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Landvogt Hermann Gessler (Ernst Hügli) mit Gefolge. Links im Bild Werner Stauffacher (Peter Wenger). (Bilder Dora Schmid-Zürcher)
Franca Basoli inszeniert das Tellspiel Interlaken

Die neue Tellspiel-Regisseurin Franca Basoli steht mit einem engagierten Team kurz vor der Premiere des Tellspiels Interlaken 2008. Im Zentrum ihrer Inszenierung steht der Befreiungskampf des unterdrückten Volkes.

Szene mit Wilhelm Tell (Peter Rubi) (rechts im Bild). Linke Bildhälfte: Werner Stauffacher (Peter Wenger) und seine Frau Gertrud (Andrea Gertsch).

ds/bns. Die Premiere findet nach Angaben der Tellspiele Interlaken dieses Jahr am 26. Juni 2008 statt. Bis Anfang September soll an 21 Abenden und an einem Sonntagnachmittag gespielt werden. Die Spieldauer betrage etwas mehr als zwei Stunden von 20.00 bis zirka 22.15 Uhr. Bei trockenem Wetter beginne ab 18.00 Uhr ein mittelalterlicher Jahrmarkt «Tellwelt».

Mit bekannten Schweizer Volksliedern habe Franca Basoli als künstlerische Leiterin bei den Tell-Freilichtspielen in Interlaken – siehe auch Auch die neue Regie ist eine Frau vom Montag 9. Juli 2007 – dem einfachen Volk eine Stimme gegeben, verlautete am Donnerstag an einer Medienorientierung in Matten bei Interlaken. Seit fast hundert Jahren gehöre Wilhelm Tell zum festen kulturellen Angebot von Interlaken: «Diese Erfolgsgeschichte ist für eine Freilicht-Theaterproduktion einmalig. Über zwei Millionen Gäste hätten die Aufführungen bis heute besucht.»

Die neu eingefärbten Kleider werden in Handarbeit mit Pinseln auf alt getrimmt. Links Ensemblemitglied Angela Allenbach, rechts Regisseurin Franca Basoli.

Mit viel Elan und Engagement starte die Tellfamilie mit einer Neuinszenierung in die Spielsaison: «Franca Basoli hat für ihre erste Inszenierung in Interlaken Schillers Tell neu bearbeitet und zu einem emotional starken Befreiungskampf der einfachen Leute gestaltet.» Sie spielten denn auch bei dieser Neuinszenierung die wichtigste Rolle. Bei Franca Basoli habe das Volk mit dem Gesang eine eigene Stimme erhalten: «Bekannte Schweizer Volkslieder verleihen dem Freiheitskampf der Eidgenossen eine enorme Identität und Kraft.» Doch nicht nur klanglich komme das Tellspiel neu daher, auch optisch habe sich vieles verändert. Mit neuen Kostümen für rund 20 000 Franken  – nicht weniger als ein Drittel der in den nächsten drei Jahren vorgesehenen Gesamtneukostümierung sollen die Zuschauer mitten in die mittelalterliche Welt der Schweiz in ihrer Gründerzeit führen. Die neuen Kostüme für das Volk wurden nach Tellspiel-Angaben von Esther Huss aus Zürich nach authentischem mittelalterlichem Vorbild entworfen: «In der eigenen Werkstätte haben die Tellspiel-Schneiderinnen den Winter hindurch an die 200 Kostüme genäht und in historischen Farben eingefärbt.»

Einzelschicksale
Die neue Regisseurin Franca Basoli wies an der Medienorientierung darauf hin, Friedrich Schiller habe im «Tell» mehrere Handlungsstränge miteinander verwoben: «Einerseits erzählt er verschiedene Familiengeschichten mit ihren Einzelschicksalen. Andererseits beschreibt er die Entstehung der Eidgenossenschaft im Rahmen der Erhebung gegen die Herrschaft der Habsburger.» Ihre Inszenierung beleuchte die einzelnen Schicksale der Menschen innerhalb ihrer Familien: «Jede dieser Familiengeschichten ist ein Drama für sich mit eigenem Thema und Motiv. Die Anhäufung des persönlichen Unrechts, das jedem einzelnen widerfährt, führt letztlich zur gemeinsamen Sache. Um das Publikum mit diesen Einzelschicksalen zu erreichen und betroffen zu machen, müssen die Szenen auf sehr hohem emotionalem Niveau und mit grosser Authentizität gespielt werden. Die inneren Befindlichkeiten sollen transparent werden und glaubwürdig und überzeugend wirken. So möchte ich erreichen, dass das Publikum die Situationen der Figuren nachempfinden und sich emotional mit ihnen verbünden kann.»

Tellspielvereinspräsident Samuel Hügli (vorne). Hinten Landvogt Hermann Gessler (Ernst Hügli) mit berittenem Gefolge.

Der Befreiungskampf
Im Zentrum der Inszenierung von Franca Basoli am Rugen stehe der Befreiungskampf des unterdrückten Volkes, wurde im weiteren ausgeführt. Denn darum gehe es ihrer Ansicht nach im Inneren des Stückes. Schiller habe den «Tell» in einer Zeit geschrieben, als in Europa die Völker die Freiheit von der Unterdrückung Napoleons ersehnten: «Das Abschütteln einer Fremdherrschaft aus eigener Kraft – also nicht von oben – war der romantische Traum eines Mannes, der zeit seines Lebens im Schatten des Übervaters Goethe stand und viel zu früh starb. Sein Titelheld Wilhelm Tell liefert den roten Faden zur Befreiungsgeschichte.» In dem bei dieser Neuinszenierung über weite Strecken verwendeten ursprünglichen Schillertext findet sich nach den Feststellungen von Franca Basoli für das Volk so gut wie kein gesprochener Text: «Mein Konzept sieht daher vor, dem Volk als dem neuen Hauptakteur eine eigene Stimme zu verleihen. Die Art der Stimme ist der Gesang. Oft haben in der Weltgeschichte Gesänge bei Befreiungskämpfen eine bedeutende Rolle gespielt – die ‹Marseillaise› in der französischen Revolution oder ‹We Shall Overcome› bei Martin Luther King, um nur zwei der prominentesten Beispiele zu nennen. Für meine Inszenierung habe ich bekannte Schweizer Volkslieder wie das Guggisberg- oder das Beresinalied gewählt, um eine greif- und hörbare Identität zu schaffen.»

Die neue Tellspiel-Regisseurin Franca Basoli.

Die Regisseurin

Geboren und aufgewachsen ist Franca Basoli nach ihren Angaben in Ottenbach im Kanton Zürich. Sie studierte Schauspiel und Gesang in Zürich, Bochum und Köln. Bereits während des Studiums an der Schauspielschule Zürich gründete sie die freie Theater-Gruppe «Theaterfalle Zürich», die sie anschliessend zehn Jahre lang leitete. Zu den erfolgreichsten Produktionen zählte die Dramatisierung von Paul Watzlawicks Bestseller «Anleitung zum Unglücklichsein». Im Jahr 1996 gab sie mit «Taxi, Taxi» von Ray Cooney ihr Regie-Début. Weitere Inszenierungen folgten wie «Oleanna» von David Mamet, «Serenade» von Slawomir Mrozek, «Das Mädchen Ruth» von Silja Walter, «Schwan in Stücken» von Tim Krohn, «S Hotelgspänscht» von Anton Baumann, verschiedene Liederabende und immer wieder Ray Cooney. So inszenierte sie diesen Frühling Ray Cooneys «Out of Control». Im Herbst werde sie nach zwölf Jahren zum zweiten Mal bei Cooneys «Taxi, Taxi!» die Regie führen, um anschliessend «Den schwarzen Hecht» von Emil Sautter (Text) und Paul Burkhard (Musik) in Szene zu setzen. Ihrer Arbeit als Regisseurin kam nach Franca Basolis Ausführungen stets die langjährige Erfahrung als Schauspielerin und Sängerin zugute. So habe sie immer gewusst, wie es einem Schauspieler ergehe, wenn er Regieanweisungen befolgen sollte. Sie spielte Hauptrollen wie die Annie Wilkes in «Misery» von Stephen King, die Laura in der «Glasmenagerie», die Zarah Leander in «Zarah 47 – Wollt ihr das totale Lied?!», die Antonia in Dario Fos «Offene Zweierbeziehung», die Martha in «Wer hat Angst vor Virginia Woolf ...?», die Betty Eisenmann im Schweizer Spielfilm «Vollmond» von Fredi M. Murer.

Tellspiele Interlaken 2008. Die Eintrittspreise für einen gedeckten Tribünenplatz bewegen sich zwischen 26 und 48 Franken. Kinder erhalten in Begleitung Erwachsener 50 Prozent Rabatt in allen Kategorien. Für kleinere Kinder wird ein Gratis-Kinderhütedienst angeboten. In diesem Jahr wird ein neues Online-Bestellsystem aufgeschaltet. Bequem können die Tickets über www.tellspiele.ch gebucht und daheim ausgedruckt werden. – Weitere Informationen unter anderem über Aufführungskalender, Ticketservice, Ausflugsarrangements, Schülervorstellungen und kombinierte Übernachtungspauschalen auf www.tellspiele.ch / info@tellspiele.ch . Weiterhin nimmt das Tellspielbüro Interlaken am Höheweg 37 in Interlaken telefonische und schriftliche Bestellungen entgegen und bietet auch persönliche Beratungen.
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