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Millionenschwere Bauvorhaben im Bereich des Bahnhofs Interlaken-West

Im Zuge der am 15. März 2009 vorgesehenen Schliessung des Bahnübergangs Straubhaar beim Bahnhof Interlaken-West sollen ab kommenden Herbst gleichzeitig zwei Projekte realisiert werden: Ein siebeneinhalb Millionen Franken teures Bauprojekt der BLS AG mit einer Velo- und Fussgängerunterführung und einer Perronverlängerung auf 420 Meter sowie verschiedene Vorhaben der Gemeinde Interlaken mit Gesamtkosten von rund zehn Millionen Franken. Als dritter Partner bei diesen Bauvorhaben investieren die Industrielle Betriebe Interlaken (IBI) 2,2 Millionen Franken für Leitungssanierungen.

Der Straubhaar-Übergang beim Bahnhof Interlaken-West wird geschlossen und durch eine Velo- und Fussgängerunterführung ersetzt. (Bilder Dora Schmid-Zürcher)

ds. Bei den Bauvorhaben der BLS AG und der Gemeinde Interlaken im Bereich Bahnhof Interlaken-West handelt es sich laut dem Interlakner Gemeindepräsidenten Urs Graf um die Schliessung des Bahnübergangs Straubhaar sowie um die Sanierung der Bahnhofstrasse im Rahmen von «Crossbow». Graf bezeichnete am Montagvormittag an einer Medienorientierung das Bauen in bereits verbautem Raum als äussert komplex und es stelle sich auch das Problem was unter der Strasse sei. In Interlaken müsse bei dieser Gelegenheit unbedingt ein Versäumnis aus der Vergangenheit, nämlich eine Sauberwasserleitung vom Postplatz zum Bahnhofplatz, realisiert werden.

Perronverlängerung auf 420 Meter
Das siebeneinhalb Millionen Franken teure Bauprojekt der BLS wurde von Walter Kernen, Projektleiter der BLS als Nachfolgeprojekt nach der gescheiterten Volksabstimmung zur Entflechtung von Schiene und Strasse vom 26. November 2006 vorgestellt. Die Baubewilligung für das Projekt liege seit dem 23. April 2008 vor. Der Perron soll auf 420 Meter nutzbare Länge verlängert und auf 55 Zentimeter erhöht werden. Als Ersatz für den Niveauübergang Straubhaar, der nach Plan am 15. März 2009 geschlossen werden soll, baue die BLS eine fünfeinhalb Meter breite Velo- und Fussgängerunterführung. Sowohl die neue als auch die bereits bestehende Unterführung würden behindertengerecht erschlossen. Zusätzlich sollen bei der alten Unterführung im Frühjahr 2009 Lifte eingebaut und die Unterführung mit Licht und einem neuen Anstrich freundlicher gestaltet werden. Weitere Projektteile seien eine Perrondachverlängerung um 54 Meter, zusätzliche Veloparkiermöglichkeiten und die Optimierung des Strassenanschlusses Nord (Fabrikstrasse / Kanalpromenade / Bahnhofstrasse) mit nur noch einer Einmündung in die Bahnhofstrasse. Die bisherigen Querparkierung werde aufgehoben und neu mit Längsparkierung verändert und neben neu gelegten Park- and-Rideplätzen werden auch sogenannte Aussteigeplätze realisiert. Anstelle der bisherigen Park- and-Rideplätze würden 200 Veloparkplätze realisiert: «Der Platz der Schrebergärten wird an die Gemeinde Interlaken vermietet und darauf werden 17 normale Parkplätze entstehen» Die BLS will am 22. September 2008 mit dem Umbau der Schrebergärten im Bereich Nord beginnen und das gesamte Projektes bis Dezember 2009 ausgeführt haben.

Auch die Fabrikstrasse soll saniert werden.

Das von Interlaken beigezogene Büro Zeltner  und Partner stellte die in Abhängigkeit mit dem BLS-Projekt geplanten Projekte der Gemeinde vor. Durch die Aufhebung des Straubhaarübergangs werde auch die Fabrikstrasse tangiert. Durch den für 3. November 2008 geplanten Abbruch der Liegenschaft HG Commerciale erhalte die fünfeinhalb Meter breite Strasse eine neue Bedeutung. Die Sanierung und Erneuerung werde mit Kosten von 2,2 Millionen Franken veranschlagt. Die Bahnhofstrasse soll für 1,2 Millionen Franken umgestaltet werden. Dieses Geld sei bereits mit einem gültigen GGR-Beschluss gesprochen. Die Strasse werde auf zwei Fahrspuren von je drei Meter umgestaltet und der freiwerdende Raum soll dem Fussgänger zur Verfügung gestellt werden. Vorgesehen sei auch eine Hochwasserentlastung vom Postplatz zum Schiffahrtskanal. Mit einem Mikrotunnel von 1,2 Meter Durchmesser soll der bestehende Kanal entlastet werden. Für diesen 4,9 Millionen Franken teuren Mikrotunnel brauche Interlaken weder einen GGR-Entscheid noch eine Volksabstimmung: Der Mikrotunnel werde über die Spezialfianzierung Gebühren abgerechnet. Für den Bau des Mikrotunnels werde die Fläche des bestehenden Carparkplatzes benötigt. Die bestehende Kreuzung Bahnhofplatz soll zu einem provisorischen Kreisel mit 27 Meter Durchmesser umgebaut werden. Vor dem Kreisel soll eine mit der Vorblinkzeit der Barriere gekoppelte kombinierte Lichtsignalanlage installiert werden. Der 610 000 Franken teure provisorische Kreisel – provisorisch weil der Bahnhofplatz zu einem späteren Zeitpunkt auch noch umgestaltet werden soll muss – soll als Wendemöglichkeit für Busse genutzt werden, nachdem unmittelbar beim Kreisel vier Ein- und Aussteigekurzzeitparkplätze geplant sind. Die Carparkplätze werden von der Fabrikstrasse an die Waldeggstrasse verlegt.

Von links nach rechts: Hans Zeltner, Zeltner und Partner AG, Walter Kernen, Projektleiter BLS, und Jürg Nachbur, Bereichsleiter Gas/Wasser IBI.

Die Gemeinde Interlaken beteilige sich zusätzlich zum 2,2 Millionen teuren Projekt Erneuerung und Sanierung Fabrikstrasse mit 849 000 Franken am Projekt der BLS Teil Nord, Aareckplatz, verlautete im weiteren. Begründung: Die Kosten für die 17 Parkplätze und für die Veloständer sind gesetzlich klar Gemeindesache. Deshalb habe Interlaken auch mit der Gemeinde Unterseen Verhandlungen geführt und rechne mit einem Beitrag von 200 000 Franken. 170 000 Franken dafür entfielen auf die Veloständer und 30 000 Franken auf die Einmündung in die Bahnhofstrasse. Am Teil Süd des Projekts beteilige sich Interlaken mit einem Betrag von 638 000 Franken an die Realisierung der velo- und behindertengerechten Unterführung. Laut Gemeindepräsident Urs Graf braucht es bei der Abstimmung am 30. November 2008 unbedingt ein Ja zu den bisher noch nicht gesprochenen 3,7 Millionen Franken. Sonst habe die Gemeinde ernsthafte Probleme, denn die Fabrikstrasse müsse saniert werden.

Im Zuge der Bauarbeiten rund um den Bahnhof Interlaken West/Bahnhofstrasse werden die Werkleitungen der Industriellen Betriebe Interlaken – Elektrizität, Gas und Wasser – ersetzt. Dabei handelt es sich nach Angaben an der Medienorientierung um Infrastrukturanlagen, die altershalber ersetzt werden müssten oder weil die Bedürfnisse einen Ausbau erforderten um die Versorungssicherheit für die nächsten 50 bis 80 Jahre sicherzustellen. Das Alter der Gas- und Wasserhauptleitungen zwischen Unterseen und Interlaken wurde mit 80 oder mehr Jahren angegeben: «Sie werden im Baustellenperimeter zusammen mit den Anschlussleitungen Fabrikstrasse, Kanalpromenade und Aareckstrasse ersetzt.» Im gleichen Bereich sollen die Verbindungen für die Stromversorgung zwischen dem IBI-Verwaltungsgebäude und der Zentrale am Schiffahrtskanal verlegt werden. Im Bereich der geplanten Fussgänger- und Velounterführung müssten alle Werkleitungen versetzt werden. Im Bereich der neuen Unterführung entstehe eine neue Querung der BLS-Gleisanlagen. Zusammen mit dem Ausbau der Fabrikstrasse (Einmündung Bahnhofstrasse bis IBI) sollen alle Medien verlegt werden. Beim Bau des Mikrotunnels sei mit Vibrationen und Setzungen zu rechnen: «Die Gefahr, dass die alten Graugussleitungen für Gas und Wasser dabei Schaden nehmen, ist sehr gross. Deshalb müssen diese vor der Erstellung des provisorischen Kreisels und des Mikrotunnels ersetzt werden. Der Ersatz erfolgt in drei Etappen und muss bis Ende 2008 abgeschlossen sein. Gleichzeitig werden auch die alten Hauszuleitungen ersetzt.» Die Sanierung respektive der Ausbau des Stromnetzes soll zusammen mit dem Strassenbau in einer späteren Phase vorgenommen werden. Auch hier würden die Haupt- und Hausanschlussleitungen ersetzt.
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