vorgängig zu informieren. Eine Hinhaltetaktik und ein politisches Ränkespiel ohnegleichen.
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